Tod am Susten: Warum dort die Leitplanken fehlen

Erst ohne Nebel und ohne Regen wird sichtbar, wie steil der Unfallhang am Sustenpass tatsächlich ist.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die wohl schlimmste Horrorvorstellung jedes Verkehrsteilnehmers wurde am Mittwochmorgen für zwei Armeerekruten Realität: Mit ihrem Mercedes-G300-Geländewagen in Richtung Steingletscher fahrend, gerieten sie 600 Meter unter der Passhöhe mitten im Heubergrank – einer 200-Grad-Haarnadelkurve im Stuhlweng (Obertal) – über den neun Zentimeter hohen Fahrbahnrand hinaus, durchschlugen drei Begrenzungssteine und stürzten über die fünf Meter hohe Stützmauer in den Abgrund hinab.

Sekunden später schlug das Fahrzeug 100 Meter weiter unten auf der Passstrasse auf. Einer der beiden Rekruten überlebte den Sturz nicht, der andere erlitt schwere Verletzungen.

Die Untersuchung läuft

Noch am Abend nach dem Unfall machten sich in den Medien Spekulationen breit, wonach möglicherweise ein Sekundenschlaf zum Unfall geführt haben könnte. Diese These soll angeblich unter den Armeeangehörigen kursiert sein.

Eine telefonische Nachfrage bei der den Unfall untersuchenden Militärjustiz ergab indes nichts Neues: «Die Untersuchungsarbeiten laufen. Detaillierte Untersuchungsergebnisse werden überdies nicht kommuniziert», sagt Militärjustiz-Sprecher Georg Fritz.

Nur Begrenzungssteine

Obwohl die Befahrer des Sustenpasses sowohl im 2187 Meter über Meer gelegenen Heubergrank als auch in der 250 Höhenmeter weiter unten liegenden Himmelrankkehre nur durch einen Randstein und ein paar Begrenzungssteine vom gähnenden Abgrund getrennt sind, gab es in diesen beiden Haarnadelkurven bisher nie Abstürze von Verkehrsteilnehmern.

Der ehemalige Strassenmeister Hans Reimann: «Ich kann mich nicht erinnern, dass sich dort in den letzten Jahrzehnten ähnliche Unfälle ereignet hätten.» Auch Heinrich Bürgi, Werkstattchef des kantonalen Tiefbauamtes in Innertkirchen, kennt keinen Vorfall in diesen Kehren.

Hier ereignete sich der Unfall. Quelle: Google Maps

Die Frage nach dem Grund für das Fehlen von Leitplanken an den gefährlichsten Stellen des Sustenpasses ist rasch beantwortet: Der Sustenpass gehört zum Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz und unterliegt einem Richtplan, der die Erhaltung der Originalität des Alpenübergangs sicherstellt.

Weiter unten zweimal

In den letzten zehn Jahren kam es am Sustenpass dennoch zu Abstürzen von Autolenkern: In einer Oktobernacht 2010 waren drei Teenager auf ihrer illegalen Spritzfahrt vom Steingletscher talwärts, als der Fahrer oberhalb des Gschlettertunnels in einer Rechtskurve geradeaus in den Abgrund fuhr; ihr Wagen kam nach einem 50-Meter-Sturz zwischen den beiden Weisstannentunneln auf der Passstrasse zum Stillstand. Zwei der drei Insassen kamen damals ums Leben.

Im September 2016 fuhren zwei junge Engländer von der Passhöhe kommend in der scharfen Rechtskurve unter den Bäreggtunneln geradeaus. Der Wagen stürzte 90 Meter in den Löibbach. Die beiden Briten erlitten Verletzungen, überlebten den Unfall jedoch.

Erstellt: 09.08.2019, 07:09 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Artikel zum Thema

Rekrut aus Kaserne Kloten stirbt bei Unfall mit Militärfahrzeug

Kloten Auf dem Susten ist ein Puch 100 Meter in die Tiefe gestürzt. Ein Rekrut kam ums Leben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Mehr...

Unfall mit Militärfahrzeug – sechs Insassen verletzt

In Effretikon hat sich ein Unfall mit einem Duro der Armee ereignet. Von den Verunfallten ist niemand in Lebensgefahr. Mehr...

Fünf Verletzte bei Kollision mit Militärfahrzeug

Der 20-jährige Lenker des Militär-Duros hat bei Bonaduz die Sicherheitslinie der Strasse überquert. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Eine fast aussterbende Tradition: Tänzer führen den Thengul-Tanz während der 74. Indonesischen Unabhängigkeitsfeier im Präsidentenpalast in Jakarta, Indonesien vor. (17. August 2019)
(Bild: Antara Foto/Wahyu Putro) Mehr...