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Strauss-Kahn vor verschlossener Haustür

Gestern musste der ehemalige IWF-Chef minutenlang vor Journalisten und Kameras ausharren. Grund war ein Defekt am Schlüsselloch der Tür zu seinem Stadthaus in New York.

Kommt nicht in sein Stadtappartement in New York: Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.

Vor dem New Yorker Appartement von Dominique Strass-Kahn hat sich gestern Abend eine belustigende Szene abgespielt. Zusammen mit seiner Ehefrau Anne Sinclair wollte der wegen Vergewaltigung angeklagte ehemalige IWF-Chef sich in sein vorübergehendes Zuhause im Stadtteil Manhatten zurückziehen.

Doch das Vorhaben misslang. Denn Strauss-Kahn brachte die Tür zu seinem Stadthaus nicht auf und musst mehrere Minuten lang vor Journalisten und Kameras verweilen. Mithilfe der Journalisten und Kameramänner vor Ort schaffte es das Ehepaar schliesslich, die Tür zu öffnen.

Doch damit war die unangenehme Situation noch nicht vorbei. Der Schlüssel blieb im Schloss stecken. Mehrere Versuche Strauss-Kahns, den Schlüssel herauszuziehen, missglückten. Erst seine Frau schaffte es schliesslich, dem Elend ein Ende zu setzen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht und den Worten «bonne Nuit» verabschiedete sich das Ehepaar in die wohlverdiente Nachtruhe.

Kläger fordert Sonderstaatsanwalt

In den Ermittlungen gegen den zurückgetretenen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in den USA werfen die Kläger der Staatsanwaltschaft Befangenheit vor. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe umgehend als «unbegründet» zurück.

Der Anwalt der Hotelangestellten, die Strauss-Kahn Vergewaltigung vorwirft, forderte Staatsanwalt Cyrus Vance auf, den Fall abzugeben und einen Sonderermittler einzusetzen.

Rufschädigende Angaben

Die Staatsanwaltschaft New York sei dafür «verantwortlich», dass wiederholt rufschädigende Angaben über die Klägerin in die Öffentlichkeit gelangt seien, kritisierte deren Anwalt, Kenneth Thompson.

Einen Tag, nachdem ein Mitarbeiter der Anklagebehörde ihm Ende Juni Einzelheiten aus einem Telefongespräch der Hotelangestellten berichtet habe, habe etwa die «New York Times» in «nahezu denselben Worten» über das Telefonat berichtet, das die Klägerin in ein schlechtes Licht rückte, schrieb der Anwalt in einem vier Seiten langen Brief an das Büro von Staatsanwalt Vance.

«Vollkommen unbegründet»

Zudem habe die Anklage ihm Informationen vorenthalten: Die Verteidigung habe das abgehörte Telefongespräch ihrer Mandantin nicht anhören dürfen. Die New Yorker Hotelangestellte sagte darin zu einem Bekannten, Strauss-Kahn habe Geld, und sie wisse, was sie tue.

Darüber hinaus befinde sich die Staatsanwaltschaft möglicherweise in einem Interessenkonflikt, denn eine ranghohe Mitarbeiterin der Behörde sei mit einem der Anwälte von Strauss-Kahn verheiratet.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück und lehnte es ab, den Fall abzugeben. Unterstellungen, die Ermittler seien befangen, seien «vollkommen unbegründet», erklärte eine Sprecherin von Bezirksstaatsanwalt Vance.

«Nicht schuldig»

Strauss-Kahn will sich seinen Anwälten zufolge in keinem der Anklagepunkte schuldig bekennen. Es habe auch keinerlei Absprachen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft gegeben, sagte Strauss- Kahns Anwalt William Taylor der «New York Times».

Zuvor hatten sich Strauss-Kahns Anwälte und die Staatsanwaltschaft zwei Stunden lang beraten, das Treffen aber ohne erkennbare Annäherung beendet.

Am vergangenen Freitag hatte ein New Yorker Gericht den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) unter Auflagen freigelassen, nachdem frühere Falschaussagen des mutmasslichen Opfers ans Licht gekommen waren.

Die aus Westafrika stammende Frau wirft dem französischen Politiker vor, sie Mitte Mai in seiner Suite in einem New Yorker Luxushotel angegriffen und zum Oralsex gezwungen zu haben. Inzwischen droht Strauss-Kahn auch in seiner Heimat ein Ermittlungsverfahren, nachdem eine Autorin ihn wegen versuchter Vergewaltigung im Jahr 2003 anzeigte.

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