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Orthodoxer Jude sticht auf Gay-Parade-Teilnehmer ein

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen gelang es einem orthodoxen Juden, eine Homosexuellen-Parade in Jerusalem zu stürmen. Er stach sechs Menschen nieder.

Ein orthodoxer Jude hat in Jerusalem Teilnehmer einer Schwulen- und Lesbenparade attackiert. (30. Juli 2015)
Ein orthodoxer Jude hat in Jerusalem Teilnehmer einer Schwulen- und Lesbenparade attackiert. (30. Juli 2015)
Sebastian Scheiner, Keystone
Er stach mit einem Messer auf seine Opfer ein.
Er stach mit einem Messer auf seine Opfer ein.
Sebastian Scheiner, Keystone
Die israelischen Behörden sprechen von einem «schrecklichen Hassverbrechen».
Die israelischen Behörden sprechen von einem «schrecklichen Hassverbrechen».
Sebastian Scheiner, Keystone
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Ein orthodoxer Jude hat an einer Lesben- und Schwulenparade in Jerusalem sechs Menschen niedergestochen. Zwei der Opfer seien dabei schwer verletzt worden, sagte Polizeisprecher Asi Aharoni.

Der Mann konnte schliesslich von Sicherheitskräften überwältigt werden. Video: Reuters

Dem Angreifer sei es gelungen, trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen zu dem Umzug vorzudringen. Er wurde den Angaben zufolge von der Polizei überwältigt und festgenommen.

Täter vor drei Wochen aus Gefängnis entlassen

Der 40 Jahre alte Mann war nach Polizeiangaben schon nach einem ähnlichen Angriff auf die Schwulenparade vor zehn Jahren festgenommen worden. Nach der Attacke 2005 war er zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er war nach Verbüssung von zehn Jahren dieser Strafe vor rund drei Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin sprach von einem «schrecklichen Hassverbrechen» und warnte vor Intoleranz. «Die Freiheit des Individuums ist einer der grundlegendsten Werte in Israel», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. «Wir müssen sicherstellen, dass in Israel jeder Mann und jede Frau sicher leben kann – wie auch immer sie sich entscheiden», fügte er hinzu.

Mehrere Hundert Polizisten im Einsatz

Auch der sephardische Oberrabbiner Izchak Josef verurteilte die Tat und verlangte, der Messerstecher müsse wie ein Mörder bestraft werden.

Ultraorthodoxe Gruppen haben gegen die Parade in Jerusalem opponiert, die sie für widerwärtig halten. Zum Schutz der mehreren Tausend schwulen und lesbischen Teilnehmer waren mehrere Hundert Polizisten und freiwillige Helfer im Einsatz. Die Umzugsroute war bewusst kurz und weit entfernt von den bedeutenden religiösen Zentren für Judentum, Islam und Christentum in Jerusalem gehalten.

2006 hatte es mehrtägige massive Proteste von Ultraorthodoxen gegen den Umzug gegeben. Im vergangenen Jahr hatte der Umzug wegen des Gaza-Krieges erst im September stattgefunden. Zu der – deutlich populäreren – Homosexuellenparade in Tel Aviv waren im Juni rund 180'000 Teilnehmer gekommen.

SDA/rar

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