«Symbol der Ungerechtigkeit»

Von einem Sex Pistol über Tupac bis Strauss-Kahn – im berüchtigten Gefängnis von Rikers Island waren viele inhaftiert. Nun soll die New Yorker Haftanstalt geschlossen werden.

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Das berüchtigte Gefängnis von Rikers Island soll endgültig geschlossen werden. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio erklärte am Freitag, er schliesse sich der entsprechenden Empfehlung einer Kommission an, die riesige und veraltete Haftanlage im East River zu schliessen. Allerdings dürfte dies «mindestens zehn Jahre» dauern, fügte de Blasio vor Journalisten hinzu.

Rikers Island gehört zu den berühmtesten Gefängnissen in den USA – neben Sing Sing ebenfalls in New York, San Quentin in Kalifornien oder ADX in Colorado. In Rikers Island wurden unter anderen Sid Vicious von den Sex Pistols, der Rapper Tupac Shakur, aber auch im Mai 2011 kurzzeitig der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, festgehalten.

Tägliche Gewalt

Rikers Island sei schon «zu lange» ein «Symbol der Ungerechtigkeit in unserer Stadt, wie ein Fleck auf unserem Strafrechtssystem», erklärte die Abgeordnete Melissa Mark-Viverito. Sie setzt sich seit Jahren für die Schliessung des Gefängnisses zwischen der Bronx und Queens ein. Wie sie hatten zahlreiche Verantwortliche der Stadt und Rechtsexperten die heruntergekommene Anlage, aber auch die praktisch tägliche Gewalt in Rikers Island kritisiert.

Erst im September waren sechs Wächter wegen eines Angriffs auf einen Häftling zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. De Blasio, der im November seine Wiederwahl anstrebt, hatte bislang versucht, die Zustände im grössten Gefängnis von New York zu normalisieren und etwa die Ausbildung des Wachpersonals zu verbessern.

Weniger Häfltinge

Seinen Sinneswandel begründete er nun damit, dass die Kriminalitätsrate in der Metropole gesunken ist. In der Tat verringerte sich die Zahl der Insassen in Rikers Island von 11.696 im Jahr 2013 auf 9756 im vergangenen Jahr, im März lag sie bei 9362. Binnen fünf Jahren könne die Zahl der Gefangenen auf 5000 sinken, sagte der demokratische Politiker.

Der Haken an der Schliessung: gleichzeitig wird die Stadt New York neue, kleinere Haftanstalten in anderen, weniger isolierten Vierteln bauen müssen, wie der Bürgermeister einräumte. Wieviele Gefängnisse eröffnet werden müssten und wo, sagte de Blasio nicht. Der Bau neuer Haftanstalten in ihrem Viertel könnte Wähler abschrecken, ihre Stimme de Blasio zu geben. (foa/AFP)

Erstellt: 01.04.2017, 05:11 Uhr

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