Peinliche Paradestrecke

Ein «Sprinter» der Deutschen Bahn soll von Berlin nach München rasen. Oft kriecht er noch.

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So viel Aufmerksamkeit hat es lange nicht mehr gegeben für eine deutsche Bahnstrecke: Seit dem Fahrplanwechsel letztes Wochenende ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München in Betrieb. Vier Stunden soll die Reise im «Sprinter» jetzt dauern – das macht dem Flugzeug Konkurrenz. 20 Jahre wurde gebaut, 10 Milliarden Euro investiert, 37 Brücken, 26 Tunnel, 1000 Testfahrten. Aber in den letzten Tagen konnten die ICE-Züge nur selten auf der hochmodernen Rennstrecke fahren. Sogar ein Sonderzug voller Prominenz musste anhalten, warten und brauchte am Ende doch die bisher üblichen sechs Stunden für die Strecke.

Schuld ist das komplexe Kontrollsystem ETCS-2, das auf den entscheidenden gut 100 Kilometern alle herkömmlichen Bahnsignale ersetzt. Das europäische Einheitssystem ist auch schon in der Schweiz im Einsatz, etwa im Gotthard-Basistunnel. Es kann funktionieren. In Deutschland allerdings derzeit nicht. Fieberhaft suchen deutsche Ingenieure und ihre französischen Partner, die für das Signalsystem zuständig sind, nach den Fehlern und sprechen von «Kinderkrankheiten».

Für die Deutsche Bahn könnte die Eröffnung ihrer neuen Prestigestrecke kaum peinlicher sein – nachdem es ohnehin schon Dauerkritik gegeben hat, auch aus der Schweiz. Als im Rheingraben eine im Bau befindliche Brücke der befahrenen Strecke zusammensackte, war auch der Verkehr aus der Schweiz sieben Wochen lang beeinträchtigt. Die Rheinschifffahrt freute sich, der Lastwagenverkehr nahm deutlich zu. Und die Bahn übte sich in Schadensbegrenzung. Das ist auch jetzt der Fall. Man verspricht schnelle Besserung, zahlt grosszügige Entschädigungen. Aber die Fahrgäste fluchen.

Erstellt: 13.12.2017, 20:32 Uhr

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