Zum Hauptinhalt springen

«Thunfisch und Mayonnaise – was soll das?»

Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal zweifeln Regierung und Hilfsorganisationen daran, noch weitere Überlebende in den Trümmern zu finden. Die Katastrophenhilfe läuft noch immer nicht glatt.

Weg der Zerstörung: Nepalesen gehen an eingestürzten Gebäuden in Trishuli nördlich von Kathmandu vorbei. (4. Mai 2015)
Weg der Zerstörung: Nepalesen gehen an eingestürzten Gebäuden in Trishuli nördlich von Kathmandu vorbei. (4. Mai 2015)
Prakash Mathema, AFP
Einige Gebiete konnten die Rettungskräfte noch nicht erreichen: Zerstörtes Dorf im Bezirk Sindhupalchok, Nepal. (3. Mai 2015)
Einige Gebiete konnten die Rettungskräfte noch nicht erreichen: Zerstörtes Dorf im Bezirk Sindhupalchok, Nepal. (3. Mai 2015)
Reuters/Navesh Chitrakar
Das Epizentrum des Bebens lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt. (25. April 2015)
Das Epizentrum des Bebens lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt. (25. April 2015)
Navesh Chitrakar, Reuters
1 / 36

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal rechnet die Regierung nicht mehr damit, noch weitere Überlebende in den Trümmern zu finden. «Wir geben unser Bestes, aber ich glaube nicht, dass wir noch Überlebende finden werden», sagte der Sprecher des Innenministeriums. Nach seinen Angaben stieg die Zahl der Toten inzwischen auf mehr als 6600, die Zahl der Verletzten auf mehr als 14'000. Tausende gelten als vermisst.

Trotz der Bemühungen von Bergungsteams aus 20 Ländern wurde seit Donnerstagabend niemand mehr lebend aus den Trümmern geborgen. Regierung und Hilfsorganisationen gehen daher davon aus, dass sich die Zahl der Toten weiter erhöhen wird.

600'000 zerstörte Häuser

Das Beben der Stärke 7,8 hatte am Samstag vergangener Woche weite Teile des Landes zerstört. Nach Informationen der Vereinten Nationen wurden 600'000 Häuser zerstört oder beschädigt. Viele der 28 Millionen Nepalesen schlafen seit dem Beben im Freien - teils aus Angst vor weiteren Erschütterungen, teils weil ihre Häuser zerstört sind.

In den kommenden drei Monaten werden nach UNO-Schätzungen mindestens zwei Millionen Zelte sowie Wasser, Essen und Medikamente benötigt. Aus den USA wurden Soldaten und Helikopter erwartet, die Hilfsgüter auch in abgelegene Regionen bringen sollten. Dorthin gelangten bislang kaum Hilfen, da die Strassen oft unpassierbar geworden sind und es zu wenige Lastwagen und Fahrer gibt.

Tunfisch und Mayonnaise

Ein Manager des Unternehmens Nepal Food sagte: «Obwohl unsere Getreidespeicher gefüllt sind und wir reichlich Nahrungsmittel haben, können wir die Auslieferung nicht beschleunigen.» Zwar hätten Helikopter Instant-Nudeln und Kekse über den entlegenen Bergregionen abgeworfen, doch würden dort Reis und andere Nahrungsmittel benötigt, um richtige Mahlzeiten zu kochen.

Finanzminister Ram Sharan Mahat kritisierte, es würden oft die falschen Lebensmittel nach Nepal geschickt. «Wir haben Sachen wie Thunfisch und Mayonnaise erhalten. Was soll das? Wir benötigen Getreide, Salz und Zucker», sagte Mahat.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, appellierte an die EU-Staaten, ihre Unterstützung für die Menschen in Nepal zu verstärken. «Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Situation vor Ort ist schrecklich», sagte er der Zeitung «Die Welt».

Stylianides kündigte weitere Hilfen der EU-Kommission an, konkrete Zahlen nannte er aber nicht. Die UNO hatte um Hilfe in Höhe von 380 Millionen Euro gebeten.

Schlecht organisierte Hilfe

Allerdings läuft die Katastrophenhilfe weiterhin noch nicht glatt. Der Zoll am einzigen internationalen Flughafen in der Hauptstadt Kathmandu verzögere die Verteilung von Hilfsgütern, kritisierte der Vertreter der Vereinten Nationen, Jamie McGoldrick.

Bisher seien lediglich Planen und Zelte von den Einfuhrzöllen ausgenommen worden. McGoldrick forderte die weitgehende Aufhebung von Zollbeschränkungen, denn die Hilfsgüter dürften sich nicht am Flughafen stapeln, sondern müssten schnellstmöglich zu den Bedürftigen gelangen.

Sowohl die betroffenen Nepalesen als auch internationale Hilfsorganisationen vor Ort kritisieren die Regierung seit Tagen dafür, dass sie auch sonst zu langsam und chaotisch agiere. Auch würden Hilfsgüter vorwiegend an Verwandte der Beamten und Mitglieder und Günstlinge der regierenden Parteien ausgeliefert.

Zahlreiche Einwohner der Hauptstadt Kathmandu organisieren sich deswegen selbst und fahren mit Lastwagen voller Nahrungsmittel und Medikamente in die Dörfer.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch