Sturm auf die Area 51 – was dahintersteckt

Verschwörungstheoretiker wollten das geheime US-Sperrgebiet stürmen, «um die Aliens zu befreien». Militär und Polizei sind gewarnt.

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Von der Area 51 haben wohl die meisten schon mal etwas gehört. Das sagenumwobene Sperrgebiet im US-Bundesstaat Nevada ist schon in zahlreichen Computerspielen, Fernsehserien und Spielfilmen vorgekommen, unter anderem in «Independence Day», «Men in Black» und «Indiana Jones». Jetzt ist die Area 51 auf einmal wieder in aller Munde. Wir sagen warum und erklären, was sie zu einem so speziellen Ort macht.

Warum gibt es so viel Aufregung?

Am Freitag wollen 2,1 Millionen Menschen die Area 51 stürmen – das haben sie zumindest auf Facebook angekündigt. Weitere 1,5 Millionen sind an der Veranstaltung interessiert. «Sie können uns nicht alle stoppen», lautet das Motto der Initiatoren, die dazu aufrufen, sich am Mittag des 20. September vor dem Touristenzentrum am Rande des Areals in der Wüste von Nevada zu treffen.

Offizieller Treffpunkt: Das «Alien Center» am Rande der Area 51 im Süden des US-Bundesstaats Nevada. Foto: Keystone

Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung Ende Juni vom kalifornischen Studenten Matty Roberts. Aus Jux hatte er zur Befreiung der Ausserirdischen aufgerufen, welche die US-Regierung laut Verschwörungstheoretikern dort versteckt hält. Roberts verging das Lachen, als plötzlich die Teilnehmerzahl explodierte und klar wurde, dass sich immer mehr Personen anmelden, die das Ganze offensichtlich ernst nehmen.

Mitinitiator Jackson Barnes fügte deshalb vorsichtshalber auf Facebook hinzu: «P.S. Hallo US-Regierung, es handelt sich um einen Scherz, ich habe nicht wirklich vor, diesen Plan umzusetzen.» Doch da war es schon zu spät und die Sache hatte richtig Fahrt aufgenommen.

Was ist die Area 51?

Offiziell handelt es sich um einen Luftwaffenstützpunkt und ein Trainingsgelände der US Air Force, das für die Öffentlichkeit logischerweise nicht zugänglich ist. Das Areal in der Mojave-Wüste, von der Regierung als «Nevada Test and Training Range» bezeichnet, liegt im Süden des gleichnamigen US-Bundesstaats, nur etwa 133 Kilometer nordwestlich der Metropole Las Vegas.

Die rund 100 km2 grosse Area 51 ist ein Sperrgebiet, das innerhalb eines noch grösseren militärischen Sperrgebiets liegt: Die «Nellis Range» umfasst verschiedene Testgelände und erstreckt sich über 31’000 km2 – das entspricht drei Vierteln der Fläche der Schweiz. Der östliche Teil des riesigen Areals ist lediglich für den zivilen Luftverkehr eingeschränkt. Beim westlichen Teil, wo auch die Area 51 liegt, handelt es sich um militärisches Sperrgebiet.

Riesiges Testgelände: Das Zentrum der Area 51 von oben (Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrössern). Screenshot: Google Maps

Innerhalb dieser Zone ist die Area 51 noch einmal zusätzlich gesichert und selbst für angemeldete militärische Flüge gesperrt, die nicht von dort aus gestartet sind. Das Gelände hat selbst einen Militärflugplatz mit mehreren Start- und Landebahnen, unter anderem auf dem ausgetrockneten Salzsee, dem Groome Lake. Hier liegt das eigentliche Zentrum der Area 51, das gestürmt werden soll.

Alles geheim: Aus der Vogelperspektive sieht man nur Landebahnen und Hangars. Screenshot: Google Maps

Der Name Area 51 kommt laut der CIA von alten Gebietseinteilungen auf Karten. Der US-Geheimdienst hatte im Jahr 2013 Dokumente freigegeben, darunter eine Landkarte mit dem Standort des Sperrgebiets – womit die Existenz der sagenumwobenen Area 51 erstmals bestätigt wurde.

Jahrzehntelang hatte die Regierung verleugnet, dass es das geheimnisvolle Testgelände überhaupt gibt. Das regte die Fantasie der Menschen natürlich noch mehr an. Es entstanden zahlreiche Verschwörungstheorien rund um das Sperrgebiet.

Welche Verschwörungstheorien gibt es?

Die Area 51 war und ist immer wieder Gegenstand von Spekulationen. UFO-Anhänger und Verschwörungstheoretiker glauben etwa, dass die Regierung dort ausserirdische Raumschiffe und auch Lebewesen untersucht. So soll beispielsweise das Material eines angeblich 1947 bei Roswell abgestürzten UFOs im Sperrgebiet gelagert sein.

Ausserdem gibt es Leute, die an Treffen und geheime Gespräche mit extraterrestrischen Lebensformen in der Area 51 glauben. Andere sprechen von der Entwicklung exotischer Energiewaffen, Aktivitäten einer angeblichen Schattenregierung der Welt (Illuminati) oder von Filmstudios, in denen die Bilder von den Apollo-Landungen auf dem Mond gedreht worden sein sollen.

