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«Nicht jeder Salafist ist ein Extremist»

Hooligans gegen Salafisten: Düstere Bilanz nach einem gewalttätigen Sonntag in Köln – 44 verletzte Polizisten und 20 Festnahmen. Wurde die Situation «unterschätzt»?

Mindestens 4000 als gewaltbereit geltende Hooligans: Marsch durch die Kölner Innenstadt. (26. Oktober 2014)
Mindestens 4000 als gewaltbereit geltende Hooligans: Marsch durch die Kölner Innenstadt. (26. Oktober 2014)
Reuters
Dutzende verletzte Polizisten und Verhaftungen: Die gewaltbereiten Demoteilnehmer stehen der Polizei gegenüber. (26. Oktober 2014)
Dutzende verletzte Polizisten und Verhaftungen: Die gewaltbereiten Demoteilnehmer stehen der Polizei gegenüber. (26. Oktober 2014)
Keystone
«Hoolizei – Anti Sharia Team»: Die Demonstration richtete sich offiziell gegen islamistischen Extremismus. (26. Oktober 2014)
«Hoolizei – Anti Sharia Team»: Die Demonstration richtete sich offiziell gegen islamistischen Extremismus. (26. Oktober 2014)
Reuters
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Insgesamt wurden 44 Polizisten verletzt und rund 20 gewaltbereite Demonstranten in Gewahrsam genommen, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage sagte. Noch Stunden nach Ende der Veranstaltung habe «eine Handvoll» Hooligans in der Innenstadt randaliert. Dabei sei eine «kleine Gruppe» festgenommen worden und habe die Nacht auf der Wache verbracht.

Die rechtsextreme Pro-NRW-Partei hatte zu der Demonstration aufgerufen, und deutlich mehr Menschen als erwartete waren aus ganz Deutschland angereist und durch die Innenstadt marschiert. Organisator war laut Polizei die Vereinigung Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa). Schon kurz nach Beginn des Umzugs hätten Teilnehmer Feuerwerkskörper abgebrannt und dann teils in stark alkoholisiertem Zustand Polizisten mit Flaschen und Feuerwerkskörpern attackiert, teilte die Polizei mit. Die Beamten hätten Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt.

Beschädigte Einsatzfahrzeuge

Die vorläufige Bilanz vom Sonntagabend: 44 verletzte Beamte und 17 freiheitsentziehende Massnahmen. Hinzu kamen die Festnahmen aus der Nacht. Auch mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei seien beschädigt worden. Zur Zahl der Demonstranten machte die Polizei auch am Montagmorgen noch keine Angaben.

Die Demonstration war trotz der Zwischenfälle nicht abgebrochen worden, eine Gegendemonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Schon Ende September hatten Hooligans in Dortmund gegen den islamistischen Prediger Pierre Vogel protestiert. Vor der neuen Kundgebung in Köln hatte der Landeschef der Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, im «Kölner Stadtanzeiger» davor gewarnt, dass gewaltbereite Fussballanhänger mit Kontakten in die rechtsextremistische Szene Ängste in der Bevölkerung bezüglich islamistischer Extremisten ausnutzten. Die Hooligans drängelten sich «in die Rolle der Gutmenschen», um mehr Anhänger zu mobilisieren.

Deutschland, ein «tolerantes Land»

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat sich angesichts der wachsenden Salafistenszene in Deutschland besorgt gezeigt. Die «Dynamik der Entwicklung» vor dem Hintergrund des Vormarschs der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien sei «unterschätzt worden», sagte Bosbach der «Passauer Neuen Presse» vom Montag.

Deutschland sei ein «tolerantes Land», müsse aber aufpassen, nicht «an der falschen Stelle tolerant» zu sein. Bosbach warnte zugleich vor einer Pauschalisierung. Nicht jeder Salafist sei ein Extremist, sagte er der Zeitung.

Bald 7000 Jihadisten in Deutschland?

Umgekehrt seien aber die jüngsten Bedrohungen im Land von Menschen ausgegangen, die Kontakt zu der Szene gehabt hätten. Bosbach plädierte vor diesem Hintergrund für eine «Kombination von Prävention und Repression».

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Verfassungsschutz ein starkes Anwachsen der Salafistenszene in Deutschland festgestellt hat. Inzwischen zählen demnach 6300 Menschen zu diesen Gruppen, bis Ende des Jahres könnten es 7000 sein.

(AFP)

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