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Schweiz warnte ARD vor Illi

Die deutsche Talkshow «Anne Will» wurde von der Schweizer Bundesanwaltschaft über ihren umstrittenen Gast aufgeklärt – und lud ihn trotzdem ein.

Der Gastauftritt von Nora Illi in der deutschen Talkshow «Anne Will» des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ARD löste heftigste Kritik aus. Die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz trat vollverschleiert auf und sorgte mit ihren Äusserungen für Empörung unter den Zuschauern und in den Medien. Doch wussten die Verantwortlichen, wer da vor fünf Millionen TV-Zuschauern seine radikalen Ansichten verbreiten durfte? Offenbar ja, denn die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte die ARD informiert.

«Wir sind irritiert darüber, dass dem IZRS eine Plattform geboten wird.»

Sprecher der Schweizer Bundesanwaltschaft

Wie ein Sprecher bestätigte, wurde die «Anne Will»-Redaktion im Vorfeld vor Illi gewarnt. «Die Bundesanwaltschaft der Schweiz ist irritiert darüber, dass dem IZRS im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten wird», sagte er zur Zeitung «Bild». «Dies umso mehr, als dass der besagten Sendung vorgängig auf Anfrage hin mitgeteilt wurde, dass ein Strafverfahren anhängig ist gegen ein Vorstandsmitglied des IZRS sowie gegen Unbekannt.» Ermittelt werde wegen des Verstosses gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaida» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisationen.

André Marty, Informationschef der Bundesanwaltschaft, enervierte sich auf Twitter über den Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und die «Plattform», die dem Islamischen Zentralrat Schweiz damit geboten werde.

Der Islamische Zentralrat wertet das Vorgehen der Bundesanwaltschaft als «Angriff auf die Grundwerte der Demokratie», heisst es in einer Mitteilung. «Solche Machenschaften sind beängstigend und geben Anlass zur Annahme, dass die Behörde ihre Kompetenzen überschritten hat.» Es könne nicht Aufgabe der Bundesanwaltschaft sein, Medien vor «Auftritten unliebsamer Menschen» zu warnen. «Solche Praktiken erinnern an die Zensur in Bananenrepubliken.»

Die «Anne Will»-Redaktion bestätigte die Gespräche mit der Schweizer Bundesanwaltschaft, wies aber darauf hin, dass diese nicht explizit von einer Einladung Illis abgeraten hatte. «Für das gewählte Thema der Sendung und in Kombination mit den anderen Gästen hielten und halten wir ihre Teilnahme für vertretbar und richtig», teilten die verantwortlichen Redakteure mit. «Sicherlich war es ein Versäumnis, dass wir in der Sendung nicht zusätzlich explizit auf die Tatsache der Ermittlung gegen ein Mitglied der Vereinigung hingewiesen haben», gaben sie aber zu.

Laut der «Bild»-Zeitung wurden Illi die Kosten der Anreise erstattet. Zudem soll die umstrittene Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz eine Aufwandsentschädigung erhalten haben, die in der Regel rund 500 Euro beträgt.

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