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«Um diese Jahreszeit gabs das zuletzt 1986»

In der Nacht auf Montag fallen die Temperaturen im Flachland auf unter –10 Grad. Meteorologe Jörg Kachelmann erklärt die Wetterlage.

Mit Jörg Kachelmann sprach Marc Chéhab
Für Menschen ohne Zuhause können die kalten Temperaturen gefährlich werden: In Zürich gehen in den eisigen Nächten Mitarbeiter von Sicherheit, Intervention und Prävention (SIP) auf Patrouille. (Archiv)
Für Menschen ohne Zuhause können die kalten Temperaturen gefährlich werden: In Zürich gehen in den eisigen Nächten Mitarbeiter von Sicherheit, Intervention und Prävention (SIP) auf Patrouille. (Archiv)
Ennio Leanza, Keystone
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Zu Beginn nächster Woche erwartet uns ein Temperatursturz: Laut aktuellen Prognosen fällt das Thermometer im Flachland am Montag, Dienstag und Mittwoch in den frühen Morgenstunden verbreitet unter –10 Grad und schafft es auch am Tag wohl kaum über –3 Grad. Was ist Ihre Prognose? Wo und wann erwarten Sie die kältesten Morgenstunden?

Aus heutiger Sicht wird es so sein, dass es von Montag bis Mittwoch auch im Mittelland Tiefstwerte von knapp unter –10 Grad im Mittelland geben wird. Das ist weit weg von irgendwelchen Rekorden für den Winter, aber für Ende Februar nicht häufig, vor allem wenn man die Höchsttemperaturen um –7 Grad zum Beispiel am Montag betrachtet. Zuletzt gab es das um diese Jahreszeit 1986. Dann muss man weiter zurück, um auf ähnliche Werte an einem 26. Februar zu kommen: 1889, 1858, 1847, 1840, 1825 und 1814. Es ist eine Zeit, in der es häufiger auch schon mal warm wurde, und 15 Grad plus waren keine Seltenheit.

Was löst in der Nacht von Sonntag auf Montag diesen doch recht abrupten Temperatursturz aus?

Es gibt keinen grossen Temperatursturz. –5 Grad am Sonntagabend, –11 Grad am Montagmorgen, wenn man mitten in Zürich wohnt. Wie gesagt, nichts, was Zürich und Umgebung in einem Winter nicht schon mal erlebt hätten. Wir älteren Menschen müssen ein bisschen über den Begriff «Russenpeitsche» lächeln, der gern gebraucht wird. Im Moment haben wir die klassische Schweizer Bisenlage mit dem Hoch über Skandinavien, die russische Kaltluft zu uns transportiert – also alles wie immer.

Die «gefühlte Temperatur» wird gegenüber der gemessenen Temperatur voraussichtlich noch weiter im Minusbereich liegen. Wie messen Meteorologen denn die «gefühlte Temperatur», und wieso ist die so viel tiefer?

Wenns luftet, fühlt sich das kälter an als bei Windstille. Deswegen sind die erwähnten Zahlen mit Bise etwas anstrengender. Die sogenannte gefühlte Temperatur ist ein virtueller Blödsinn, der darauf beruht, dass ein Eimer Wasser bei derselben Temperatur mit Wind schneller gefriert als ohne Wind. Daraus hat man dann eine lustige Formel gemacht: Man nimmt den Wind auf zehn Metern Höhe als Massstab und geht davon aus, dass alle Menschen das Kälteempfinden eines Eimers Wasser haben. Und natürlich alle gleich, ohne individuelle Unterschiede.

Wie beeinflussen lokale Faktoren wie Städte, Seen oder das Gelände diese Temperaturen?

Bei Bise spielen wärmende Stadteffekte eine geringe Rolle. Grosse Seen können vor allem in den Alpentälern helfen. Bei einer Bisenlage weht dort weniger Wind, Bise im eigentlichen Sinn gibt es nicht, sodass man am Urnersee nachts zunächst keine –10 Grad bekommen wird, solange sich die Wetterlage nicht ändert.

Der Januar war gemäss Meteo Schweiz im landesweiten Durchschnitt der mildeste seit Messbeginn 1864. Regional stieg die Januartemperatur auf extreme Rekordhöhen. Sind minus 10 Grad im Februar im Flachland also wirklich so kalt? Oder haben wir einfach vergessen, was Winter ist?

–10 Grad sind nie besonders kalt in der Schweiz, wenn man den Winter betrachtet, Ende Februar aber sicher am unteren Ende des Möglichen. Für absolute Kälterekorde muss der Wind aufhören, die Kaltluft sich setzen können und gleichzeitig der Hochnebel weggehen. Dafür müsste sich das Hoch bei uns zur Ruhe setzen. Im Moment sieht es noch nicht danach aus.

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