Riesen verzaubern Genf

Für das Spektakel «Die Saga der Riesen» erwartet Genf bis Sonntag eine Million Besucher.

Besucher vor der schlafenden Grossmutter in Genf. Foto: Keystone

Besucher vor der schlafenden Grossmutter in Genf. Foto: Keystone

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Die Grossmutter ist seit Mitte Woche da. Scheinbar regungslos lag die mehrere Meter grosse Dame gestern mitten im imposanten Gebäude des ehemaligen Genfer Laufwasserkraftwerks. Die Riesin schlief nicht etwa auf dem harten Boden, sondern in einem ausgepolsterten Bett samt Duvet, besucht und bewundert von vielen Erwachsenen und Scharen von Kindern.

Das Spektakel hat begonnen. «Alle zehn Minuten atmet sie», sagte Jean Liermier, Direktor des Théatre de Carouge. «Sie wird nun immer lebendiger, bis sie sich in ihren Rollstuhl setzt, durch Genf fährt, in den Strassen dann und wann aussteigt, um mithilfe ihres Gehstocks einige Meter zu gehen und dem Publikum Geschichten zu erzählen», führte der Theatermacher aus und geriet ins Schwärmen. Weil man die alte Dame nicht verstehe, werde ein Schauspieler das Gesagte übersetzen. Und irgendwann treffe die Grossmutter auf die kleine Riesin, die ebenfalls durch Genf spaziere.

Die französische Künstlertruppe Royal de Luxe, deren Mitglieder die grossen Figuren bewegen, war mit ihren Riesen schon in allen Erdteilen unterwegs. Welchen Kontinent die Truppe mit ihren Riesen auch betrat: Die Begeisterung war grenzenlos. Bei ihrem Auftritt in Santiago de Chile strömten 2,5 Millionen Menschen zusammen. In Genf soll es bis Sonntag eine Million sein. Besucher werden aus allen Teilen der Deutschschweiz und selbst aus Lyon in die Stadt strömen.

Tränen zum Abschied

Dass die Riesen in Genf auftreten, hat die Stadt Jean Liermier zu verdanken. Er entdeckte sie auf Fotos, schrieb Royal de Luxe an und fragte, ob nicht einmal eine Riesin auf dem Dach seines Theaters Ski fahren könne. «Meine Anfrage wurde mit Erstaunen aufgenommen», amüsiert sich Liermier. Er realisierte selbst, dass auf seinem Theaterdach wohl nie eine Riesin auftreten würde, aber fragte sich: «Warum sollen wir nicht die ganze Truppe nach Genf holen?»

Also reiste Liermier nach Nantes, um sich das Spektakel live anzusehen. Was er in Nantes erlebte, lässt ihn bis heute nicht los. «Die Leute haben geschrien, als die Grossmutter ihrem Rollstuhl entstieg, und als die Riesen nach ihrem Auftritt übers offene Meer davonfuhren, hätten 200'000 Menschen mit weissen Taschentüchern gewinkt und geweint», erinnert er sich. «Die Figuren wecken etwas, das tief in uns Menschen verborgen ist. Sie geben uns jene Mystik zurück, die in unserem Alltag verloren ging», sagt Liermier.

Als Höhepunkt werden die Riesen beschenkt: Die Stadt Zürich schickt eine Packung Züri-Tirggel samt einer Widmung von Stadtpräsidentin Corine Mauch; Basel schenkt ein überdimensionales Läckerli, Lausanne eine Wintermütze, der Kanton Wallis ein Paar Ski und Genf eine Flasche Wein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2017, 22:54 Uhr

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