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Stau am Gotthard – Schneeräumer im Einsatz

Der plötzliche Wintereinbruch sorgt für Chaos: Nördlich der Alpen hielten Dutzende Unfälle und Störungen Polizei und Feuerwehren auf Trab.

Die Zentralschweiz lag heute Morgen unter einer dichten Schneedecke. (Video: Tamedia/Leserreporter)

Ja, wir schreiben heute den 28. April. Doch die Nordseite der Alpen versinkt im Schnee. Mit Schneematsch war zu rechnen – doch dass so viel Schnee liegen bleibt, wird heute früh einige überrascht haben.

Wer in den warmeren Süden entkommen will, braucht vor dem Gotthard mehr als eine Stunde länger. Am Nachmittag stauten sich zwischen Erstfeld und Göschenen die Autos auf aucht Kilometern. Laut TCS beträgt der Zeitverlust bis zu einer Stunde und 20 Minuten Der Verkehr werde angehalten, weil Schneeräumer und Salzer im Einsatz stehen. Der Verkehrsdienst empfiehlt, auf die San Bernardino-Route auszuweichen.

Wer ab 21 auf den Strassen unterwegs ist, muss zudem mit Bodenfrost rechnen. Wie SRF Meteo mitteilt, gilt die Warnung für die Zentralschweiz und das Mittelland.

Verkehrsunfall: Auf der A4 wurden drei Personen mittelschwer verletzt.
Verkehrsunfall: Auf der A4 wurden drei Personen mittelschwer verletzt.
Kantonspolizei Schwyz
Auch in Starkenbach SG kam es zu einem Unfall.
Auch in Starkenbach SG kam es zu einem Unfall.
Kantonspolizei St. Gallen
Verletzte waren bis am frühen Morgen keine zu beklagen: Kapo St. Gallen an einem Unfallort.
Verletzte waren bis am frühen Morgen keine zu beklagen: Kapo St. Gallen an einem Unfallort.
Kapo St. Gallen
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Der plötzliche Wintereinbruch hat auf Schweizer Strassen für Chaos gesorgt. Dutzende Verkehrsunfälle und umgestürzte Bäume hielten vor allem in der Ostschweiz Polizei und Feuerwehren auf Trab. In St. Gallen fielen rund 30 Zentimeter Neuschnee.

Schneerekord in St. Gallen

Noch nie sei in St. Gallen nach Mitte April so viel Schnee gefallen, meldete SRF Meteo auf Grund von Messdaten, die bis 1959 zurückreichen. Auch für diesen Winter seien die gemessenen 26 Zentimeter - bei weiter anhaltendem Schneetreiben - ein Rekord.

Laut der St. Galler Kantonspolizei forderte das Chaos auf den Strassen glücklicherweise keine Verletzten. Beim Einsetzen des Berufsverkehrs am Morgen kam es zu zahlreichen Unfällen mit Blechschäden. Mehrmals krachte es auf der Autobahn A1 zwischen St. Gallen und Wil. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden rund 30 Verkehrunfälle, darunter auch Selbstunfälle, protokolliert. Die Schadenssumme beläuft sich derzeit auf weit über 100'000 Franken, schreibt die Polizei in ihrer Mitteilung.

Die Autobahn war mit Schneematsch bedeckt. Prekär sei die Situation auf den Strassen vor allem im nördlichen Teil des Kantons, heisst es. Sieben Gemeindefeuerwehren standen im Einsatz, um umgestürzte Bäume beiseite zu schaffen und den Verkehr umzuleiten.

Vielerorts waren die Unfälle auf unangepasste Fahrweise an die Strassenverhältnisse sowie schlecht ausgerüstete Autos zurückzuführen. «Es waren sicher Autos mit Sommerpneus in die Unfälle verwickelt», so der Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen Hanspeter Krüsi auf Anfrage. Für eine ungefähre Statistik sei es jedoch zu früh, die Polizisten seien noch alle im Einsatz. «Autolenker passen ihre Fahrweise nicht an.» Er habe dafür wenig Verständnis, denn: «Es ist nicht wie bei Eis, man sieht die Gefahr heute sehr deutlich.»

