Schweizer stecken immer länger im Stau

2017 waren auf den Nationalstrassen neun von zehn Staustunden auf Kapazitätsengpässe zurückzuführen. Auf den Bund kommen Milliarden Franken an Kosten zu.

Warten auf die Weiterfahrt: Stau vor dem Gotthard-Nordportal bei Silenen (18. Mai 2018).

Warten auf die Weiterfahrt: Stau vor dem Gotthard-Nordportal bei Silenen (18. Mai 2018). Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Verkehrsüberlastung auf den Nationalstrassen bleibt die Hauptursache für Staus in der Schweiz. Neun von zehn Staustunden waren 2017 auf Kapazitätsengpässe zurückzuführen. Als unerwünschte Folge verlagert sich der Verkehr auf die kantonalen und städtischen Strassen.

Erstmals habe das Verkehrsaufkommen auf den untergeordneten Strassen stärker zugenommen als auf den Nationalstrassen, schreibt das Bundesamt für Strassen (Astra) am Montag. Das zeige, dass in den Agglomerationen viele Nationalstrassenabschnitte die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hätten.

Auf dem Nationalstrassennetz staute sich sich der Verkehr gemäss Astra während 25'853 Stunden. Dies entspreche einer Zunahme um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugenommen hätten dabei auch die Staustunden infolge von Unfällen – von 2420 Stunden auf 2504 ( 3.5 Prozent).

Weiter fortgesetzt habe sich demgegenüber der rückläufige Trend bei den Staustunden wegen Baustellen, welche neu weniger als ein Prozent der Gesamtstauzeit ausmachten. Es zahlten sich die Bemühungen aus, Bauarbeiten vorwiegend während der verkehrsarmen Zeiten auszuführen.

Gezielte Massnahmen

Um den Verkehr auf den Nationalstrassen flüssig zu halten und die Staustunden zu senken, setzt das Astra auf gezielte Ausbauten. Mehr als 30 Projekte zur Engpassbeseitigung würden im Rahmen des Strategischen Entwicklungsprogramms (STEP Nationalstrassen) vorangetrieben. Bis 2030 will der Bund über 13 Milliarden Franken investieren, bis 2040 gesamthaft über 28 Milliarden.

Weiter setzt das Astra auf die temporäre Umnutzung von Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur. Wo es zweckmässig erscheine, würden zudem die Ein- und Ausfahrtsspuren bei den Anschlüssen verlängert.

Auch mit Anlagen für eine flexible Geschwindigkeitsregelung sollen Staus entschärft oder bestenfalls verhindert werden. Dank dieser Anlagen könne die Verkehrsmanagement-Zentrale der Schweiz das Tempo in Abhängigkeit vom Verkehrsfluss regeln und direkt eingreifen, bevor ein Stau entstehe.

Zudem seien auf dem untergeordneten Strassennetz Massnahmen notwendig. Hier seien die Kantone gefordert. Dies gelte insbesondere im Bereich der Anschlüsse. Nur zögerlich abfliessender Verkehr sei mitverantwortlich für zunehmende (Rück-)Staus auf den Nationalstrassen.

Autofahrer in der Pflicht

Nicht zuletzt könnten die Autofahrer selbst dazu beitragen, den Verkehr flüssig zu halten, schreibt das Astra. Gerade lange andauerndes Linksfahren und zu nahes Auffahren seien mitverantwortlich für Staus. Gleiches gelte für das zögerliche Bilden der Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge. Wechseltextanzeigen mit Verhaltenstipps sollen hier Abhilfe schaffen.

2017 wurden laut Astra über 40 Prozent des gesamten Strassenverkehrs in der Schweiz auf den Nationalstrassen abgewickelt. Beim Güterverkehr sind es sogar mehr als 70 Prozent, obwohl die Nationalstrassen nur rund 2,5 Prozent des gesamten Strassennetzes umfassen.

Die Fahrleistung des gesamten Verkehrs auf den Nationalstrassen habe 2017 um 2 Prozent zugenommen. Insgesamt seien 27'680 Millionen Kilometer zurückgelegt worden. Dies entspreche gut 67?500-mal der Entfernung zwischen der Erde und dem Mond. (nag/sda)

Erstellt: 11.06.2018, 17:42 Uhr

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