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Thailändische Leihmutter zieht behindertes Kind selbst gross

Der Fall löste weltweit Empörung aus: Ein australisches Paar liess eine Leihmutter in Thailand mit einem behinderten Baby sitzen. Die biologischen Eltern erzählen eine andere Geschichte.

Eine Abtreibung kam nicht infrage: Gammy mit seiner thailändischen Leihmutter. (3. August 2014)
Eine Abtreibung kam nicht infrage: Gammy mit seiner thailändischen Leihmutter. (3. August 2014)
Keystone

Pattaramon Chanbua hat ein grosses Herz: 21 Jahre ist die Leihmutter erst alt und hätte allen Grund, auf die biologischen Eltern ihrer Zwillinge wütend zu sein. Das Paar aus Australien liess die Mutter mit einem behinderten Jungen einfach zurück und nahm dessen gesunde Zwillingsschwester zu sich. Aber Pattaramon ist nicht wütend. Sie hofft nur, dass die Familie sich wenigstens um das kleine Mädchen gut kümmert.

«Ich bin nicht wütend, und ich hasse sie auch nicht», sagt die junge Frau aus dem Küstenort Sri Racha über das australische Paar. «Ich bin bereit, ihnen zu vergeben.» Sie wünsche sich nur, dass die beiden das Mädchen so sehr liebten wie sie seinen Zwillingsbruder, den kleinen Gammy. «Ich möchte, dass sie gut versorgt wird.» Pattaramon hat die beiden Australier nur einmal getroffen und weiss nur, dass sie aus dem Staat Western Australia kommen.

Video: Youtube/9 News Perth

Biologische Eltern streiten ab

Reporter haben inzwischen in Australien die vermeintlichen Eltern des kranken Babys Gammy aufgespürt. Diese erzählen eine andere Version der Geschichte. Die beiden hätten zwar eine Tochter, die Gammys Zwillingsschwester sein könne, stritten aber ab, die Eltern des Jungen zu sein, berichtete der Sender Channel 9 am Montag. Dem Sender ABC sagte der Mann, das Spital habe den Jungen nie erwähnt.

Die Leihmutter in Thailand berichtete dagegen, der Vater habe das Mädchen im Spital besucht, den Jungen, der das Downsyndrom hat, aber keines Blickes gewürdigt. Gammy erholte sich am Montag von einer Lungenentzündung im Spital.

Nach der Geburt der Zwillinge musste die junge Frau ihren Job als Verkäuferin aufgeben. Nun kümmert sie sich um Gammy, der das Downsyndrom und einen Herzfehler hat. Im Moment wird er wegen einer Lungeninfektion im Krankenhaus behandelt. Das Geld für die Leihmutterschaft könnte sie jetzt gut gebrauchen. 300'000 Baht wurden ihr von einer Agentur zur Vermittlung von Leihmüttern in Bangkok für die Schwangerschaft versprochen, umgerechnet etwa 6900 Euro. Sie sagt, sie habe noch immer nicht die vollständige Summe erhalten.

Agentur verlangte Abtreibung

Die Agentur habe im vierten oder fünften Monat der Schwangerschaft vom Downsyndrom bei einem der Zwillinge erfahren, sie aber nicht über die Diagnose informiert, sagt Pattaramon. Sie habe erst im siebten Monat davon erfahren. Die Agentur und auch die Ärzte hätten ihr vorgeschlagenen, den betroffenen Jungen abtreiben zu lassen. Für Pattaramon war das undenkbar. Für sie ist eine Abtreibung Sünde. «Ich habe sie (die Ärzte) gefragt: ‹Seid ihr überhaupt Menschen?› Das wollte ich wirklich wissen.»

Das Schicksal des kleinen Gammy macht die Öffentlichkeit aufmerksam auf ein gesellschaftliches Problem in Thailand, wo Leihmutterschaften wegen Schlupflöchern im Gesetz möglich sind. Die dortigen Behörden erklärten in der vergangenen Woche, derzeit könnten 50 Babys, die von Leihmüttern für israelische Paare ausgetragen wurden, das Land nicht verlassen. Grund sei die ungeklärte Frage ihrer Nationalität.

«Die thailändischen Behörden arbeiten an einem Gesetz, das eine Leihmutterschaft für Personen ausserhalb der eigenen Familie verbietet», sagt Pavena Hongsakul, frühere Ministerin für Soziale Entwicklung. «Dieser besorgniserregende Trend kann zu anderen Problemen wie Menschenhandel führen.» Eine Leihmutter bekommt ihren Angaben zufolge üblicherweise zwischen 300'000 und 350'000 Baht (6900 Euro bis 8100 Euro) für eine Schwangerschaft. Diesen Preis zahlen Paare aus dem Ausland, die selbst kein Kind zeugen können.

Mutter kämpft um das Geld

Pattaramon, die schon einen sechs Jahre alten Sohn und eine dreijährige Tochter hat, wandte sich zu Beginn des vergangenen Jahres via Facebook an die Agentur. Sie benötigte Geld, um Schulden zu bezahlen. Nun will sie bei der Polizei Anzeige erstatten, um doch noch das restliche Geld von der Agentur zu bekommen.

Unterdessen rührt Gammys Schicksal die Menschen. Die Onlinekampagne einer australischen Hilfsorganisation sammelte seit dem 22. Juli schon fast 200'000 Dollar für den Jungen mit den blonden Haaren und den braunen Augen. «Ich werde das Geld für ihn zurücklegen», sagt seine Mutter. «Ich wünsche mir für mein Baby ein Haus. Es muss nicht gross sein. Ich wünsche mir nur, dass er in einem guten Haus lebt und dass es ihm gut geht.»

AP/sda/chk

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