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Trumps zweite Mauer

In Irland will der nächste US-Präsident mit einem Wall zum Meer sein Golf-Resort schützen.

Schön in den Dünen gelegen: Trumps Golfplatz Doonbeg. Foto: Getty Images
Schön in den Dünen gelegen: Trumps Golfplatz Doonbeg. Foto: Getty Images

Nicht nur in Mexiko herrscht Aufregung über Donald Trumps Abgrenzungsideen. Auch in Irland, auf Europas «grüner Insel», lösen Mauerbaupläne des nächsten US-Präsidenten Empörung aus. Bereits über 100 000 Unterschriften hat eine Onlinepetition mit der Forderung «Stoppt Trumps irische Mauer!» gesammelt. Und noch immer steigt die Zahl der Unterzeichner stetig an.

Dabei ist Trumps «irische Mauer» natürlich nicht dazu gedacht, die Iren vom Übersetzen nach Amerika abzuhalten. Sondern diese zweite, weniger bekannte Mauer soll sich gegen die Wogen des Atlantiks stemmen.

5 Meter hoch Fels

In County Clare an der Westküste Irlands besitzt Trump einen feudalen Golfplatz samt Luxushotel. Das bankrott gegangene Golfgelände hat er vor drei Jahren gekauft und für über 50 Millionen Dollar instandgesetzt.

Doch ein kontinuierlich steigender Wasserpegel und zunehmend wilde Stürme gefährden das in die Dünen gesetzte Resort Trump International Golf Links and Hotel Doonbeg. Mehrfach befanden sich Teile des Platzes schon unter Wasser. Also hat der Mann, der nach eigenen Worten die globale Erwärmung für chinesische Propaganda hält, beschlossen, sich den Naturgewalten aktiv zu widersetzen: eine Massnahme, die nahelegt, dass sich Trump über die Folgen globaler Erwärmung wenig Illusionen macht.

4 bis 5 Meter hoch sollen die Felsaufschüttungen am Strand von Doonbeg werden, die Trump im Sinn hat. Auf fast 3 Kilometer Länge soll dieser neue Schutzwall entstehen. Und ja, gewiss doch habe das von jedermann beobachtete Anschwellen der See an den Küsten mit der globalen Erwärmung und mit schmelzenden Eiskappen zu tun, hat ein örtlicher Bauunternehmer namens Martin Kelly Reportern freimütig erklärt.

Ein bisschen Geld für Bauaufträge von Trump käme dem Iren nicht ungelegen: Seine Mitgliedschaft im Doonbeg-Golfclub hat er aufgeben müssen, seit die Jahresgebühr auf mehrere Tausend Dollar gestiegen ist. Auch Trumps Sohn Eric hat die Erosion der Dünen in Doonbeg über die Jahre verfolgt – und fürchtet, dass nach ein paar weiteren Stürmen das Gelände unbespielbar werden könnte.

Für Dünen und Schnecke

Das Genehmigungsverfahren für die Mauer zieht sich allerdings hin: Naturschutzverbände und örtliche Farmer haben Einspruch erhoben. Die einen hassen die Idee einer künstlichen Trennwand zum Meer, mit der ein «Spielplatz für die Reichen» abgeschirmt werden soll. Sie wollen die Dünen von Doonbeg im Naturzustand belassen und machen sich für die hier lebende Schmale Windelschnecke stark, die unter Naturschutz steht. Die Bauern mit Land am Golfplatz ihrerseits fürchten, dass eine Mauer vor dem Platz die Sturmfluten künftig direkt auf ihr Farmland leiten würde.

Trump bleibt ungerührt: Er hat bereits erklärt, dass er im Falle einer Verweigerung der Baubewilligung den Golfplatz kurzerhand schliessen könnte. Und das Hotel gleich dazu.

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