IS soll sechs Mitarbeiter des IKRK erschossen haben

Beim Angriff im Norden des Landes wurden zwei weitere IKRK-Mitarbeiter als Geiseln genommen. Die Angriffe auf NGOs häufen sich.

Gefahr für NGOs steigt: Eine Fussgängerin geht beim IKRK-Büro in Kabul vorbei. (Archivbild)

Gefahr für NGOs steigt: Eine Fussgängerin geht beim IKRK-Büro in Kabul vorbei. (Archivbild) Bild: Shah Marai/AFP

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In Nordafghanistan sind sechs Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erschossen worden. Das bestätigte ein IKRK-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Zwei weitere Kollegen würden vermisst, hiess es in einem IKRK-Tweet.

Die Mitarbeiter seien heute Morgen getötet worden, sagte der Sprecher Thomas Glass. Zu ihrer Nationalität wollte er zunächst nichts sagen. Auch zu den Tätern gab es zunächst keine Informationen. Glass sagte, das IKRK bereite eine Stellungnahme vor.

Nach Angaben des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Dschausdschan, Maulawi Lotfullah Asisi, haben Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Männer getötet. Alle Opfer seien Afghanen. Die radikalislamischen Taliban wiesen ihrerseits zurück, in die Attacke verwickelt gewesen zu sein.

Am Morgen hätten insgesamt acht Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Bezirk Kosch Tepa «Heu für Herdentiere verteilt», als sie im Gebiet von Tschakmachokor von Mitgliedern des IS angegriffen worden seien. Zwei Männer seien entführt worden. Asisi beschuldigt einen Kommandanten namens Kari Hikmatullah und seine Männer. Die sechs Toten seien mithilfe von Stammesältesten geborgen worden. Man versuche nun, die Freilassung der beiden Geiseln auszuhandeln.

Neue IS-Präsenz

Der IS hat eigentlich ausserhalb der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar sowie einer Zelle in Kabul keine Präsenz im Land. IS-Kämpfer in Dschausdschan wären eine Neuheit. Ehemalige Taliban oder auch Kriminelle haben sich aber auch in anderen Provinzen punktuell schon IS genannt.

Erst im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter des IKRK in der nordafghanischen Provinz Kundus aus einem Auto heraus entführt worden. Er war im Januar freigekommen. Zur Identität der Entführer hatte die Organisation damals keine Angaben machen wollen.

Das Rote Kreuz geniesst eigentlich auch unter Taliban und anderen Kriegsparteien einen besonderen Schutzstatus. «Möglicherweise haben sich die Zeiten geändert», sagte ein IKRK-Mitarbeiter. «Das sind schwere Monate für uns.» (sep/sda)

Erstellt: 08.02.2017, 13:45 Uhr

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