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Oben ohne

Manager ohne Krawatte werden salonfähig. In der Geschäftswelt soll das offene Hemd Jugendlichkeit und Dynamik signalisieren.

Krawattenfreie Zone: Axel Wuestmann (links), CEO AZ Medien, Peter Wanner (mitte), Verwaltungsratspräsident der AZ Medien, und Etienne Jornod (rechts), Verwaltungsratspräsident der NZZ, informierten am 7. Dezember 2017 allesamt ohne Krawatte über den Joint Venture Zusammenschluss der AZ Medien und der NZZ-Mediengruppe. Auch der Leiter Publizistik NZZ, Pascal Hollenstein (nicht im Bild), kam ohne Schlips.
Krawattenfreie Zone: Axel Wuestmann (links), CEO AZ Medien, Peter Wanner (mitte), Verwaltungsratspräsident der AZ Medien, und Etienne Jornod (rechts), Verwaltungsratspräsident der NZZ, informierten am 7. Dezember 2017 allesamt ohne Krawatte über den Joint Venture Zusammenschluss der AZ Medien und der NZZ-Mediengruppe. Auch der Leiter Publizistik NZZ, Pascal Hollenstein (nicht im Bild), kam ohne Schlips.
Ennio Leanza, Keystone
Kasper Rorstedt als Vorstandsvorsitzender des Chemieunternehmens Henkel bei einem Medienanlass 2009 noch mit Krawatte...
Kasper Rorstedt als Vorstandsvorsitzender des Chemieunternehmens Henkel bei einem Medienanlass 2009 noch mit Krawatte...
AP Photo/Frank Augstein
Der Vorreiter: Daimler-Chef Dieter Zetsche, hier ein Bild vom Februar 2017, war einer der ersten, der ohne Krawatte auftrat.
Der Vorreiter: Daimler-Chef Dieter Zetsche, hier ein Bild vom Februar 2017, war einer der ersten, der ohne Krawatte auftrat.
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Siemens-Chef Joe Kaeser ist viel unterwegs, in dieser Woche war er auch in Görlitz. Das Siemens-Werk in der östlichsten Stadt Deutschlands soll geschlossen werden. Nach den Verhandlungen machte der Konzernchef den Betroffenen Mut und trat am Abend unter anderem in der ARD-«Tagesschau» auf, mit ernster Miene, aber ohne Krawatte und mit offenem Kragen.

Wie Kaeser verzichten immer mehr Topmanager inzwischen auf Krawatte und dunklen Anzug. Nestlé-Chef Mark Schneider beispielsweise referierte an seinem ersten Investors Day in London ohne Krawatte, AZ-Chef Peter Wanner und NZZ-Präsident Etienne Jornod verkündeten letzte Woche das Joint Venture der beiden Verlage oben ohne. Und Roche-Chef Severin Schwan präsentiert sich auf der Website des Pharmaunternehmens gleich mehrfach ohne Krawatte.

Cool und internetaffin

Daimler-Chef Dieter Zetsche war einer der Ersten, die auch bei offiziellen Terminen plötzlich in verwaschenen Jeans, coolem Sakko und Hemd auftauchten. Adidas-Boss Kasper Rorsted, der in seiner früheren Funktion als Henkel-Chef immer Krawatte trug, erscheint nun, zielgruppentauglich, im Kapuzenpulli, mit Jeans und bunten Turnschuhen.

Inzwischen gehen auch Führungskräfte von so traditionellen Unternehmen wie ABB oben ohne zur Arbeit, in vielen Unternehmen wurde die Krawattenpflicht abgeschafft. Einzig in die Welt der Banker ist die neue Lässigkeit noch nicht vorgedrungen.

«Die Krawatte war immer etwas Verlässliches»

Stilexpertin Katharina Starlay

«Die Krawatte war immer etwas Verlässliches», sagt Stilexpertin und Buchautorin Katharina Starlay, die auch Manager berät. Der Schlips habe aber auch eine «statische Wirkung», die vielen nicht mehr zeitgemäss erscheine. Ohne wollten die Manager nun jung, dynamisch und internetaffin wirken.

«Die Chefs der Unternehmen senden damit bewusst Signale. Sie sind Aushängeschilder, nicht nur mit dem, was sie tun, sondern auch damit, wie sie sich kleiden», sagt Mark Langer, der Chef des Modeunternehmens Hugo Boss. Sie folgten auch dem Zeitgeist. Viele Kunden fänden es einfach gut, wenn sich der Chef «dem Lifestyle öffnet und die Marke sich so verjüngt», sagt Langer, der selbst aber immer Krawatte trägt, und zwar modisch schmale und einfarbig.

Die Krawatte gibt es schon seit mehr als 400 Jahren, früher war sie fester Bestandteil von Uniformen. Das Wort soll auf das französische «à la cravate» zurückgehen, was nach kroatischer Art bedeutet, denn kroatische Soldaten sollen erstmals ein grösseres Stück Stoff um den Hals getragen haben. Im vergangenen Jahrhundert kam die Krawatte dann bei Büroangestellten in Mode, sie wollten sich so gegenüber Arbeitern äusserlich abgrenzen. Das zählt heute nicht mehr, jetzt wird wieder Nähe demonstriert.

Im Ausland oft Pflicht

Es sei dabei «gar nicht so einfach, ein perfekt kombiniertes, lässiges Outfit zusammenzustellen», heisst es bei Hugo Boss. Viele Manager, die ihre klassische «Uniform» aus Anzug und Schlips ablegen, holen sich deshalb Rat. Und nicht jeder ist da so perfekt wie etwa Fiat-Boss Sergio Marchionne, der immer, auch bei einem Besuch im Weissen Haus oder bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, seinen dunklen Pullover trägt. Auch Nick Hayek, Chef der Swatch Group, zeigt sich seit je oben ohne - in Einklang mit dem Image der Plastikuhr.

In Asien oder Osteuropa aber ist die Krawatte im Geschäftsleben oft noch Pflicht. Als Siemens-Chef Joe Kaeser deshalb diese Woche den Präsidenten von Tatarstan zur Unterzeichnung eines Grossauftrags traf, tat er das mit Krawatte.

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