Kein UFO, sondern eine Kapsel für Messungen in grosser Höhe: Dieses Bild veröffentlichte die US-Luftwaffe zum «Roswell-Zwischenfall» aus dem Jahr 1947. Foto: Reuters

1989 behauptete Robert Lazar in mehreren TV-Interviews, an geheimen Projekten in einer Forschungseinrichtung in der Nähe des Papoose-Salzsees in der Area 51 gearbeitet zu haben. Er sprach unter anderem von «fliegenden Untertassen ausserirdischen Ursprungs». Für viele Alienfans war das der Beweis für ihre Theorien. Das kleine Dorf Rachel wurde zum Mekka für Verschwörungstheoretiker und Ufologen. Einige Besucher berichteten von unüblichen Lichterscheinungen, die sich aber meist als Kampfjets des nahen Luftwaffenstützpunkts entpuppten.

Trotzdem glauben heute noch 54 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner, dass ihre Regierung Informationen über UFOs zurückhält. Das hat eine Umfrage im vergangenen Juli ergeben.

Diejenigen, die mit Verschwörungstheorien nichts am Hut haben, vermuten, dass die US-Luftwaffe die Area 51 für die Entwicklung und Erprobung neuer Flugzeuge, Prototypen und Waffensysteme nutzt.

Wie reagieren die Behörden?

Die Behörden nehmen den Aufruf zur Stürmung offenbar ernst. So hat die US-Luftfahrtbehörde vorsorglich einen Teil des Luftraums südlich des Gebiets gesperrt – zusätzlich zum ohnehin schon gesperrten Luftraum über der Area 51. Medien-Helikoptern, Drohnen, privaten Flugzeugen und sogar solchen der Polizei oder von Rettungskräften ist es vorübergehend verboten, hier zu fliegen. Zudem wurde ein Musikfestival, das in der Nähe geplant war, nach Las Vegas verlegt.

Auch die Air Force, die für die Area 51 verantwortlich ist, will kein Risiko eingehen und hat für Freitag personelle Verstärkung angefordert, falls die Lage ausser Kontrolle geraten sollte. Gegenüber der «Washington Post» erklärte die Behörde: «Das Areal ist ein offener Trainingsbereich für die US-Luftwaffe, und wir raten jedem davon ab, in das Gebiet einzudringen, in dem wir amerikanische Streitkräfte ausbilden.»

Verstärkte Präsenz: Polizisten patrouillieren in Rachel, einer Ortschaft nördlich der Area 51 (18.09.2019). Foto: Keystone

Wie es scheint, lassen sich viele aber nicht von dieser Drohung abschrecken. Zwei niederländische Youtuber drangen schon vor einer Woche mit Laptops, Kameras und Drohne ausgerüstet in das Sperrgebiet ein, um Filmaufnahmen zu machen. Sie wurden verhaftet, verbrachten drei Tage im Gefängnis und müssten eine Busse von 2800 US-Dollar bezahlen.

Mühe, um auf das Gelände zu kommen, hatten die beiden nicht. Denn die Area 51 ist nicht durch eine Mauer oder einen Zaun umgeben. Warnschilder markieren die Grenze, an der bewaffnete Wachen einer privaten Security-Firma patrouillieren, die bei Bedarf von der örtlichen Polizei unterstützt werden. Wie aggressiv die sogenannten «Cammo Dudes» vorgehen, zeigt ein Video, das zwei Motorradfahrer vor drei Jahren veröffentlicht haben:

Werden abrupt von der Security gestoppt: Zwei Motorradfahrer, die in die Area 51 eindringen. Video: Youtube/MacADVentures

An wichtigen Punkten an der Grenze sichern Kameras und Bewegungsmelder die Gegend. Es wird zudem vermutet, dass magnetische Sensoren auf den Strassen angebracht sind und sogar Sensoren, die auf menschliche Ausdünstungen wie Schweiss reagieren.

Was wird tatsächlich passieren?

Das weiss niemand. Offensichtlich war der Facebook-Aufruf ja satirisch gemeint und viele Menschen, die sich dort für die Veranstaltung angemeldet haben, haben sich wohl einen Scherz erlaubt. Doch es gibt definitiv Verschwörungstheoretiker, die das Ganze umsetzen wollen. Selbst wenn nur 1 Prozent der Angemeldeten auftauchen würde, müssten die Behörden mit 21’000 Menschen zurechtkommen.

In Rachel, einer kleinen Ortschaft nördlich des Sperrgebiets, versammelten sich schon am Donnerstag UFO-Gläubige für das Musikfestival Alienstock, das bis am Sonntag andauern soll. Mit dem Storm Area 51 Basecamp hat auch ein zweites Openair die Bewilligung des Bezirks bekommen, der vorsorglich einen Notfallplan ausgearbeitet hat.

Bei den Einwohnern der Ortschaften rund um die Area 51 löst der mögliche Ansturm gemischte Gefühle aus. Einige haben sich gegenüber US-Medien erfreut gezeigt, weil sie das grosse Geschäft mit Touristen wittern. Andere befürchten, dass die Situation ausser Kontrolle geraten könnte und es tatsächlich zum Einsatz des Sicherheitskräfte kommen könnte.

Erstellt: 19.09.2019, 20:07 Uhr

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