37-jährige Italienerin stirbt, Chauffeur in Lebensgefahr

Bei einem Reisecar-Unfall auf der Zürcher Sihlhochstrasse wurden über 40 Menschen verletzt, drei davon schwer.

Die Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich, Rebecca Tilen, informiert. (Video: Dominique Meienberg)

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Bei einem schweren Verkehrsunfall eines Reisecars auf der Autobahn A3 bei Zürich ist am Sonntagmorgen eine 37-jährige Italienerin ums Leben gekommen. 41 Menschen wurden verletzt, drei davon, unter anderem die beiden Chauffeure, schwer. Der Unfall passierte auf der Sihlhochstrasse, wo die ursprünglich geplante Autobahn in einer Mauer endet.

Einer der Chauffeure schwebt noch in Lebensgefahr. Der 61-jährige Italiener sass zum Unfallzeitpunkt nicht am Steuer. 22 Personen konnten mittlerweile das Spital wieder verlassen und ihre Weiterreise antreten.

Der Car war um 4.15 Uhr ins Schleudern geraten und in die Mauer am Autobahnende geprallt. Diese Mauer verhinderte, dass der Car auch noch 10 Meter hinunter in die Sihl stürzte. Zur Unfallursache könne noch nichts Genaues gesagt werden, schreibt die Kantonspolizei Zürich in einer Mitteilung. Der Zustand des Fahrzeugs und der Fahrbahn sowie das Verhalten des Chauffeurs seien Gegenstand von Ermittlungen. Der Bus gehöre zu einem Subunternehmen von Flixbus und war von Genua nach Düsseldorf unterwegs.

Wie ein Passagier gegenüber «Tele Züri» sagte, fuhr der Bus seiner Ansicht nach «zu schnell in die Kurve». Die Mauer habe Schlimmeres verhindert. Der Kolumbianer trug Verletzungen am Arm davon.

Bus war mit Winterreifen ausgerüstet

Bei den Passagieren handelt es sich um 27 Männer und 23 Frauen im Alter zwischen 16 und 77 Jahren. Kinder waren keine an Bord. Im Bus waren laut der Kapo 50 Personen – eine aus der Schweiz, 16 Personen aus Italien, 10 aus Russland, 5 aus Deutschland, 5 aus Nigeria, 4 aus Kolumbien, 2 aus Albanien und je eine Person aus Rumänien, Jordanien, Ghana, Benin, Bosnien & Herzegowina sowie eine Person, deren Nationalität unbekannt ist. Bei den Chauffeuren handelt es sich um Italiener im Alter von 57 und 61 Jahren. Die jüngste Person an Bord war eine 16-jährige Schweizerin. Sie blieb unverletzt. Ihr Reiseziel war Zürich.

Wegen des Unfalls wurde die Autobahn zwischen Brunau und Wiedikon in beiden Richtungen gesperrt. Sie blieb vorübergehend unbefahrbar. Warum der Car von der richtigen Spur abkam und in der Mauer landete, war am Morgen unklar. Zum Zeitpunkt des Unfalls war die Strasse noch schneebedeckt. Meteorologen warnten vor Glatteis. Der eingesetzte Bus war mit Winterreifen ausgerüstet. Das bestätigt Flixbus gegenüber 20 Minuten.

Zürich: Der Reisecar am Unfallort. (Video: Tamedia/20Minuten)

Ein Taxifahrer, der den Unfall offenbar im Rückspiegel beobachtet hatte, sagte gegenüber «20 Minuten»: «Ich hörte einen lauten Knall.» Auf der Autobahn sei Schnee gelegen, sie sei nicht gereinigt gewesen. «Es war wirklich gefährlich. Ich kam selber ins Rutschen. Ich wusste, dass ich jetzt einfach nicht auf die Bremse stehen darf.» Mit der Handbremse und dem Steuer habe er die Kontrolle über das Fahrzeug wiedergewonnen. Er habe auch andere Fahrzeuge gesehen, die ins Rutschen kamen.

Rest des «Expressstrassen-Ypsilon»

Der Unfall passierte auf dem Autobahn-Stummel, der heute noch von der einstigen Autobahn-Euphorie zeugt. Die im Jahr 1974 eröffnete Sihlhochstrasse sollte den Südast des «Expressstrassen-Ypsilon» bilden, der quer durch die Stadt hätte führen sollen. Das «Ypsilon» wurde nie fertiggestellt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen wurde das Projekt beerdigt. Von den Plänen übrig blieb der bereits gebaute Autobahn-Stummel hoch über der Sihl.

Einst als Teil des «Expressstrassen-Ypsilons» gedacht: der Autobahn-Stummel über der Sihl. Archivbild

Auf die Tatsache, dass die Autobahn dort zu Ende ist, wird nicht speziell hingewiesen. Die Fahrspur biegt früh genug rechts ab. Wer jedoch links auf den Pannenstreifen gerät, kollidiert bald mit der Mauer. Eine Absperrung gibt es nicht, da der «Stummel» regelmässig von Polizei und Rettungskräften genutzt wird, um schnell die Richtung wechseln zu können und zu einer Unfallstelle zu gelangen. Eine Absperrung müsste jedes Mal ab- und wieder aufgebaut werden.

Lastwagen stürzte in die Sihl

Im März 2016 gab es an dieser Stelle bereits einmal einen schweren Unfall. Damals hatte sich an einem Nachmittag ein Stau gebildet, ein Lastwagenfahrer fuhr von hinten auf die stehenden Fahrzeuge auf, geriet nach links auf den Pannenstreifen und schliesslich auf den Autobahn-Stummel.

Anders als an diesem Sonntagmorgen gab die Abschrankung damals aber nach. Der Lastwagen durchbrach die Mauer, so dass er zehn Meter in die Tiefe stürzte und in der Sihl landete. Der Chauffeur erlitt schwere Verletzungen an den Beinen, überlebte aber.

Der Lastwagen stürzte 2016 von der Autobahn in die Sihl. Bild: Doris Fanconi (scl/SDA/20 Min/TA)

Erstellt: 16.12.2018, 13:31 Uhr

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