Rettungspilot war ein Schweizer Freund von Steck

Maurizio Folini fliegt zur Absturzstelle auf 5600 Metern Höhe, doch für Ueli Steck kommt jede Hilfe zu spät. Wie der Helipilot den Moment der Bergung seines Freundes beschreibt.

82 Viertausender in zwei Monaten: So erklomm Ueli Steck die Gipfel. (Tamedia)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Schweizer Rettungspilot Maurizio Folini flog die Bergung von Ueli Steck. Den Moment der Bergung seines Freundes beschreibt er gegenüber dem SRF Nachrichtenmagazin «10vor10»so: «Bei der Landung habe ich erfahren, dass für Ueli Steck jede Hilfe zu spät kommt. Im ersten Moment habe ich mich dann nur auf meine Tätigkeit konzentriert, also auf die Leistung des Helikopters, auf den Wind und die Organisation der Bergung.» Die Emotionen hätten ihn später eingeholt, als er alleine war.

Laut Folini wollte Steck zur Vorbereitung seiner Tour zum Südcol aufsteigen und gegen Abend zum Basecamp zurückzukehren. Am Samstagnachmittag habe Steck seinem Partner Tenji per SMS seine Planänderungen mitgeteilt, sagte Folini zu «10vor10». Steck habe Tenji geschrieben, dass er nicht mehr an den Südcol gehe, sondern an den nahegelegenen Nuptse wolle. An diesem Berg ist der Unfall passiert.

Steck soll im Kloster letzte Ruhe finden

Ueli Stecks Witwe wird zusammen mit einem Freund heute Abend (Lokalzeit) in Nepal erwartet. Stecks Eltern sollen einen Tag später aus der Schweiz kommend in Kathmandu eintreffen. Dies sagte der Geschäftsführer von Royal Orchid Treks and Expedition, Dendi Sherpa, der «The Himalayan Times».

Noch ist offen, wie man des Verstorbenen gedenken will; entschieden werden soll dies beim Zusammentreffen von Stecks Frau und dessen Eltern. Gemäss Stecks Sprecher Andreas Bantel ziehe man eine Bestattung im buddhistischen Kloster von Tengboche in Erwägung. Der Tempel liegt auf dem Hauptweg zum Everest-Base-Camp.

Wunsch der Familie

Nach Angaben von Stecks Sprecher Andreas Bantel ist es der Wunsch seiner Familie, dass der verstorbene Extrembergsteiger im Himalaja-Land beerdigt wird. Steck habe Nepal geliebt und bei den Sherpa und deren Familien viele Freunde gehabt, sagte Bantel der Nachrichtenagentur sda. In der Schweiz soll es später eine Gedenkfeier geben.

Nach Kathmandu überführt

Der Berner Extrembergsteiger war am Sonntagmorgen bei einer vorbereitenden Erkundungstour in der Nähe des Mount Everest abgestürzt. Eine sechsköpfige Rettungsmannschaft konnte den 40-Jährigen nur noch tot bergen. Seine sterblichen Überreste wurden zunächst per Helikopter nach Lukla gebracht, wo sich der einzige Flughafen in der Gegend des Mount Everest befindet.

Stecks Leichnam wurde anschliessend in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu überführt. Dort werde die Familie von ihm Abschied nehmen können, sagte Bantel. Sie hoffe auch auf mehr Informationen zu den Umständen des Unfalls.

Tour ohne Sauerstoffflasche

Seine Familie sei «unendlich traurig». Sie bat zudem darum, auf Spekulationen um die Todesumstände zu verzichten. Stecks Umfeld will die Öffentlichkeit informieren, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.

Steck befand sich seit Anfang April zu einer neuen Expedition beim Mount Everest. Er wollte den höchsten Berg der Welt (8848 Meter über Meer) besteigen und von dort so rasch wie möglich zum daneben gelegenen Lhotse (8511 Meter über Meer) weiter gehen. Die Tour wollte er ohne Sauerstoffflasche absolvieren.

Die Infografik zeigt die Route, die Steck bewältigen wollte:

Steck sei allein unterwegs gewesen, als er zwischen Camp I und Camp II am Fusse des Everest 1000 Meter in die Tiefe gestürzt sei, sagte Mingma Sherpa von «Seven Summits Trecks». Die Firma hatte Stecks jüngste Expedition im Himalaja mitorganisiert.

Steck hat seine Pläne in einem Youtube-Video erklärt. (11. April 2017) Video: Youtube

Steck sei um ungefähr 10 Uhr am Sonntagmorgen verunglückt, sagte Mingma Sherpa weiter. Er und sein Team seien sehr traurig über den Verlust eines «ausgezeichneten Bergsteigers und sehr netten Menschen», sagte er.

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» anfangs April sagte er: «Scheitern heisst für mich: wenn ich sterbe und nicht heimkomme.» Dennoch schätzte er das Risiko beim Everest-Lhotse-Projekt als gering ein: «Bin ich auf dem Everest, kann ich ­jederzeit abbrechen (...) Für mich ist es primär ein physisches Projekt. Entweder komme ich durch – oder habe keine Kraft zur ganzen Überquerung. Ich wählte diesen Ansatz auch, weil ich mit Risiko kaum besser oder erfolgreicher sein kann.»

Parmelin: Steck verschob Grenzen

Sportminister Guy Parmelin schrieb in einer Stellungnahme, leider sei Stecks Aussage «Scheitern heisst Sterben» nun «zur traurigen Prophezeiung» geworden. Der Bundesrat sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

«Steck war einer der Besten, verschob Grenzen, und doch blieb er immer bescheiden», schrieb Parmelin und würdigte Stecks «Leistungen, seine Willenskraft und seine Haltung». Steck sei seine Aufgaben «mit höchstem Respekt und Sorgfalt» angegangen.

«Schweizer Maschine»

Steck war einer der angesehensten Bergsteiger seiner Generation. Er war vor allem für sein Bergsteigen mit schnellem Tempo bekannt. Unter anderem hatte er mehrere Rekorde für den Aufstieg an der Nordseite des Eiger aufgestellt. Diesen hatte er in zwei Stunden und 47 Minuten erklommen, ohne ein Seil zu benutzen.

2013 schaffte er als erster Solo-Bergsteiger den Aufstieg an der Südseite des Annapurna in Nepal, nachdem er dort 2007 bei einem Sturz beinahe ums Leben gekommen war. Dafür bekam er im darauffolgenden Jahr den «Piolet d'Or», die Top-Auszeichnung im Bergsteigen.

2015 entschied sich Steck, alle 82 Gipfel in den Alpen mit einer Höhe von mehr als 4000 Metern zu erklimmen. Zwischen den Bergen reiste er nur zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem Gleitschirm. Für diese Errungenschaft brauchte er 62 Tage. Sie trug dazu bei, seinen Ruf als «Schweizer Maschine» zu festigen.

Ueli Steck hinterlässt eine Ehefrau. (woz)

Erstellt: 30.04.2017, 10:06 Uhr

Artikel zum Thema

Steck in seinem letzten Interview: «Scheitern heisst sterben»

Interview Ueli Steck wollte schaffen, was noch niemandem gelang. Vor kurzem schilderte er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet in einem Interview sein aktuelles Projekt. Nun fand er am Mount Everest den Tod. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Tingler Vermessen im Spiel

Michèle & Friends Wie man sich auf den Urologen vorbereitet

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...