Sperma bitte nur von grossen Männern, die nicht trinken

Jedes zehnte chinesische Paar kann keine Kinder bekommen. Helfen sollen Samenspender.

Die Spermienqualität nimmt stetig ab: Probe im Labor. Foto: Keystone

Die Spermienqualität nimmt stetig ab: Probe im Labor. Foto: Keystone

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Männer, die in China ihren Samen spenden wollen, müssen mindestens 1,65 Meter gross und zwischen 22 und 45 Jahre alt sein. Ausländer und Schwule sind nicht erwünscht, ebenso wenig Raucher und Trinker. Und einen Hochschulabschluss brauchen sie den Regeln zufolge auch noch. Das schränkt den Kreis der möglichen Spender ziemlich ein. Aber wenn Chinas Forscher nun Alarm schlagen, dann hat dies einen anderen Grund: Die Qualität der männlichen Spermien nimmt in China offenbar rapide ab.

Eine auf 15 Jahre angelegte Studie in der Provinz Hunan fand heraus, dass im vergangenen Jahr nicht einmal mehr ein Fünftel der angetretenen Samenspender die erforderliche Anzahl und Qualität gesunder Spermien liefern konnte. Zu Beginn der Studie, im Jahr 2001, hatte dies noch mehr als die Hälfte geschafft.

Das ist die weitere Bestätigung für einen Trend, den Chinas Ärzte schon seit Jahren beobachten. Die Unfruchtbarkeit unter Chinas Paaren nimmt zu: Im Jahr 2012 wünschten sich 12,5 Prozent aller Paare vergebens ein Kind, zwanzig Jahre zuvor waren es nur drei Prozent gewesen. Das heisst auch: Die Nachfrage nach Spendern nimmt stark zu – während es immer schwieriger wird, gesunden Spendersamen zu finden. Paare warten bis zu zwei Jahre auf eine Samenspende. Eine Samenbank in Shanghai machte im Frühjahr Schlagzeilen, weil sie Spendern ein iPhone 6s versprach. Offiziell ist das dann eine «Entschädigung», keine Bezahlung, denn Chinas gerade mal 22 Samenbanken sind allesamt staatlich, die Spender offiziell «Freiwillige».

«Grosse Sünde»

Wachsende Unfruchtbarkeit ist im Westen ebenso ein Problem, auch wenn die Zahlen – in Deutschland etwa leiden 7 bis 9 Prozent der Paare darunter – unter den chinesischen liegen. Wenn aber Experten und Medien wie die «Global Times» die Unfruchtbarkeit zum «drittschlimmsten Gesundheitsproblem des Landes» gleich hinter Krebs und Herzkrankheiten erklären, dann liegt das auch an den besonderen Umständen des Landes. In China ist der gesellschaftliche und familiäre Druck auf junge Paare sehr gross, der Familie einen Stammhalter zu schenken: Der konfuzianische Philosoph Menzius (372 bis 289 v. Chr.) sprach einst von den «drei grossen Sünden», mit denen sich Kinder an ihren Eltern vergehen können. «Die schlimmste ist, keine Nachkommen zu zeugen.»

Es ist nicht mehr nur eine Sorge von Individuen und Familien, sondern eine des Staates. Chinas Reproduktionsrate lag offiziellen Regierungszahlen zufolge zuletzt bei 1,05, weit entfernt von den 2,1 Kindern pro Frau, die ein Volk braucht, um nicht mehr zu schrumpfen. China aber altert. Schon 2030 wird es in dem Land 210 Millionen Alte über 60 Jahre geben, mehr als doppelt so viele wie noch 2010.

Erstellt: 30.11.2016, 21:50 Uhr

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