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Priester fällt vor Gericht in Ohnmacht

In Freiburg ist der Prozess gegen einen Priester nach dessen Zusammenbruch unterbrochen worden. Er wird beschuldigt, Gelder für Opfer von sexuellem Missbrauch in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Vor dem Wirtschaftsstrafgericht in Freiburg ist der Prozess gegen einen ehemaligen Offizial des Bistums Freiburg, Lausanne und Genf eröffnet worden. Dem 57-jährigen Peruaner werden Betrug und Veruntreuung im Deliktsbetrag von gegen einer halben Million Franken vorgeworfen. Das Urteil soll am 23. September fallen.

Die Gerichtsverhandlung musste bereits nach kurzer Zeit für mehrere Stunden unterbrochen werden, weil der Angeklagte einen Schwächeanfall erlitt und im Gerichtssaal zusammenbrach. Laut seinem Anwalt Robert Assael leidet er unter Epilepsie und hatte bereits im Zug bei der Anfahrt zum Prozess einen Anfall. Vor dem Schwächeanfall hatte sich der ehemalige Offizial im Gerichtssaal entschuldigt.

Um Verzeihung gebeten

Er bat die Verantwortlichen der Stiftung Marguerite Bays, aus deren Kasse er sich auch ungerechtfertigterweise bedient hatte, um Verzeihung. Sein Verhalten sei unentschuldbar, sagte er. Er sei sich bewusst geworden, dass er gegen seine heiligsten Prinzipien verstossen habe, erklärte er vor Gericht.

Als der Prozess am Nachmittag fortgesetzt wurde, gab der Angeklagte erstmals auch zu, dass er ein Waisenkind, dessen Vormundschaft er übernommen hatte, um gegen 80'000 Franken geprellt hatte, als sie in den USA studierte. Er habe ihr Vertrauen missbraucht, ihre Zuneigung und das Versprechen, wie ein Vater über sie zu wachen, sagte er. Wie viel Geld er genau für private Zwecke veruntreut hat, blieb zunächst unklar. Laut seinem Anwalt vermischte er seine privaten Konten mit jenen seiner kirchlichen Tätigkeiten.

Von 1991 bis 2003 als Offizial tätig

Der Angeklagte war von August 1991 bis Dezember 2003 als Offizial des Bistums tätig und damit Leiter der kirchlichen Gerichtsbehörde im Bistum. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, vom Bistum 100.000 Franken einkassiert zu haben, um damit angeblich ein Opfer eines sexuellen Missbrauchs durch einen Seminaristen in den 60-er Jahren zu entschädigen. In Wirklichkeit soll er aber den gesamten Betrag in die eigene Tasche abgezweigt haben. Weiter soll er zwischen 50.000 und 190.000 Franken aus der Kasse des Bistums veruntreut haben. 17.000 Franken soll er Menschen abgeknöpft haben, die von der Kirche ihre Heirat annullieren lassen wollten. Auch aus der Stiftung Marguerite Bays soll er mehrere 10.000 Franken für persönliche Zwecke abgezweigt haben. Dazu kommt die Veruntreuung von Geldern des Waisenkindes, dessen Vormundschaft er übernommen hatte. Der Peruaner, der als Offizial Leiter der bischöflichen Gerichtsbehörde war, soll sich auch eines falschen Doktortitels bedient haben. Der Angeklagte hat bereits im Laufe der Ermittlungen einen Teil der ihm zur Last gelegten Straftaten gestanden.

Der Prozess soll fünf Tage dauern. Für (morgigen) Dienstag wurden die Zeugenaussagen eines Vertreters des Bistums erwartet. Das Urteil soll am kommenden 23. September verkündet werden.

SDA/bru

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