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Untergang der Costa Concordia war ein «verfluchter Unfall»

Die Anwälte fordern einen Freispruch für den Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino. Sein verspätetes Auslösen des Alarms habe gar viele Menschenleben gerettet.

War von der Staatsanwaltschaft als Mischung aus «einem leichtsinnigen Optimisten und einem wendigen Idioten» bezeichnet worden: Francesco Schettino während einer Prozesspause. (9. Februar 2015)
War von der Staatsanwaltschaft als Mischung aus «einem leichtsinnigen Optimisten und einem wendigen Idioten» bezeichnet worden: Francesco Schettino während einer Prozesspause. (9. Februar 2015)
Max Rossi, Reuters

Im Prozess um die Havarie der Costa Concordia in der toskanischen Stadt Grosseto hat die Verteidigung von Kapitän Francesco Schettino einen Freispruch gefordert. Die Havarie vor der Insel Giglio mit 32 Todesopfern sei ein «verfluchter Unfall» gewesen, der im Meer vorkommen könne, sagte Schettinos Anwalt Domenico Pepe.

Die 32 Todesopfer seien auf «menschlich unvorhersehbare Umstände» zurückzuführen, sagte der Verteidiger des einzigen Angeklagten. Sollte das Gericht Schettino trotzdem wegen Fahrlässigkeit schuldig sprechen, solle der Kapitän zur Mindeststrafe verurteilt werden. Das Gericht solle zudem strafmildernde Umstände berücksichtigen.

Der 54-jährige Schettino, der wegen Erkrankung fehlte, hatte nach dem Unglück im Januar 2012 fast sechs Monate unter Hausarrest verbracht. Ihm werden mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierung, die Verursachung von Umweltschäden und falsche Angaben an die Behörden vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hatte 26 Jahre und drei Monate Haft für den Kapitän beantragt.

«Leben gerettet»

Nach Ansicht seiner Anwälte hat Schettino nach der Havarie der Costa Concordia jedoch eine noch grössere Katastrophe verhindert. Mit seiner Entscheidung, das Auslösen des Alarms zu verzögern, habe der Kapitän viele Menschenleben gerettet. «Wenn Schettino einen Kilometer vor der Küste den Alarm ausgelöst hätte, wie er das nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte tun sollen, wäre das Schiff ausser Kontrolle geraten», sagte Pepe. Nicht alle Rettungsboote hätten die Küste erreichen können. Schettino als erfahrener Seemann habe das Schiff bis fast zur Küste geführt und Menschenleben gerettet.

Die italienische Polizei hat neue Bilder aus dem Inneren der Costa Concordia veröffentlicht. Am Rost kann man erkennen, welcher Teil des Schiffs unter der Wasseroberfläche lag: Die Brücke der Costa Concordia, nachdem sie wieder aufgerichtet wurde. (19. Februar 2014)
Die italienische Polizei hat neue Bilder aus dem Inneren der Costa Concordia veröffentlicht. Am Rost kann man erkennen, welcher Teil des Schiffs unter der Wasseroberfläche lag: Die Brücke der Costa Concordia, nachdem sie wieder aufgerichtet wurde. (19. Februar 2014)
Carabinieri, Reuters
Im Inneren des Unglücksschiffs: Koffer liegen hinter einem Absperrband. (27. Februar 2014)
Im Inneren des Unglücksschiffs: Koffer liegen hinter einem Absperrband. (27. Februar 2014)
Carabinieri, Reuters
Soll am Dienstag abtransportiert werden: Diese Fotosequenz zeigt, wie die Costa Concordia über mehrere Tage angehoben wird. (18., 19. und 21. Juli 2014)
Soll am Dienstag abtransportiert werden: Diese Fotosequenz zeigt, wie die Costa Concordia über mehrere Tage angehoben wird. (18., 19. und 21. Juli 2014)
AP Photo/Gregorio Borgia, Keystone
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Der Verteidiger klagte erneut, dass sein Mandant von der Staatsanwaltschaft schwer beleidigt worden sei. Ein Anklagevertreter hatte Schettino in seinem Plädoyer als eine Mischung aus «einem leichtsinnigen Optimisten und einem wendigen Idioten» bezeichnet. «In 40 Jahren als Rechtsanwalt habe ich niemals solche Beleidigungen gehört», erklärte Pepe.

Schuld auf Crew geschoben

Schettino hat zwar eine Mitschuld eingeräumt, jedoch stets behauptet, seine Crew habe die entscheidenden Fehler gemacht. «Die Offiziere haben Schettino in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen und sind verschwunden. Die Crew war vom professionellen Standpunkt aus völlig ungeeignet», sagte Pepe.

Die Staatsanwaltschaft wolle Schettino allein die Verantwortung für die Havarie aufhalsen. Vier Crewmitglieder und ein Manager der Reederei Costa Crociere hatten sich vor dem Prozess mit dem Gericht gegen Schuldeingeständnisse auf Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren geeinigt. Nach der Verteidigung hat wieder die Staatsanwaltschaft das Wort. Mehrere Nebenkläger wollten sich ebenfalls noch äussern. Mit einem Urteil in dem vor eineinhalb Jahren gestarteten Prozess wird Mitte der Woche gerechnet.

SDA/thu

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