Streikt mit uns!

Man wird unsere Stimmen auf den Strassen hören, aber es kann nicht nur an uns hängen bleiben. Wir rufen alle Menschen zum weltweiten Klimastreik auf.

Klimaaktivistin Greta Thunberg mit italienischen Schülern an einem Streiktag in Rom. Foto: Reuters/Yara Nardi

Klimaaktivistin Greta Thunberg mit italienischen Schülern an einem Streiktag in Rom. Foto: Reuters/Yara Nardi

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Die weltweiten Proteste der Schülerinnen, Schüler und Studierenden gegen die Tatenlosigkeit von Politik, Industrie und Gesellschaft angesichts des Klimawandels begannen am 20. August 2018. Da verweigerte die damals 15-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg den Unterricht. Weltweit streiken seither jeden Freitag Kinder und junge Erwachsene – am Freitag 24. Mai findet der zweite weltweite Klimastreik statt. In der Schweiz gehören Lena Bühler (Bern), Eslem Demirel (Basel), Linus Dolder (Bern), Jonas Kampus (Zürich) zu den Organisationsteams der Klimastreik-Aktionen. Nach Meinung der Bewegung reicht es aber nicht mehr, dass nur die Generation handelt, deren Zukunft gefährdet ist. Deswegen nun dieser Aufruf an die Generation, die die Zukunft heute gestaltet:

«Am Freitag gehen wir in grosser Zahl in 110 Ländern bei mehr als 1350 Veranstaltungen auf die Strasse und fordern, dass Regierungen umgehend einen sicheren Weg beschreiten, die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Wir haben Wochen und Monate damit verbracht, diesen Tag vorzubereiten. Wir haben zahllose Stunden organisiert und mobilisiert, in denen wir auch einfach mit unseren Freunden herumhängen oder für die Schule hätten lernen können.

Wir, Kinder und junge Erwachsene, haben festgestellt, dass wir keine Wahl haben: Jahre sind mit Gerede vergangen, mit unzähligen Verhandlungen, mit nutzlosen Vereinbarungen zum Klimawandel. Firmen, die fossile Brennstoffe fördern, durften jahrzehntelang ungehindert in unseren Böden schürfen und unsere Zukunft abfackeln. Politiker wussten seit Jahrzehnten über den Klimawandel Bescheid. Sie haben ihre Verantwortung für unsere Zukunft bereitwillig Profiteuren überlassen, deren Suche nach schnellem Geld unsere Existenz bedroht.

Wir haben begriffen: Wenn wir nun nicht damit beginnen, für unsere Zukunft einzustehen, wird niemand anderes den Anfang machen. Wir selbst sind die, auf die wir gewartet haben.

Einmal mehr wird man unsere Stimmen auf den Strassen hören, aber es kann nicht nur an uns hängen bleiben.

Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Tut uns leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Wir jungen Leute können unseren Beitrag für einen grösseren Kampf leisten, und das kann einen grossen Unterschied machen. Aber das funktioniert nur, wenn unser Aufschlag als Aufruf verstanden wird.

Deswegen ist dies unsere Einladung. Am Freitag, 20. September, werden wir mit einem weltweiten Streik eine Aktionswoche für das Klima beginnen. Wir bitten Sie, sich uns anzuschliessen. Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt viele verschiedene Pläne für Erwachsene, sich zusammenzuschliessen, Farbe zu bekennen und sich für unser Klima aus der Komfortzone herauszuwagen. Lasst uns diese Pläne zusammenbringen; gehen Sie an diesem Tag mit Ihren Nachbarn, Kollegen, Freunden und Familien auf die Strasse, damit unsere Stimmen gehört werden und dies ein Wendepunkt in der Geschichte wird.

Es geht darum, Linien zu überschreiten – es geht darum zu rebellieren, wo immer man rebellieren kann. Es geht nicht darum zu sagen, «Yeah, was die Kids da tun, ist grossartig, wäre ich noch jung, würde ich so was von mitmachen». Das hilft uns nicht weiter, aber jeder kann und muss mithelfen.

Während der Französischen Revolution sind Mütter in Scharen für ihre Kinder auf die Strasse gegangen. Heute kämpfen wir Kinder alleine für uns selbst, während so viele unserer Eltern damit beschäftigt sind zu diskutieren, ob unsere Noten gut sind, ob wir unsere Ernährung umstellen sollen oder was im «Game of Thrones»-Finale passiert ist – während unser Planet brennt.

