Schöner Schein im Krisenstaat

Mitten in den seit Monaten anhaltenden Unruhen wurde in Venezuela eine neue Schönheitskönigin gewählt.

Schönheitswettbewerbe haben in Südamerika einen hohen Stellenwert: Miss Venezuela 2019 Thalia Olvino. Foto: Federico Parra/AFP

Schönheitswettbewerbe haben in Südamerika einen hohen Stellenwert: Miss Venezuela 2019 Thalia Olvino. Foto: Federico Parra/AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Während Venezuela in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise steckt, hat das Südamerikanische Land eine neue Schönheitskönigin gewählt. Die 19-jährige Marketingstudentin Thalia Olvino aus dem Bundesstaat Delta Amacuro wurde am Donnerstag zur Miss Venezuela gekrönt. Ende des Jahres soll sie das südamerikanische Land bei der Wahl zur Miss Universe vertreten.

Venezuela ist eine Supermacht im internationalen Geschäft mit der Schönheit. Sieben Miss Universe und sechs Miss World stammen aus dem südamerikanischen Land. Um die Auswahl und das Training von Models und Schönheitsköniginnen ist in Venezuela eine ganze Industrie entstanden.

Allerdings steckt das Land in einer schweren Krise. Seit Monaten liefern sich Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Aus Mangel an Devisen können zudem kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importiert werden. Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.


Der grösste Exodus, den Lateinamerika je gesehen hat Venezuela könnte eine der reichsten Nationen der Erde sein, stattdessen fliehen unter Machthaber Maduro fast so viele Menschen wie aus Syrien.


Die Krise macht auch vor dem Miss-Venezuela-Wettbewerb nicht Halt. Während die Show früher bis zu fünf Stunden dauerte, wurde sie in diesem Jahr auf rund drei Stunden gekürzt. Statt bis zu 15 000 Live-Zuschauer waren diesmal nur etwa 300 Gäste als Publikum geladen.

«Wir wissen, dass wir uns in einer schwierigen Lage befinden, das ganze Land ist in einer komplizierten Situation», sagte zuletzt die Geschäftsführerin der Miss-Venezuela-Wahl, Nina Sicilia. «Aber wir können nicht einfach das Licht ausschalten und die Tür zumachen. Das Land muss weiter funktionieren.»

Für Ex-Miss Isler sind die Schönheitswettbewerbe eine wichtige Stütze für die am Boden liegende Wirtschaft Venezuelas. «Das Geschäft gibt Tausenden Menschen Arbeit. Ihr tägliches Brot hängt davon ab», sagte die Miss Universe von 2013. «Ihre Möglichkeit, sich ein Leben aufzubauen, vielleicht auch ausserhalb von Venezuela, hängt davon ab. Es ist ein wunderbares Sprungbrett für viele Menschen.»

Dieser Moment hat ihr Leben verändert: María Gabriela Isler wurde 2013 zur Miss Universe gekürt. Foto: Victor Boyko/AFP

Die vorherige Miss Venezuela, Isabella Rodríguez, beispielsweise stammt aus Petare. Das Elendsviertel am Rande von Caracas gilt als der grösste Slum Lateinamerikas. «Stellt euch vor: Von Petare in die Welt. Träume können tatsächlich Wirklichkeit werden», sagte sie bei ihrer Krönung.

Doch auch eine Schönheitskönigin bleibt von der harten Realität in Venezuela nicht verschont. Mehrfach wurde Rodríguez bereits Zeugin brutaler Gewalt in ihrem Viertel, sie kennt den Hunger, die Suche nach Medikamenten, die Angst. Zwei ihrer Brüder haben auf der Suche nach Arbeit das Land bereits verlassen.

Anfang des Jahres ging auch Rodríguez gegen die sozialistische Regierung von Staatschef Maduro auf die Strasse. «Ich schliesse mich an, und gemeinsam rufen wir nach Freiheit. Ich bin die Stimme jener, die nichts zu Essen und keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben», schrieb sie bei Instagram neben einem Foto, das sie mit der venezolanischen Flagge über der Schulter bei einem Protestzug zeigt. «Nur weil ich eine Krone auf dem Kopf habe, heisst das nicht, dass ich in einer Luxus-Blase lebe. Wir alle wollen Chancen bekommen und unseren Traum leben, der Venezuela heisst.»

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

En José Félix ribas, soy Miss Venezuela, pero ante todo, soy una habitante más de esta comunidad. • Tomamos las calles, por humanidad, por compasion, por dejar atrás las despedidas, que causan fisuras invisibles en los hogares venezolanos????, somos de carne y hueso, no somos solo maquillaje y fantasía. Me sumo porque juntos, somos una multitud, que grita y añora libertad, pero también soy una voz abierta, para todos los que no comen, no tienen acceso a la salud y bienestar. Porque una corona sobre la cabeza, no significa vivir en una burbuja de lujos, como tú y cómo yo, todos necesitamos, oportunidades, soñar y poder darle vida al sueño, llamado VENEZUELA. • • Donde quieras que te encuentres te invito a hacer una oración por Venezuela? #venezuela

Ein Beitrag geteilt von Isabella Rodriguez ???? OFICIAL (@isabellarodriguez22) am

(sda)

Erstellt: 02.08.2019, 09:41 Uhr

Artikel zum Thema

Insider sagen, weshalb der Umsturz in Venezuela gescheitert ist

Anonyme Quellen beschuldigen den Oppositionsführer Leopoldo López. Mehr...

Tausende Hinrichtungen ohne Urteil

Ein Bericht der UNO-Menschenrechtskommissarin wirft Venezuelas Regierung Folter, Mord und Vertuschung vor. Mehr...

«Der Moment ist gekommen» – Guaidó ruft zum Sturz Maduros auf

Video Der venezolanische Oppositionsführer zeigt sich neben uniformierten Militärs und spricht von der finalen Phase im Kampf um die Macht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Und wo schlafen Ihre Gäste?

Geldblog So investieren Sie günstig in US-Staatsanleihen

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die grosse Vorbereitung: Eine Woche vor Beginn des eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug wird ein Schwingplatz mit Sägemehl ausgelegt. (16. August 2019)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...