Umgestürzter Baum sorgt für Stromunterbruch

In Mörschwil SG fiel für anderthalb Stunden der Strom aus. Kurz vor 7 Uhr war zwischen Goldach und Mörschwil ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt, wie die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke SAK mitteilten.

Die Kantonspolizei verstärkte ihre Notrufzentrale mit zusätzlichem Personal. Autolenkern wurde empfohlen, langsam zu fahren, genug Zeit einzuplanen und Fahrzeuge mit Sommerpneus in der Garage stehen zu lassen. Zahlreiche Blechschäden gab es auch auf den Strassen im Kanton Thurgau und im Appenzellerland.

In der Stadt St. Gallen fielen am Morgen zahlreiche Trolleybusse aus. In der Nacht war ein Baum auf die Fahrleitungen der städtischen Verkehrsbetriebe und der Appenzeller Bahn gestürzt. Die Bahnlinie nach Trogen AR war vorübergehend unterbrochen. Mehrere Strassen in der Stadt wurden durch umgeknickte Bäumen und Äste blockiert.

Verletzte bei Unfall in Schwyz

Im Kanton Schwyz sind wegen der starken Schneefälle zwischen Schwyz und Rothenthurm mehrere Fahrzeuge stecken geblieben. Es gab im Kanton rund ein Dutzend Unfälle. Der Tierpark Goldau blieb geschlossen, weil schneebeladene Äste die Besucher gefährden könnten.

Wie die Kantonspolizei Schwyz mitteilte, ereignete sich der schwerste Unfall auf der Autobahn A4 in Goldau. Ein 24-jähriger Autofahrer verlor beim Spurwechsel die Herrschaft über sein Fahrzeug und fuhr gegen einen Wagen, der auf dem Pannenstreifen stand. Drei Personen wurden mittelschwer verletzt.

In Galgenen, Goldau und Immensee musste der Unterhaltsdienst wegen umgestürzter Bäume ausrücken. Der nasse Schnee auf den Bäumen bereitete auch dem Tierpark Goldau Probleme. Aus Sicherheitsgründen blieb die Anlage für Besucher geschlossen. Die Schneelast auf den Bäumen habe zu einer grossen Astbruchgefahr geführt, teilte der Tierpark auf seiner Homepage mit. Die Sicherheit der Besucher auf den Wegen im Park könne nicht mehr gewährleistet werden.

Wegen der Witterung fiel am frühen Morgen in Wollerau SZ der Strom für rund eine Stunde aus. Nach Angaben des Elektrizitätswerks Höfe waren 20 Trafostationen und 2000 Kunden betroffen. Der Grund des Unterbruchs lag an einem Schneelastabwurf, welcher eine Freileitung ausser Betrieb setzte.

Stromversorgung in Luzern beeinträchtigt

Der starke Schneefall hat auch im Kanton Luzern in der Nacht die Feuerwehren auf Trab gehalten. Grund waren umgestürzte Bäume und heruntergefallene Äste. Eine Strasse im Seetal wurde vorsichtshalber gesperrt. Ein umgestürzter Baum unterbrach vorübergehend auch die Bahnlinie im Entlebuch.

Wie die Luzerner Polizei mitteilte, gingen wegen den Folgen des Schnees ab Mitternacht bis am Morgen 24 Meldungen bei der Einsatzzentrale ein. Für die Räumung wurde rund ein Dutzend Feuerwehren aufgeboten. Die Strasse zwischen Kleinwangen und Horben wurde vorsichtshalber gesperrt. Dort drohten Bäume auf die Strasse zu stürzen.

