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88 Thailänderinnen zur Prostitution in die Schweiz gelockt

Das Regionalgericht in Biel befasst sich seit Montag mit einem der grössten Fälle von Menschenhandel in der Schweiz.

Eine 58-jährige Thailänderin muss sich wegen Menschenhandels vor dem Bieler Gericht verantworten.
Eine 58-jährige Thailänderin muss sich wegen Menschenhandels vor dem Bieler Gericht verantworten.
Valérie Chételat

Eine ältere Thailänderin soll 88 arme Landsleute zur Prostitution in die Schweiz gelockt haben. In Etablissements in den Kantonen Bern, Solothurn, Luzern, Basel-Stadt, Thurgau, St. Gallen und Zürich mussten die Frauen und Transsexuellen ihren Körper verkaufen, um ihre «Reiseschulden» abzuzahlen. Die Strafverfahren gegen die Bordell-Betreiberinnen sind Sache der zuständigen kantonalen Behörden.

Vor dem Bieler Gericht steht die 58-jährige Thailänderin. Sie ist teilweise geständig. Vorgeworfen wird ihr nebst qualifiziertem Menschenhandel auch Förderung der Prostitution und Geldwäscherei im Zeitraum von Anfang 2009 bis Oktober 2014. Laut Staatsanwaltschaft nützte die Frau die Notlage der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Opfer aus. Sie versprach ihnen Arbeit in der Schweiz, organisierte trickreich die nötigen Visa und übernahm vorerst einmal die Flugkosten.

Laut Staatsanwaltschaft war den Opfern durchaus bewusst, dass sie sich in der Schweiz prostituieren mussten. Nicht klar waren ihnen aber die konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen.

Völlig isoliert

Einmal in der Schweiz angekommen, mussten die Opfer einen Betrag von bis zu 30'000 Franken durch Prostitution abzahlen. Dazu kamen Kosten zum Beispiel fürs Essen und für Inserate. Für die Sexarbeiterinnen selber blieb praktisch kein Geld übrig, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Eine Alternative zur Prostitution hatten sie nicht, sie lebten völlig isoliert von der Aussenwelt und in Abhängigkeit von den Drahtzieherinnen. Den Gehorsam der Opfer erklärt die Staatsanwaltschaft auch damit, dass der Respekt vor älteren Personen in der thailändischen Kultur tief verankert ist.

Nach dem Prozessauftakt am Montagmorgen wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil mehrere Opfer befragt wurden. Das Urteil in dem mehrtägigen Prozess wird am Mittwoch kommender Woche (11. Juli) erwartet.

Viele Fälle

Ähnlich gelagerte Fälle mit ausgebeuteten Frauen werden immer wieder bekannt. Allein im Kanton Bern sind in den letzten Jahren mehr als 20 Verfahren abgeschlossen worden, wie der Regierungsrat kürzlich bekanntgab.

Nach seinen Angaben nehmen die Kantone Bern und Zürich im Kampf gegen den Menschenhandel eine führende Position ein. Trotz der Bemühungen gehen Fachleute nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer aus.

SDA/mer

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