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Trockenheit: Bringen die Gewitter die Erlösung?

Vielerorts haben Gewitter bis zu 50 Liter Niederschlag gebracht. «Das war so kleines, giftiges Zeugs», sagt ein Meteorologe.

Viele Blitze am Himmel und nasse Strassen: Ein Gewitter hat der Hitze vorläufig ein Ende gesetzt. Video: Tamedia

Nach überaus heissen und trockenen Sommermonaten hat eine Kaltfront Gewitter und Abkühlung ins Unterland gebracht. Verbreitet fielen 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter, vielerorts wurden gar um die 50 Liter gemessen, anderenorts gab es fast keinen Regen. Inwiefern hat sich also die Trockenheit entschärft?

Regenmengen zwischen 10 bis 30 Liter sind für ein Gewitter normal. Gestern zogen zum Teil mehr als ein Gewitter über gewisse Gebiete, sodass auch 50 Liter durchaus im Schnitt liegen, erklärt Meteorologe Klaus Marquardt von Meteonews.

(Zum Vergrössern anklicken) Die Niederschlagssummen vom Donnerstagmorgen bis am Freitagmorgen. (23. August 2018) Bild: Meteonews
(Zum Vergrössern anklicken) Die Niederschlagssummen vom Donnerstagmorgen bis am Freitagmorgen. (23. August 2018) Bild: Meteonews

Um die Niederschlagsmenge einzuordnen, zieht der Meteorologe einen Vergleich: Die Sommermonate sind normalerweise die niederschlagsreichste Zeit in der Schweiz, da die warme Luft mehr Wasser fassen kann. Auf der Alpennordseite wären da 130 bis 160 Liter Regen pro Monat normal. «Über den Daumen gepeilt hatten wir diesen Sommer aber jeweils nur etwa die Hälfte», so Marquardt.

Die Niederschlagssummen Juni und Juli 2018 in Prozent des langjährigen Durchschnitts 1981-2010. (Quelle: Meteo Schweiz)
Die Niederschlagssummen Juni und Juli 2018 in Prozent des langjährigen Durchschnitts 1981-2010. (Quelle: Meteo Schweiz)

Vor diesem Hintergrund meint Marquardt: «Nun, 50 Liter ist besser als nichts». Doch solch intensive lokale Gewitter sind aus zwei Hauptgründen ein schlechter Ersatz für verbreitete Regenfällen: die ungleiche Verteilung und die schlechte Absorbierung des Wassers. «Wenn man sich die Verteilung anschaut, sieht das aus wie ein Leopardenfell», so Marquardt. Auf engem Raum gibt es enorme Unterschiede: Einige Orte kriegen in kurzer Zeit viel Regen ab, andere erhalten weniger. «Das war so kleines, giftiges Zeugs», charakterisiert Marquardt die Gewitter vom gestrigen Donnerstagabend.

Die Gewitter brachten verbreitet 20 bis 30 Liter: Ein Foto aus Emmen LU – in Luzern fielen in den letzten 24 Stunden 26 Liter. (23. August 2018) Bild: Tamedia/Leser-Reporter
Die Gewitter brachten verbreitet 20 bis 30 Liter: Ein Foto aus Emmen LU – in Luzern fielen in den letzten 24 Stunden 26 Liter. (23. August 2018) Bild: Tamedia/Leser-Reporter

Selbst an den Stellen mit viel Niederschlag können die «knochentrockenen» Böden einen grossen Teil der Niederschläge nicht absorbieren. Sie fliessen ab, landen im Gul­ly, oder verdunsten auf den warmen Böden – «eine Verschwendung», resümiert der Meteorologe.

Zugersee egalisiert historischen Tiefststand

Auch die Hydrologin Edith Oosenbrug vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) erklärt die Lage ganz ähnlich: «Das ist wie bei einem ausgetrockneten Blumentopf», so Oosenbrug. Die durchgetrockneten Böden bräuchten eine gewisse Zeit, um feucht zu werden und so ihre Saugfähigkeit wieder zu erlagen.

