Untersuchungsleiter kontert Ju-Air: Lagerungsschäden unmöglich

Der Verdacht, dass die Mängel an der abgestürzten Ju-52 bei der Bergung entstanden seien, wird von der Sust entschieden abgewehrt.

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Korrosionsschäden an Holmen, Scharnieren und Beschlägen der Tragflügel: An der im August abgestürzten Ju-52 wurden sicherheitsrelevante Mängel gefunden, wie der Zwischenbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) festhielt.

Der Chef der Airline bezweifelt im Blick aber, dass diese Schäden schon vor dem Absturz bestanden. «Das Flugzeug lag einige Tage an der Absturzstelle. Trümmerteile mussten von Menschenteilen getrennt werden», sagt Ju-Air-Chef Kurt Waldmeier im Blick. «Es kam Feuchtigkeit dazu, zwischenzeitlich hat es auch geregnet. Und wir wissen nicht, wie die Teile nach dem Abtransport gelagert wurden.»

Die Sust kontert diese These umgehend: «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Schäden nach dem Absturz entstanden sind», sagt Daniel Knecht, Untersuchungsleiter der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Das Wrack wurde sehr rasch geborgen, war immer im Trockenen gelagert, so dass sich diese deutlichen Korrisionsstellen nicht in dieser kurzen Zeit entwickeln konnten.»

Mängel hatten keinen Einfluss auf Absturz

Die gefundenen technischen Mängel hatten laut der Sust keinen Einfluss auf den Absturz beim Piz Segnas, bei dem alle 20 Insassen starben. Die Korrosionsschäden an Holmen, Scharnieren und Beschlägen der Tragflügel sowie die Mängel an neu angefertigten Motorenteilen werden dennoch als sicherheitsrelevant eingestuft.

Auswirkungen haben diese Erkenntnisse deshalb für die zwei noch intakten Ju-52 des selben Baujahrs. Laut der Sicherheitsuntersuchungstelle muss damit gerechnet werden, dass vergleichbare Mängel auch bei diesen Schwesternflugzeugen vorhanden sind. Dort könnten sie «eine Beeinträchtigung der Flugsicherheit darstellen».

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat deshalb per sofort ein Flugverbot für die zwei in Dübendorf ZH stationierten Ju-52 verfügt. Die historischen Flugzeuge dürfen laut Bazl so lange nicht mehr fliegen, bis sichergestellt ist, dass die Maschinen diese Schäden nicht aufweisen oder bis diese behoben sind.

Die gefunden Schäden hätten bei normalen Wartungsarbeiten und Inspektionen nicht festgestellt werden können, hält das Bazl fest. Erst die Untersuchung des Flugzeugwracks habe die «schwerwiegenden strukturellen Schäden» zutage gefördert.

Ju-Air kooperiert

Die Ju-Air ist mit diesem vorübergehenden Grounding einverstanden. Nach dem Abschluss des Sommerflugbetriebs befänden sich die beiden betroffenen Flugzeuge ohnehin bereits in Dübendorf ZH zur umfassenden Jahreswartung, schrieb die Nostalgie-Fluggesellschaft. Es sei vorgesehen, den Flugbetrieb wie geplant im Frühling 2019 wieder aufzunehmen.

Die Ju-Air hat nach eigenen Angaben bereits ein Projekt gestartet, um sicherzustellen, dass die beiden verbliebenen Flugzeuge keine Schäden aufweisen, wie sie bei der Unfallmaschine vorgefunden wurden. Das Unternehmen will dabei eng mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zusammenarbeiten.

Die Ju-Air will im kommenden Sommerhalbjahr wieder eine dritte Ju-52 in ihre Flotte aufnehmen. Die Vorbereitungsarbeiten an einer zurzeit im deutschen Mönchengladbach abgestellten Maschine seien so weit abgeschlossen, dass das Oldtimer-Flugzeug zu einer Strukturüberholung nach Dübendorf überflogen werden könne, schrieb sie. Die entsprechenden Bewilligungen würden derzeit beantragt. (Pia Wertheimer/sda)

Erstellt: 21.11.2018, 21:20 Uhr

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