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Umzug der Liebe wurde zur Parade des Horrors

Nach der Massenpanik mit 19 Toten in Duisburg hat die Suche nach den Verantwortlichen begonnen. Die Stadt und die Veranstalter müssen harte Kritik einstecken. Künftig wird es keine Loveparade mehr geben.

Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt: Der Entwurf eines Stahlreliefs des Künstlers Jürgen Meister, das zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade in der Nähe der Unglücksstelle in Duisburg aufgestellt werden soll. (20. Dezember 10)
Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt: Der Entwurf eines Stahlreliefs des Künstlers Jürgen Meister, das zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade in der Nähe der Unglücksstelle in Duisburg aufgestellt werden soll. (20. Dezember 10)
Keystone
Am 1. Juni 2011 wurde bekannt, dass sich der Anfangsverdacht bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg zum Loveparade-Drama bestätigt hat.
Am 1. Juni 2011 wurde bekannt, dass sich der Anfangsverdacht bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg zum Loveparade-Drama bestätigt hat.
Keystone
Die Polizei war mit 1200 Beamten vor Ort.
Die Polizei war mit 1200 Beamten vor Ort.
Keystone
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Die Polizei und die Stadt Duisburg forschen unter grossem öffentlichen Druck nach den Ursachen. Vordringlichste Aufgabe sei zunächst die Versorgung der Verletzten, hiess es. Unklar ist noch, wie schwer die Verletzungen sind.

Nach dem tragischen Unglück wird es künftig keine Loveparade mehr geben. Das teilte Veranstalter Rainer Schaller auf einer Pressekonferenz in Duisburg mit. «Ich bin furchtbar bestürzt und in tiefer Trauer», sagte Schaller zu der Tragödie mit 19 Toten und 340 Verletzten.

An der Medienkonferenz sagte Detlef von Schmeling vom Polizeipräsidium Duisburg: «Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.» Zwei Strafanzeigen gingen bisher ein.

Die meisten Toten seien auf der westlichen Seite der Zugangsrampe gefunden worden. 16 Opfer seien bislang identifiziert, die Angehörigen seien informiert. Unter den Opfern befanden sich demnach auch ein Niederländer, ein Australier, ein Italiener und ein Chinese. Die Toten waren zwischen 20 und 40 Jahre alt. Ob auch Schweizer unter den Opfern sind, konnte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten noch nicht sagen.

Auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland zeigte sich erschüttert: «Die Trauer vermag ich nicht in Worte zu kleiden, dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht in Worte fassen kann». Er warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, den Behörden seien Akten dazu übergeben worden

Die Massen verhalten sich wie eine Rinderherd

Heftige Kritik über das Sicherheitskonzept äusserte die Gewerkschaft der Polizei. Es sei sehr gefährlich, bei Massenveranstaltungen das Gelände fast komplett einzuzäunen, sagte der stellvertretende Berliner GdP-Vorsitzende, Michael Reinke.

Ein Tunnel als einziger Fluchtweg habe in Duisburg zur Katastrophe geführt: «Dort fühlt man sich eh schon eingeengt. Bei einer Panik verhalten sich die Massen wie eine Rinderherde.»

Die Medien haben die Schuldigen gefunden

Die Loveparade bestimmt auch die Schlagzeilen im Ausland. «Sie kamen aus Liebe und wurden zu Tode gequetscht», hiess es in der israelischen «Jediot Achronot».

Viele Medien sehen die Organisatoren als Schuldige: «Der Tunneleingang wurde zur Todesfalle», schreib El País in Spanien. Eine Feier dieser Grössenordnung sei für eine Stadt mit weniger als einer halben Million Einwohnern wie Duisburg eine organisatorische Herausforderung.

Auch «Ekstra Bladet» aus Dänemark kritisierte die Organisatoren: «Die Katastrophe war abzusehen, denn die Veranstalter liessen viel zu viele Menschen hereinkommen. Der Bahnhof in Duisburg war viel zu klein für so ein Riesenereignis wie die Loveparade.»

Heute steht die Frage im Vordergrund, ob es richtig war, bei der Erwartung von mehr als einer Million Besuchern und einem Gelände für maximal 250'000 Menschen nur einen Zugang anzubieten, der wiederum nur durch Tunnels erreichbar war.

SDA/bru

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