Dass die Böden das Wasser nicht halten mögen, zeige sich auch an den aktuellen Pegelständen der Gewässer. Nach Gewittern stiegen die Pegelstände der Flüsse zwar jeweils kurz an – speziell bei kleineren Gewässern habe dieser Effekt in letzter Zeit aber nur einen Tag lang angehalten, bevor die Pegel wieder auf den Stand vor dem Gewitter zurückkehrten.

Die Trockenheit in der Schweiz zeigt sich ganz eindrücklich an den Pegelständen der Seen. So liegt der Pegel des Bodensees zurzeit rund ein Meter tiefer, als im August normal wäre. Einen solch tiefen Stand erreicht der See normalerweise erst im Dezember. Auch viele andere Seen hätten bereits ihren Winterstand erreicht, so Oosenbrug. Der Zugersee hat aktuell gar den historischen Tiefststand von 1949 egalisiert.

Neben der Trockenheit der letzten Monate gibt es dafür noch einen weiteren Grund, so Oosenbrug. Der warme Frühling habe eine starke Schneeschmelze verursacht, sodass nun in den Sommermonaten weniger Schmelzwasser in die Seen des Flachlands gelange.

Der Pegelstand des Zugersees. (24. August 2018) Bild: Bundesamt für Umwelt
Der Pegelstand des Zugersees. (24. August 2018) Bild: Bundesamt für Umwelt

Ähnlich präsentiert sich die Lage beim Grundwasser. Das Bafu schrieb bereits vor zwei Wochen im Grundwasser-Bulletin, dass «für die Jahreszeit zunehmend tiefe Grundwasserstände und Quellabflüsse mit sinkender Tendenz zu verzeichnen» seien. Die Daten der Messstationen sind online zugänglich und zeigen, dass die Messwerte vielerorts zu den niedrigsten zehn Prozent aller je gemessenen Werte des Monats August gehören. Ob Gewitter den Grundwasserpegel anheben vermögen, kommt dabei auf die Beschaffenheit des Grundwasserleiters, oder -trägers an. Durch kurzfristige Starkniederschläge steigen vor allem oberflächennahe Lockergesteins- und Karst-Grundwasserleiter vorübergehend an.

Grundwasserstände und Quellabflüsse (Stand 7. August 2018) im mehrjährigen Vergleich sowie die derzeitige Tendenz. Quelle: Nationale Grundwasserbeobachtung. Eine ähliche Karte mit aktuellen Daten, finden Sie hier.
Grundwasserstände und Quellabflüsse (Stand 7. August 2018) im mehrjährigen Vergleich sowie die derzeitige Tendenz. Quelle: Nationale Grundwasserbeobachtung. Eine ähliche Karte mit aktuellen Daten, finden Sie hier.

Da die Wasserversorgung in der Schweiz kommunal geregelt wird, ist es schwierig, einen Überblick über die Versorgungssituation zu erlange. Einige Gemeinden rufen ihre Bürger dazu auf, Wasser zu sparen.

Generell wären also längere Niederschläge nötig, um die Pegel wieder auf einen normalen Stand zu heben. Und eben solche Niederschläge sind noch nicht auf dem Radar. Am Samstag erreicht eine weitere Kaltfront die Schweiz, die voraussichtlich auch Niederschläge bringt. «Am Wochenende verpasst uns der Herbst einen Schuss vor den Bug», meint Meteorologe Marquardt dazu, «doch bereits ab Sonntag wird das Wetter vom Westen her allmählich wieder besser.»

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Am Montag sollten die Temperaturen wieder bis zu 24 Grad erreichen. In den Folgetagen werde das typisch spätsommerliche Wetter die Temperaturen weiter steigen lassen. Am Mittwoch wird mit bis zu 28 Grad der vorläufige Höhepunkt erreicht. «Dann steigt auch das Gewitterrisiko ein bisschen», so Marquardt. Auf Donnerstag könnte eine Störung verbreitet Regen bringen, doch der Meteorologe schätzt: «Eine nachhaltige Besserung der Trockenheit ist auch das nicht.»

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