Polizei fasst Verdächtigen nach «Live-Vergewaltigung» auf Facebook

In Chicago haben Dutzende Personen eine Vergewaltigung auf Facebook mitverfolgt – niemand verständigte die Polizei.

Rund 40 Personen sahen den Live-Stream mit: Ein Facebook-Video auf einem Smartphone. (Symbol)

Rund 40 Personen sahen den Live-Stream mit: Ein Facebook-Video auf einem Smartphone. (Symbol) Bild: Silas Stein/Keystone

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Nachdem mehrere Männer eine 15-Jährige in Chicago offenbar vergewaltigt und die Tat live über Facebook gestreamt haben, ist es nun zu einer ersten Festnahme gekommen. Bei der Person handelt es sich um einen 14-jährigen Jungen, wie die Polizei am Samstagabend (Ortszeit) mitteilte.

Nach Polizeiangaben waren an dem Angriff fünf bis sechs Jungen oder Männer beteiligt. Erschreckend an dem Vorfall war auch, dass laut US-Medienberichten rund 40 Internetnutzer das Video anschauten, aber keiner von ihnen die Polizei verständigte.

Mutter gab der Polizei Screenshots des Live-Streams

Der festgenommene 14-Jährige sei «einer der Täter in dem Video» gewesen, sagte Polizeisprecher Anthony Guglielmi. Dem minderjährigen Verdächtigen drohe eine Anklage wegen schweren kriminellen sexuellen Übergriffs, Herstellung von Kinderpornografie und Verbreitung von Kinderpornografie. Guglielmi sagte, es werde mit weiteren Festnahmen gerechnet.

Das 15-jährige Mädchen war am 19. März in der von einer hohen Kriminalitätsrate geplagten US-Metropole verschwunden. Zwei Tage später wurde sie von der Polizei gefunden und zu ihrer Mutter zurückgebracht. Laut Polizei wurde sie anschliessend zur Behandlung in ein Kinderkrankenhaus gebracht. Die Mutter übergab der Polizei drastische Screenshots von dem Verbrechen, die aus dem Facebook-Video stammten.

Schiessereien und Morde haben stark zugenommen

Es war das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass die Chicagoer Polizei wegen eines Angriffs ermittelte, der live bei Facebook ausgestrahlt wurde. Im Januar wurden vier Personen festgenommen, nachdem auf einem Video angeblich zu sehen war, wie sie einen geistig behinderten Mann schlagen.

In Chicago hatte die Kriminalität zuletzt stark zugenommen. Im vergangenen Jahr wurde in der Stadt die höchste Zahl an Schiessereien und Morden seit knapp zwei Jahrzehnten registriert. Ein Grossteil der Gewalt konzentriert sich auf wenige verarmte Stadtteile, darunter auch die Gegend, aus der die 15-Jährige stammt.

(mch/afp/ap)

Erstellt: 02.04.2017, 14:42 Uhr

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