Der Todesschütze verklagt die Opferfamilie

George Zimmerman war des Mordes an einem 17-jährigen Schwarzen angeklagt, wurde freigesprochen – und fühlt sich terrorisiert.

Die Geschworenen stuften den Fall als Notwehr ein: George Zimmerman vor Gericht. Foto: Keystone

Die Geschworenen stuften den Fall als Notwehr ein: George Zimmerman vor Gericht. Foto: Keystone

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Was auch immer man von ihm halten mag, so viel steht fest: George Zimmerman hat eine liebende Beziehung zu Schusswaffen, vertritt rechtsextreme Ansichten und neigt zu Gewalt. Vor sieben Jahren erschoss er, damals 30 Jahre alt, den 17-Jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin, der seinen Vater besuchen wollte. Zimmerman war als Wachmann einer lokalen, nicht offiziellen Bürgerwehr bei Orlando in Florida unterwegs. Sein Opfer war unbewaffnet.

Die Polizei verhaftete den Schützen erst nach Protesten. Doch das zuständige Geschworenengericht sprach ihn einige Monate später frei und begründete dies mit Notwehr.

Der Entscheid löste sowohl landesweite Proteste wie auch rassistisch verbrämte Zustimmung aus; Präsident Barack Obama war ausser sich und sagte, ihm hätte so etwas als Jugendlicher genauso passieren können.

Martins Eltern hätten sich beim Prozess mit weiteren Personen zusammengetan, um Zimmerman mit einer falschen Zeugenaussage zu belasten. 

Was für die Gewaltbereitschaft des Schützen spricht: Er war schon vor der Erschiessung des 17-Jährigen und auch danach mehrmals unangenehm aufgefallen. Er bedrohte seine Frau, die sich von ihm scheiden lassen wollte, und schlug ihren Vater nieder. Später bedrohte er seine neue Freundin mit einer Pistole. Weil er angeblich Geld brauchte, bot er zudem die Tatwaffe für den Mord an dem schwarzen Jungen zum Kauf an und verkaufte sie schliesslich an einen Unbekannten für 100000 Franken. Er nannte die Waffe «an American firearm icon», eine amerikanische Waffen-Ikone.

Dass man jetzt wieder von ihm spricht, hat mit seinem Entscheid zu tun, die Familie des erschossenen jungen Schwarzen und ihren Anwalt zu verklagen. Zimmerman verlangt die Summe von über 100 Millionen Dollar. Sein Leben sei zerstört, sagt er.

Sein Anwalt spricht von einem posttraumatischen Stresssyndrom seines Klienten. Dieser habe wiederholt Morddrohungen erhalten, lebe in dauernder Angst vor Angriffen und sei in eine Depression gefallen. Ausserdem hätten sich Martins Eltern beim Prozess damals mit weiteren Personen zusammengetan, um Zimmerman mit einer falschen Zeugenaussage zu belasten.

Der Anwalt der Familie hält die Vorwürfe für haltlos und spricht von einem «schamlosen Versuch, aus dem Leben und der Trauer anderer Profit zu schlagen». Seine Behauptungen entbehrten jeglicher Logik.

Jetzt ist er ein «nigger-lover»

Dass sich George Zimmerman zu einem offenen Rassisten entwickeln würde, war in seiner Biografie nicht eingeschrieben. Erstens kommt George Zimmerman selber aus einer multikulturellen Familie. Sein Vater, ein Berufsmilitär, hat deutsche Vorfahren, seine Mutter, eine Peruanerin, hat eine peruanisch-afroamerikanische Grossmutter.

Zimmerman wuchs als Latino auf, arbeitete als junger Mann mit einem schwarzen Kollegen zusammen und setzte sich für einen schwarzen Obdachlosen ein, der von weissen Rassisten zusammengeschlagen worden war. Zudem stimmte er für Barack Obama als Präsidenten.

Heute würde er sich selber als einstigen «nigger lover»bezeichnen. So hatte er einen Weissen beschimpft, mit dem er sich verkracht hatte.

Erstellt: 05.12.2019, 07:50 Uhr

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