Prozess um Loveparade-Drama geplatzt

Rund sechs Jahre nach der Katastrophe in Duisburg lehnt das Gericht die Anklage im Hauptverfahren ab. Die Gründe.

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Der Tod von 21 Menschen bei der Loveparade-Katastrophe im deutschen Duisburg vor knapp sechs Jahren bleibt womöglich ohne strafrechtliche Folgen. Das Landgericht Duisburg hat die Eröffnung eines Strafprozesses abgelehnt.

Das zentrale Beweismittel der Anklage weist nach Einschätzung der Richter «gravierende inhaltliche und methodische Mängel» auf. Für die Betroffenen ist das eine riesige Enttäuschung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äusserte ihr Unverständnis, dass es keinen Strafprozess geben soll.

21 Tote und 652 Verletzte

Bei dem Technofestival in Duisburg am 24. Juli 2010 war es an einer Engstelle zu einem tödlichen Gedränge gekommen. 21 Menschen starben, mindestens 652 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Im Februar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen wurde unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Fehler bei der Planung des Anlasses

Dabei stützte sich die Anklage ganz wesentlich auf das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still. Er hatte Fehler bei der Planung, der Genehmigung und der Durchführung der Loveparade ausgemacht. Die zehn Angeschuldigten sollten mitverantwortlich dafür sein, dass die Rampe für den Zu- und Abgang für Zehntausende Besucher verengt wurde.

Doch Still war schnell öffentlich in die Kritik geraten. Auch die 5. Grosse Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Joachim Schwartz äusserte Zweifel. Am Dienstag nun stellten die Richter dem Briten ein vernichtendes Zeugnis aus. Sein Gutachten sei wegen gravierender Mängel nicht verwertbar. Zudem bestehe die Sorge, das Still nicht unbefangen an den Fall herangegangen sei.

Verurteilung ist nicht zu erwarten

«Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden», stellten die Richter deshalb fest. «Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten.»

Opferanwalt Julius Reiter, der rund 100 Betroffene vertritt, bezeichnete die Entscheidung als «Justizskandal». Seine Kanzlei wäge weitere juristische Schritte ab. Auch viele Hinterbliebene sowie Opfer, die das Gedränge überlebt haben, äusserten sich entsetzt.

Beschwerde möglich

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger können gegen einen sogenannten Nichteröffnungsbeschluss eine sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen. Kommt es dazu, wird ein Beschwerdesenat die Entscheidung überprüfen.

Wird die Beschwerde abgelehnt, gibt es kein weiteres Rechtsmittel gegen die Nichtzulassung. Eine erneute Anklage kann dann nur auf Grund neuer Tatsachen oder Beweismittel erhoben werden.

Das Verfahren hatte sich immer wieder in die Länge gezogen, weil die Richter sich durch riesige Mengen an Material arbeiten mussten. Die Hauptakte mit den wichtigsten Unterlagen für den Prozess umfasst mehr als 46'700 Seiten und füllt 99 Aktenordner. Hinzu kommen mehr als 800 Ordner mit ergänzendem Aktenmaterial.

Unabhängig von der Absage an ein Strafverfahren wird sich das Landgericht Duisburg weiter mit mehreren Schadenersatzprozessen von Opfern des Unglücks beschäftigen. (woz/AFP)

Erstellt: 05.04.2016, 10:47 Uhr

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