Töten ohne grossen logistischen Aufwand

Der neue Anschlag in London zeugt von einer Entwicklung im Terrorismus: Immer wieder werden bei Attentaten Fahrzeuge als Terrorwaffen eingesetzt.

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Erneut ist mit einem Lieferwagen ein Anschlag verübt worden. Wer hinter den jüngsten Angriffen in London steht, ist noch unbekannt.

Stockholm – Am 7. April 2017 raste ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge vor einem Einkaufszentrum in Stockholm. Er tötete vier Menschen und verletzte 15 weitere. Der Angreifer, ein 39-jähriger Usbeke war der Polizei bekannt. Den Ermittlern zufolge hegte er Sympathien für extremistische Organisationen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

London – Am 22. März 2017 fuhr der mutmasslich islamistische Attentäter Khalid Masood auf der Westminster-Brücke in London mit seinem Auto Fussgänger an, bevor er auf das Gelände des britischen Parlaments stürmte und einen Polizisten mit einem Messer erstach. Der 52-Jährige, der zum Islam konvertiert war, tötete dabei fünf Menschen und verletzte Dutzende weitere. Er wurde von der Polizei erschossen. Der IS reklamierte die Tat für sich.

Berlin – Am 19. Dezember 2016 verübte der Tunesier Anis Amri einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Amri steuerte einen Lastwagen in die Besucher des Marktes. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt. Am 23. Dezember wurde Amri in Sesto San Giovanni im Grossraum Mailand bei einer Polizeikontrolle erschossen. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich der IS.

Nizza – Am 14. Juli 2016 steuerte der Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge in Nizza. 86 Menschen wurden getötet, mehr als 400 verletzt. Der IS bekannte sich zu der Tat.

Montreal – Im Oktober 2014 raste ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montreal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötete einen der Männer und verletzt einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er schliesslich erschossen. Der Angreifer wollte zum Jihad nach Syrien reisen.

London – Im Mai 2013 fuhren zwei Londoner nigerianischer Abstammung in der britischen Hauptstadt den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstachen. Einer der Angreifer rief kurz danach, er wolle die «von britischen Soldaten getöteten Muslime» rächen.

IS-Propagandachef Abu Muhammad al-Adnani, hatte im September 2014 dazu aufgerufen, «Ungläubige» in westlichen Staaten aus Rache für die Beteiligung ihrer Heimatländer am Kampf gegen den IS zu töten. Der IS-Sprecher listete verschiedene Möglichkeiten auf, Zivilisten und Soldaten ohne grossen logistischen Aufwand zu töten, darunter den Einsatz von Stichwaffen und das Überfahren mit Fahrzeugen. (oli/sda)

Erstellt: 04.06.2017, 11:30 Uhr

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