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The Great American Livestream

Die seltene totale Sonnenfinsternis, die sich gestern in den USA von Küste zu Küste bewegte, hat Millionen in ihren Bann gezogen. Um dabei zu sein, reichte ein Handy.

«Great American Eclipse»: Das grosse Naturereignis in laufenden Bildern. (Video: Tamedia)

Das war nicht nur eine totale Sonnenfinsternis, das war die «Great American Eclipse». Kurz nach 9 Uhr morgens Westküstenzeit war erstmals zu sehen, wie sich der Mond über die Sonne schob, und eine gute Stunde später kam es über Oregon zur ­«Totality», zur totalen Sonnenfinsternis.

Seit Wochen hatten sich die USA auf das Spektakel vorbereitet, das zuletzt vor 99 Jahren zu sehen war: eine totale Sonnenfinsternis, die von Küste zu Küste wandert. Die nächste gibts 2045. Und dass eine totale Sonnenfinsternis da zu sehen ist, wo man wohnt, ist extrem unwahrscheinlich: Es kommt laut Nasa alle 375 Jahre vor.

Total anstrengend

Und deshalb sind die Amerikaner am Wochenende gereist, irgendwohin im oder nahe des 70 Meilen breiten Gürtels totaler Finsternis zwischen Lincoln City, Bundesstaat Oregon, an der Pazifikküste bis Charlotte im Bundesstaat South Carolina am Atlantik.

Totale Eclipse: Ein Bild der Nasa bei Madras im Bundesstaat Oregon. (21. August 2017)
Totale Eclipse: Ein Bild der Nasa bei Madras im Bundesstaat Oregon. (21. August 2017)
Aubrey Gemignani, AFP
Eifrige Beobachter des Schauspiels in Washington D. C. sind US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania.
Eifrige Beobachter des Schauspiels in Washington D. C. sind US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania.
Andrews Harnik (AP), Keystone
Klaren Blick auf die Sofi wird es vor allem im Westen und in Tennessee geben - andernorts drohen Wolken, ganz im Osten auch Regen und Gewitter.
Klaren Blick auf die Sofi wird es vor allem im Westen und in Tennessee geben - andernorts drohen Wolken, ganz im Osten auch Regen und Gewitter.
AFP
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Es gab Festivals und Public Viewing, Staus auf den Highways und kein Bett mehr für Kurzentschlossene. Wer die Schutzbrillen verkaufte, die man für den Blick in die Sonne braucht, damit die Netzhaut nicht zerstört wird, machte gute Geschäfte. Und jene, die Fälschungen verkauften, wohl auch.

Dabei war es die erste totale Sonnenfinsternis der Geschichte, die man bequem am Computer oder Handy verfolgen konnte: Auf Twitter gabs einen Live­stream, auf den Facebook-Seiten von Nasa, Universitäten und TV-Stationen konnte man das Ereignis zeitgleich verfolgen, News­ticker gabs auf jedem Onlineportal, das etwas auf sich hält.

Himmelsspektakel: Zuschauer mit Schutzbrillen staunen. Foto: Craig Mitchelldyer/ AP
Himmelsspektakel: Zuschauer mit Schutzbrillen staunen. Foto: Craig Mitchelldyer/ AP

Und darum war die Great American Eclipse vom Sofa aus auch total anstrengend. War man beim richtigen Livestream dabei? Würde man bei der Nasa mehr erfahren als bei CNN? Und wieso schalteten die zu einem Kollegen, wenn doch die Korona in zwei Minuten zu sehen sein würde? Wobei: Zwei Minuten sind lang, wenn man darauf wartet, dass sich eine Scheibe vor eine andere schiebt. Und wenn man nicht spürt, wie es kühler wird, nicht die Dunkelheit herankriechen sieht, stellt sich auch die Ergriffenheit nicht ein, von der Moderatoren und Wissenschaftler ständig redeten. Vielleicht liegts aber auch daran, dass die fünfte Korona der ersten täuschend ähnlich sieht.

Am 2. Juli wird in Chile und Argentinien die nächste totale Sonnenfinsternis zu sehen sei. Wenn möglich, werde ich da live dabei sein. Persönlich. Vor Ort. Und sicher ganz ergriffen.

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