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Tausende vergnügten sich auf autofreien Strassen in Bern

Menschen, die auf sonst viel befahrenen Strassen mit Rollschuhen herumfahren oder die auf Liegestühlen Live-Musik geniessen: So präsentierte sich ein guter Teil der Berner Innenstadt.

Sie geniesst die freie Fahrt über die Kirchenfeldbrücke.
Sie geniesst die freie Fahrt über die Kirchenfeldbrücke.
Manuel Zingg
Fliegen auf dem Thunplatz: Skater nutzen den autofreien Raum für Sprünge.
Fliegen auf dem Thunplatz: Skater nutzen den autofreien Raum für Sprünge.
Manuel Zingg
... am YB-Stand ein Feld für Fussball-Tennis.
... am YB-Stand ein Feld für Fussball-Tennis.
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Die Stadt Bern schätzte die Zahl der Menschen, welche sich zwischen 9 Uhr morgens und 6 Uhr abends auf den autofreien Strassen und Plätzen für das von der Stadt angebotene Programm interessierten, auf über 25'000. Sie sprach in einer Mitteilung von einer friedlichen Veranstaltung ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Vier Plätze hatte die Stadtregierung für den motorisierten Individualverkehr sperren lassen, ebenso wie jeweils die Strassen oder einen Korridor dazwischen. Der Eigerplatz war beispielsweise ein grosser Spielplatz für Jung und Alt, der Thunplatz eine Sportstätte, und auf dem Bundesplatz traten mehrere Musikgruppen auf.

Bern wollte den autofreien Tag nicht mit dem Mahnfinger begehen, sondern ein stimmungsvolles Volksfest organisieren. «Unser Ziel ist erreicht: Wir wollten aufzeigen, dass der autofreie Sonntag nicht einschränkt, sondern neue Möglichkeiten schafft», liess sich der zuständige Berner Gemeinderat Reto Nause im Communiqué zitieren.

Erst 2013 wieder vorgesehen

Dabei hätte die Stadtregierung den autofreien Tag eigentlich gar nicht durchführen wollen: Im vergangenen Jahr strich sie die Kosten aus dem Budget. Es war schliesslich das Stadtparlament, das den Gemeinderat dazu zwang.

Die Stadt Bern hat nun 370'000 Franken für die Organisation ausgegeben. Rund 150 Personen standen laut dem Leiter des städtischen Amts für Umweltschutz, Adrian Stiefel, für Organisation, Sicherheit und Logistik im Einsatz.

Laut Nause war Berns autofreier Sonntag in dieser Form und mit dem getätigten Aufwand nicht nur im Kanton, sondern auch landesweit eine Premiere. «Meines Wissens hat so etwas auch in den 1970-er Jahren nie stattgefunden.»

Obwohl sich das Berner Stadtparlament eigentlich für zwei autofreie Sonntage pro Jahr ausgesprochen hat, ist für dieses und das nächste Jahr Schluss damit. Erst für 2013 hat der Berner Gemeinderat wieder einen autofreien Sonntag im Finanzplan vermerkt, wie Nause am Sonntagabend der Nachrichtenagentur sda sagte.

Die GFL Stadt Bern zeigte sich in einem Communiqué vom Erfolg des Experiments «Autofreier Sonntag» begeistert und sprach von einem «grossen Erfolg». Sie wünschte sich eine baldige Wiederholung des Anlasses. Die Zeit dafür sei reif und die Akzeptanz gross.

Kritik von der FDP Kirchenfeld

Doch nicht alle Bernerinnen und Berner hatten Freude am autofreien Sonntag. Die Sektion Bern-Kirchenfeld/Brunnadern der FDP.Die Liberalen der Stadt Bern sprach in einer Mitteilung vom Sonntag von einem «autofreien Zwang mit ungenügender Bilanz».

Die Vollsperrung der Berner Monbijoubrücke habe zu Umwegverkehr geführt und zusätzliche Emissionen verursacht. Festaktivitäten zu organisieren, habe auch nichts mit Umweltschutz zu tun.

Wer wollte, konnte bei der Stadt Bern ein Ausnahmegesuch für die Benutzung des Autos am autofreien Sonntag einreichen. Das taten schliesslich etwa 40 Personen oder Organisationen, wie Stiefel am Sonntagabend sagte. Gesuchsteller war unter anderem die Spitex. Stiefel hatte viel mehr Gesuche erwartet.

SDA/dam

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