Schweizer Journalisten in Abu Dhabi 50 Stunden festgehalten

Über zwei Tage wurden zwei Westschweizer Journalisten von der Polizei des Emirats verhört. RTS spricht von einem «Angriff auf die Pressefreiheit».

Die Journalisten wollten über den neueröffneten Louvre berichten: Abu Dhabi aus der Vogelperspektive am 8. November 2017.

Die Journalisten wollten über den neueröffneten Louvre berichten: Abu Dhabi aus der Vogelperspektive am 8. November 2017. Bild: Ludovic Marin/AFP

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Zwei Journalisten des Westschweizer Fernsehens RTS sind seit Donnerstag in Abu Dhabi 50 Stunden lang von der Polizei festgehalten und verhört worden. In der Nacht auf Sonntag konnten sie in die Schweiz zurückkehren, allerdings ohne den wesentlichen Teil ihres Materials.

Das meldete RTS auf seiner Webseite. Serge Enderlin und der Kameramann Jon Bjorgvinsson wollten gemäss den Angaben für die Sendung «Mise au Point» eine Reportage im Zusammenhang mit der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi drehen. Als sie auf einem Markt unter freiem Himmel filmten, wurden sie festgenommen. Beide wurden mehrere Male und teilweise neun Stunden ohne Pause verhört.

«Angriff auf die Pressefreiheit»

Nach Angaben von RTS wurde ihr Material - Kamera, Computer und Speicherdisketten - beschlagnahmt. Die Behörden hätten herausfinden wollen, ob die für die Louvre-Eröffnung akkreditierten Journalisten für eine NGO (Nichtregierungsorganisation) oder ein Drittland arbeiteten. RTS verurteilte «den Versuch der Einschüchterung und Angriff auf die Pressefreiheit».

Der Louvre Abu Dhabi öffnete am Samstag nach mehr als zehn Jahren Planungs- und Bauzeit seine Türen. Auf mehr als 6000 Quadratmetern sollen in dem Museum die Geschichte der Menschheit erzählt und die Gemeinsamkeiten der Kulturen betont werden. (sep/sda)

Erstellt: 12.11.2017, 16:58 Uhr

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