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Reeder darf nicht mehr ausreisen

Ermittler durchsuchen die Büros und die private Wohnung des Betreibers der Unglücksfähre Sewol. Seine Vermögenswerte sollen später als Schadenersatz ausgezahlt werden.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Eine Woche nach dem Untergang des Schiffs durchsuchten die Ermittler zahlreiche Büros der Reederei Chonghaejin Marine.

Die Razzien zielten laut Medienberichten auch auf die Wohnungen der Familie des Reederei-Eigentümers, Yoo Byung Eun, sowie auf Unternehmen und eine religiöse Gruppe, die mit Chonghaejin Marine in Verbindung stehen. Gegen Yoo und das Management wird unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Untreue ermittelt.

Neben dem Kapitän und anderen Crewmitgliedern gerät nun der Betreiber der südkoreanischen Unglücksfähre Sewol zunehmend unter Verdacht. Die Ermittler wollen Vermögenswerten nachspüren, damit später Schadenersatz an die Familien der Opfer gezahlt werden kann. Gegen Yoo, seine Söhne sowie Dutzende von Angestellten wurden den Berichten zufolge 30-tägige Ausreiseverbote verhängt.

Über 150 Tote

Vor der Südwestküste des Landes setzten die Bergungskräfte derweil ihre Suche nach vermissten Passagieren fort. Taucher ziehen dabei immer mehr Leichen aus dem Wrack. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg auf mehr als 150.

Von den ursprünglich 476 Menschen an Bord - die meisten von ihnen Jugendliche auf einem Schulausflug - galten fast 150 weiter als vermisst. Die Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden, zerschlug sich bisher.

174 Menschen hatten bei der Katastrophe am 16. April gerettet werden können. Die Angehörigen der Vermissten hatten gefordert, die Suchaktion in dieser Woche abzuschliessen.

Passagiere im Stich gelassen

Viele Fragen zum Verlauf der Katastrophe sind noch immer offen. Die Ermittler prüften, ob der Kapitän wegen «Totschlags durch Unterlassen» angeklagt werden könne, berichtete der staatliche Sender Arirang.

Der 68-jährige Kapitän sitzt neben weiteren leitenden Besatzungsmitgliedern in U-Haft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, fahrlässig gehandelt und das sinkende Schiff mit den Passagieren im Stich gelassen zu haben.

Unter den Geretteten waren der Kapitän und die meisten der anderen 28 Besatzungsmitglieder. Untersucht wird auch, warum unmittelbar nach dem Kentern keine Evakuierung angeordnet wurde.

Tausende Menschen trauerten in einem zur provisorischen Gedenkstätte umfunktionierten Sportstadion von Ansan um die Opfer. Das Stadion ist nur wenige Meter von der Danwon High School entfernt, aus der die meisten der Toten und Vermissten stammten.

Unter den Trauernden waren auch viele Schüler der Mittelschule. Einige brachen zusammen und mussten aus dem Stadion gebracht werden. An Bord der Unglücksfähre befanden sich über 350 Danwon-Schüler, bloss 75 von ihnen überlebten. Viele sind nach Angaben von Psychologen schwer traumatisiert.

Überlebende fühlen sich «wie Sünder»

Ein Vater berichtete Reportern, dass sich die Überlebenden «wie Sünder fühlen». Sie könnten sich nicht freuen, überlebt zu haben, sondern hätten gegenüber ihren toten Kameraden Schuldgefühle. Einer der Überlebenden, der stellvertretende Schulleiter, erhängte sich nach seiner Rettung, weil er dieses Gefühl nicht mehr ertrug.

Aber auch für die Angehörigen der Opfer ist die Tragödie schwer zu verarbeiten. Die Gefahr sei gross, dass einige psychologischen Beistand ablehnen würden und sich stattdessen umbringen könnten, warnte der Psychiater Ha Jung Mi. Viele Südkoreaner halten psychologische Hilfe für ein Zeichen der Schwäche - gleichzeitig weist das Land eine der höchsten Selbstmordraten weltweit auf.

SDA/kle

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