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«Schlafzimmerräuber» – doch vor Gericht?

Ein 39-jähriger «Schlafzimmerräuber» wird von der Solothurner Staatsanwaltschaft womöglich noch für einen Raub mit Todesfolge angeklagt – nach 18 Jahren.

Eine 84-jährige Frau war 1992 in Gerlafingen SO geknebelt worden und in der Folge erstickt. Im Grundsatz sei es auch heute «rechtlich nicht ausgeschlossen», diesen Fall vor ein Gericht zu bringen, sagte Felix Bänziger, Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn, in einem Interview mit der «Solothurner Zeitung» und dem «Oltner Tagblatt» vom Samstag.

Bänziger, der seit März im Amt ist, nannte mehrere Voraussetzungen für eine Anklage 18 Jahre nach der Tat. So brauche es eine genügende Wahrscheinlichkeit, dass der Kosovare einer der Täter gewesen sei. Zudem müsse ein Tötungsvorsatz vorliegen und das Delikt nicht nur als vorsätzliche Tötung, sondern als Mord qualifiziert werden. Bei Mord wäre die Tat noch nicht verjährt. «Das sind drei hohe Hindernisse», sagte Bänziger. Der berüchtigte «Schlafimmerräuber» verbüsst derzeit in einem Schweizer Gefängnis eine Strafe wegen früherer Straftaten im Kanton Thurgau.

Keine Anklage wegen der Tat erhoben

Der Kosovare war 1994 vom damals zuständigen Solothurner Staatsanwalt wegen des Raubs mit Todesfolge nicht angeklagt worden. 2002 wies das frühere Untersuchungsrichteramt die Akten dem gleichen Staatsanwalt erneut zur Anklageerhebung zu. Eine Anklage unterblieb jedoch. Das Untersuchungsrichteramt hatte die Tat als qualifizierten Raub mit Todesfolge und Freiheitsberaubung eingeschätzt, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitgeteilt hatte.

«Wirklich nicht alles optimal gelaufen»

Andere Straftaten des Kosovaren aus den Neunzigerjahren drohen wegen eines Formfehlers zu verjähren. Er war 1995 vom damaligen Solothurner Kriminalgericht in Abwesenheit zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Er galt als einer der Anführer der «Schlafzimmerräuber»-Bande, die 1992 im Mitteland nachts bewaffnet in Wohnungen einstieg, die Opfer quälte und ausraubte.

Weil das erstinstanzliche Urteile nicht im kantonalen Amtsblatt publiziert wurde, ist es nie rechtskräftig geworden. Nach 15 Jahren sind Raubüberfälle verjährt. Die Staatsanwaltschaft will das Verfahren einstellen. Sie geriet ins Schussfeld der Kritik. Oberstaatsanwalt Bänziger hatte Fehler eingestanden. In diesem Fall sei «wirklich nicht alles optimal gelaufen». Es habe «mehrere Fehler und Missverständnisse» gegeben.

SDA/raa

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