Schüsse aus der Dienstpistole – so selten kommt das vor

Dass jemand erschossen wird – wie gestern in Bern – ist eine Ausnahme. Dafür steigt der Einsatz von Elektroschockwaffen.

Kommt selten vor: Zwei Polizisten machen sich für einen Schusswaffeneinsatz bereit. Foto: Keystone

Kommt selten vor: Zwei Polizisten machen sich für einen Schusswaffeneinsatz bereit. Foto: Keystone

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Schweizer Polizistinnen und Polizisten sind selten gezwungen, ihre Pistole zu zücken. Das zeigen Zahlen der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS). Seit mehreren Jahren befinden sich die Schusswaffeneinsätze auf tiefem Niveau: 2018 kam es zu insgesamt 11 Vorfällen. Im Jahr davor wurde mit nur 8 Vorfällen sogar einen neuer Tiefststand erreicht.

Dass die Zahlen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind, hat verschiedene Gründe. Allgemein sind die Polizisten vorsichtig, weil jeder Schusswaffeneinsatz von der Staatsanwaltschaft untersucht wird. Der Gebrauch der Pistole oder des Gewehrs ist laut der KKPKS nur als «Ultima Ratio» zulässig, wenn andere Massnahmen ausgeschöpft oder ungeeignet sind.

Zudem wird immer häufiger zu «milderen Einsatzmitteln» wie Polizeistock und Elektroschockwaffen gegriffen. 2018 wurde insgesamt 125 Mal ein sogenannter Taser gezogen – dreimal so häufig wie im Vorjahr.

Allerdings reichte die Androhung eines Einsatzes in der Mehrheit der Fälle aus, um die Lage zu beruhigen. In 45 Fällen musste die Elektroschockpistole tatsächlich ausgelöst werden. Im Vorjahr waren es noch 13 Fälle gewesen.

Kommt immer häufiger zum Einsatz: Ein Genfer Polizist präsentiert eine Elektroschockwaffe. Foto: Keystone

Kommt dennoch die Pistole zum Einsatz, wird die Mehrzahl der Schüsse auf Fahrzeuge oder gegen den Boden abgegeben. Menschen werden selten verletzt, geschweige denn getötet. Der jüngste Fall in Bern, bei dem am Mittwochabend ein Mann aus einer psychiatrischen Einrichtung entfloh und von Polizisten erschossen wurde, ist also eine Ausnahme.

Es gibt aber einige vergleichbare Ereignisse: Im Oktober 2017 erschoss ein Beamter im Tessin einen mit zwei Messern bewaffneten Asylsuchenden. 2010 gab ein Waadtländer Polizist Schüsse auf einen Wagen mit flüchtenden Autodieben ab und verletzte den Beifahrer tödlich. 2001 erschossen Basler Polizisten bei einer Verfolgungsjagd ebenfalls einen Autodieb – aber auf französischem Boden.

Für Aufsehen sorgte im Jahr 2000 ausserdem das Drama um einen 22-Jährigen, der aus einem Hochhaus mit einem Sturmgewehr auf zwei Beamte feuerte. Die Polizei versuchte erfolglos, die Wohnung des Täters zu stürmen. Erstmals in der Schweiz musste sie anschliessend den «Finalen Rettungsschuss» anwenden und den jungen Mann töten, als er auf dem Balkon seiner Wohnung auftauchte.

Erstellt: 18.07.2019, 13:18 Uhr

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