Brennendes Räumungsfahrzeug

Auf der Autobahn A4 zwischen Cham und Rotkreuz geriet kurz vor 7 Uhr auf der Fahrbahn Richtung Luzern ein Schneeräumungsfahrzeug in Brand. Der Lenker konnte das Fahrzeug auf den Pannenstreifen abstellen und sich in Sicherheit bringen, wie die Zuger Polizei mitteilte. Der Brand ist auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen rund 200'000 Franken.

Gemäss der Bahnverkehrsinformation der SBB verursachte ein umgestürzter Baum zwischen Schüpfheim und Escholzmatt auf der Linie Luzern-Langnau-Bern einen Streckenunterbruch. Es verkehrten Ersatzbusse.

Der schwere Neuschnee beeinträchtigte in Teilen des Entlebuchs auch die Stromversorgung. Mehrere Bäume kamen zu Fall und beschädigten Freileitungen. Betroffen waren Strombezüger in den Gemeinden Wolhusen, Werthenstein, Entlebuch und Romoos, wie die Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW) mitteilte.

Dutzend Unfälle im Bünderland

Der Wintereinbruch hat einen Grossteil der Bündner Strassen in höheren Lagen mit Schnee bedeckt und Autofahrer in Schwierigkeiten gebracht. Die Polizei registrierte bis heute Mittag ein Dutzend Unfälle.

Die Kollisionen ereigneten sich seit gestern Mittag. Sie endeten alle mit Blechschäden, wie Anita Senti, Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden, auf Anfrage sagte. Auf der San Bernardino-Route war am Donnerstagnachmittag wegen Schneefalls ein Fahrverbot für Lastwagen mit Anhänger angeordnet worden. Aufgehoben wurde es kurz vor heute Mittag. Für eine Autofahrt von Chur nach Lenzerheide mussten Schneeketten montiert werden.

Die meisten Bündner Pässe sind für den Verkehr wegen der allgemeinen Wintersperre ohnehin noch geschlossen. Dazu zählen der Flüela, der Albula, der Oberalp oder die Forcola die Livigno. Andere, bereits geöffnete Übergänge wie der Splügenpass oder der Lukmanier wurden aus Sicherheitsgründen wieder gesperrt. Das Engadin war auf der Strasse stets zu erreichen. Der grösste Teil der Julierstrecke lag zwar unter Schnee, der Pass jedoch konnte offen gehalten werden.

Störungen des Berner Bahnverkehrs

Auf den Strassen im Kanton Bern kam es zu keinen grösseren Problemen. Im Bahnverkehr hingegen kam es in der Region Thun wegen umgestürzter Bäume vorübergehend zu Störungen.

Die Bahnstrecke Konolfingen-Thun wurde am Morgen unterbrochen, weil wegen des Schnees ein Baum kippte und Äste auf die Fahrleitung fielen. Der Vorfall ereignete sich zwischen Brenzikofen und Heimberg, wie eine BLS-Sprecherin auf Anfrage sagte. Ein Bahnersatz wurde eingerichtet.

Um 06.30 Uhr hatte es zudem in Konolfingen eine Stellwerkstörung gegeben, die bis 08.30 Uhr andauerte. Der Schnee auf den Schienen habe die Lage zusätzlich erschwert, erklärte die Sprecherin.

Auch zwischen Uetendorf und Thun behinderte ein umgestürzter Baum den Bahnverkehr auf der Linie Thun-Belp. Im Verlauf des Morgens konnten die Störungen behoben werden.

Kleinere Unfälle sorgen für Blechschäden

Auf den teilweise matschigen Strassen kam es von Freitagabend bis Montagmorgen insgesamt zu zwölf kleineren Unfällen - die meisten gingen mit Blechschaden glimpflich aus.

Bei drei Unfällen in Lyss, Ramsei und Interlaken wurden mehrere Personen leicht verletzt, wie Sidonie Perroud von der Berner Kantonspolizei auf Anfrage sagte. An verschiedenen Orten brachen durch die Schneelast Äste von Bäumen und fielen auf die Strasse. Die betroffenen Feuerwehren räumte die Hindernisse weg.

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