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Staatsanwalt: Soldat Robert Bales beging 16-fachen Mord

Der US-Soldat Robert Bales soll in Afghanistan 16 Zivilisten getötet haben. Bei einer zweiwöchigen Anhörung wird nun entschieden, ob Bales vor ein Kriegsgericht gestellt wird. Dann droht ihm die Todesstrafe.

Will sich an nichts erinnern können: Eine Gerichtszeichnung zeigt den US-Soldaten Robert Bales (Mitte) beim ersten Tag der Anhörung. (5. November 2012)
Will sich an nichts erinnern können: Eine Gerichtszeichnung zeigt den US-Soldaten Robert Bales (Mitte) beim ersten Tag der Anhörung. (5. November 2012)
Keystone

Robert Bales, dem eines der schlimmsten Kriegsverbrechen im Afghanistan-Konflikt vorgeworfen wird, ist erstmals vor Gericht erschienen. Auf einer Militärbasis nahe Seattle im Bundesstaat Washington begann am Montag eine zweiwöchige Anhörung. Der US-Soldat soll im März sein Lager in der südafghanischen Provinz Kandahar verlassen und 16 Zivilisten erschossen haben, die meisten von ihnen Frauen und Kinder.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass der Angeklagte «bei klarem Verstand» gewesen sei und die Tötungen gestanden habe. Bales habe in der Tatnacht Whisky getrunken und mit Kameraden einen gewalttätigen Film geschaut, ehe er zwei Mal von dem US-Aussenposten im Bezirk Pandschwai zu Massakern in umliegende Dörfer aufgebrochen sei. Die Verteidigung argumentiert dagegen, dass sich der zweifache Familienvater an nichts erinnern könne. Der 39-jährige Soldat sei bei einem früheren Einsatz im Irak am Kopf verletzt worden und leide unter einem posttraumatischen Stresssyndrom.

Angehörige der Opfer sollen aussagen

Die Staatsanwaltschaft legt Bales 16-fachen Mord, versuchten Mord in sechs Fällen, Körperverletzung sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch im Dienst zur Last. In den kommenden Tagen sollen per Videokonferenz aus Afghanistan zugeschaltete Zeugen und Angehörige der Opfer aussagen. Bei der Anhörung wird darüber entschieden, ob die Beweise ausreichen, Bales vor ein Kriegsgericht zu stellen. Bei einer Verurteilung dort würde ihm die Todesstrafe drohen.

Bales Frau Kari bekräftigte in einem Interview mit dem TV-Sender ABC, dass ihr Mann unschuldig sei. «Mein Mann hat das nicht getan», sagte sie in der am Sonntag ausgestrahlten Sendung. Die Staatsanwaltschaft erklärte bei der Anhörung am Montag dagegen, dass der Angeklagte offenbar familiäre Probleme gehabt habe. Vor der Tat soll sich Bales bei einem Kameraden über sein Familienleben und seine «hässliche» Frau beklagt haben. Ausserdem habe er sich frustriert über eine Bombenattacke in der Woche zuvor geäussert, bei der ein befreundeter Kamerad ein Bein verloren hatte.

Schüsse ins Gesicht und in den Hals

Der Staatsanwaltschaft zufolge verliess Bales gegen Mitternacht das Lager und drang in zwei Häuser in einem südlich gelegenen Dorf ein. Im ersten Gebäude habe er einen Mann erschossen, während die anderen Bewohner über die Strasse zu den Nachbarn geflüchtet seien. Bales habe sie verfolgt und drei weitere Menschen getötet. Sechs Zivilisten seien mit Schüssen ins Gesicht, in den Hals und in die Beine verletzt worden.

Anschliessend soll Bales in das Lager zurückgekehrt sein und mit einem anderen Soldaten über die Tat gesprochen haben. «Es ist schlimm, wirklich schlimm», soll der Angeklagte dem Kameraden gesagt haben, der ihm aber nicht geglaubt habe. Dann brach Bales der Staatsanwaltschaft zufolge zum Massaker in einem anderen Dorf auf, bei dem er 12 Menschen getötet haben soll. Unter den insgesamt 22 Toten und Verletzten seien 17 Frauen und Kinder gewesen.

AFP/fko

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