«Wir zählen auf Sie»

Dieser Moment muss kommen. Der Bericht über den Klimawandel des Weltklimarates hat deutlich gemacht, was die noch nie dagewesenen Gefahren einer Erwärmung über 1,5 Grad Celsius bedeutet. Emissionen müssen rapide sinken, damit wir in unseren Mitt- und Spätzwanzigern in einer vollkommen anderen Welt leben.

Aber um alles zu verändern, brauchen wir alle. Es ist Zeit für uns alle, massenhaften Widerstand zu leisten – wir haben gezeigt, dass kollektive Aktionen funktionieren. Wir müssen den Druck erhöhen, um sicherzustellen, dass der Wandel passiert. Und wir müssen ihn gemeinsam beschleunigen.

Dies ist also unsere Chance – schliesst euch unseren Klimastreiks und -aktionen in diesem September an. Die Menschen haben sich schon oft zusammengetan, um Taten zu fordern und Wandel loszutreten, wenn wir das in grosser Zahl tun, haben wir eine Chance. Wenn uns das wirklich wichtig ist, müssen wir mehr tun, als zu sagen, dass das wichtig ist. Wir müssen handeln.

Dies wird nicht der letzte Tag sein, an dem wir auf die Strasse ziehen müssen, aber es wird ein neuer Anfang sein.

Wir zählen auf Sie.»

Greta Thunberg (Schweden), Lena Bühler (Schweiz), Eslem Demirel (Schweiz), Linus Dolder (Schweiz), Jonas Kampus (Schweiz), Kyra Gantois (Belgien), Luisa Neubauer (Deutschland), Noga Levy-Rapoport (Grossbritannien), Isra Hirsi (USA), Angela Valenzuela (Chile), Martial Breton (Frankreich), Nurul Fitrah Marican (Malaysia), Asees Kandhari (Indien), Jessica Dewhurst (Südafrika), Alexandria Villasenor (USA), George Bond (Grossbritannien), Kallan Benson (USA), Beth Irving (Grossbritannien), Zel Whiting (Australien), Marenthe Middelhoff (Niederlande), Lubna Wasim (Indien), Radhika Castle (Indien), Zhang Tingwei (Taiwan), Parvez Patel (Indien), Wu Chun-Hei (Taiwan), Anjali Pant (Indien), Tristan Vanoni (Frankreich), Luca Salis (Deutschland), Brian Wallang (Indien), Anisha George (Indien), Hiroto Inoue (Japan), Haven Coleman (USA), Maddy Fernands (USA), Feliquan Charlemagne (USA), Salomée Levy (USA), Karla Stephan (USA), Anya Sastry (USA), Claudio Ramirez Betancourt (Chile), Vicente Gamboa Soto (Chile), Julia Weder (Kanada), Lilly Platt (Niederlande), Balder Claassen (Niederlande), Kassel Hingee (Japan), Maria Astefanoaei (Japan), Pavol Mulinka (Slowakei). (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.05.2019, 19:50 Uhr

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Globaler Klimastreik 24.05.2019

Aktionen in der Schweiz

BADEN: Bahnhofplatz, 10:00
BASEL: Münsterplatz, 10:45
BELLINZONA: Largo Elvezia, 14:00
BERN: Helvetiaplatz, 11:55
BIEL: Robert-Walser-Platz, 16:00
BURGDORF: Kronenplatz, 10:00
CHUR: Bahnhofplatz, 16:45
DAVOS: Postplatz, 12:00-13:00
DELÉMONT: Place de la Gare, 14:00
FRIBOURG: Place Georges-Python, 16:00
GENÈVE: Uni-Mail, 8:00
GLARUS: Rathausplatz, 11:30
KÖNIZ: Bläuackerplatz, 10:30
LANGENTHAL: Schulhaus Kreuzfeld 4, 9:00
LAUSANNE: Place de la Gare, 10:30
LUZERN: Helvetia Gärtli, 14:00
MÜNSINGEN: Gemeindehaus, 10:45
NEUCHÂTEL: Université, 14:00
OLTEN: Schützi Olten, 12:00
RAPPERSWIL-JONA: Fischmarktplatz, 11:00
SCHAFFHAUSEN: Vorstadt, 14:00
SOLOTHURN: Kreuzackerbrücke, 12:15
ST. GALLEN: Vadianstatue, 10:30
THUN: Rathausplatz, 10:30
ZUG: Vorstadtquai, 12:00
ZÜRICH: Münsterhof, 13:00

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