Schweizer Islam-Professor unter Vergewaltigungs-Verdacht

Der Genfer Tariq Ramadan soll in Frankreich eine Frau vergewaltigt und sie als Prostituierte bezeichnet haben. Nun melden sich weitere angebliche Opfer.

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Die Affäre Weinstein ermutigt immer mehr Frauen, sexuelle Übergriffe öffentlich zu machen. Ein happiger Vorwurf trifft nun auch den Islam-Professor Tariq Ramadan aus Genf: Henda Ayari beschuldigt ihn der Vergewaltigung in einem Pariser Hotelzimmer.

Die 40-Jährige, die früher selber Salafistin war, suchte nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann, bei der sie auch das Sorgerecht für ihre Kinder vorübergehend verlor, Trost und Orientierung. Diese erhielt sie 2010 zunächst vom Professor, wie sie «Le Parisien» erzählt. Als sie ein Foto von sich auf Facebook veröffentlichte, auf dem sie nicht verschleiert war, kritisierte sie Ramadan dafür. Dennoch fand sie ihn «schön und verführerisch» – und willigte Anfang 2012 in ein Treffen in einem Pariser Hotel ein.

«Die schlimmste Nacht meines Lebens»

In seinem Zimmer habe er rasch angefangen sie zu küssen, was sie zuliess. Danach habe sich der «Märchenprinz» aber in ein «Monster» verwandelt: Er habe sich auf sie gestürzt und sie stark gewürgt. Als sie sich wehrte, soll er sie geschlagen haben. «Es war die schlimmste Nacht meines Lebens», sagt die Frau zu «Le Parisien».

Ramadan, der im britischen Oxford lehrt und Vorlesungen an mehreren Unis weltweit hält, habe ihr die Verantwortung gegeben: «Dafür sei ich gekommen, das habe ich verdient. Ich solle nur den Schleier tragen, sonst sei ich eine Prostituierte», schildert Ayari die Argumente des Islam-Gelehrten. Am Morgen habe er ihr Geld zugesteckt fürs Taxi, das sie aber nicht wollte: «Ich war keine Prostituierte.»

Ramadan reagiert mit Gegenklage

Der beschuldigte Ramadan bestreitet die Vorwürfe und hat seinerseits Klage wegen Verleumdung gegen Henda Ayari eingereicht. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er von einer Lügen-Maschine, die seine langjährigen Gegner in Gang gesetzt hätten. Ein Mail des «Blick» liess er unbeantwortet.

Weitere Frauen beschuldigen den Genfer Professor. So hat eine 42-Jährige gehbehinderte Frau ebenfalls Klage eingereicht, wie «Le Parisien» berichtet. Die zweite Klägerin hat laut Medienberichten auch Arztzeugnisse vorgelegt und soll von «Szenen sexueller Gewalt» und «grosser Brutalität» berichtet haben. Die drei Anwälte der zwei Frauen sagen, sie hätten in den letzten Tagen zudem mehrere Zeugenaussagen weiterer Frauen gehört, die Ramadan Missbrauch vorwerfen. Sie stellen weitere Klagen in Aussicht.

Sektenähnliche Abhängigkeit

Henda Ayari und die andere Frau, die diesen Schritt bereits getan haben, sprechen von einer sektenähnlichen Abhängigkeit, in der sie sich gegenüber Ramadan befunden hätten. Die beiden Frauen hatten den bekannten Gelehrten zunächst bewundert.

Der eloquente Ramadan will einerseits ein fortschrittliches Bild des Islam vertreten, ist aber andererseits immer wieder wegen umstrittener Aussagen in die Kritik geraten. So hat er sich etwa nicht explizit gegen die Steinigung von Ehebrecherinnen gestellt. (rub)

Erstellt: 31.10.2017, 11:37 Uhr

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