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Wird dieses Wochenende der Europa-Hitzerekord gebrochen?

Europa schwitzt: Vor 40 Jahren wurden in Athen 48 Grad gemessen; bald könnte es auf der Iberischen Halbinsel wieder so weit sein.

Gewittriger Nationalfeiertag: In diversen Kantonen kam es zu Niederschlägen, Hagel und Sturmböen. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)

Am Wochenende steht der Iberischen Halbinsel eine extreme Hitzewelle bevor. Wie Meteonews berichtet, werden Temperaturen von 40 bis 45 Grad erwartet. Somit könnten die beiden Landesrekorde gebrochen worden: Der von Portugal liegt bei 47,4 Grad (vor 5 Jahren in Amarelja), jener von Spanien liegt mit 47,3 Grad in Montoro bei Córdoba nur leicht darunter.

Córdoba, Spanien, am 1. August 2018, mit einer nicht offiziellen und sehr wahrscheinlich in der Sonne gemessenen Temperaturanzeige.
Córdoba, Spanien, am 1. August 2018, mit einer nicht offiziellen und sehr wahrscheinlich in der Sonne gemessenen Temperaturanzeige.

Aber auch der aktuelle europaweite Hitzerekord, welcher vor über 40 Jahren in Athen gemessen wurde und exakt 48 Grad betrug, liegt dieses Wochenende in erreichbarer Nähe.

Tenü-Erleichterung im Militär

Wie die Zivilisten leiden auch die Militärs unter der Hitze. Um den Schweizer Wehrleuten das Leben erträglicher zu machen, gelten momentan Tenü-Erleichterungen. Märsche und andere körperliche Anstrengungen werden auf den frühen Morgen oder späteren Abend verlegt.

Die Leibesertüchtigung erfolgt im Übrigen bevorzugt in Turnhallen, wie Armeesprecher Daniel Reist am Donnerstag eine Meldung von Radio Zürisee bestätigte. In gewissen Situationen können die Armeeangehörigen statt in der Uniform auch in T-Shirt, kurzer Hose und Turnschuhen antreten.

Ihre Vorgesetzten sind angehalten, zwingend regelmässige, kontrollierte Trinkpausen anzuordnen und überhaupt für den Flüssigkeitshaushalt ihrer Untergebenen zu sorgen. Märsche und andere sportliche Aktivitäten sind auf morgens 4 Uhr oder den späten Abend verschoben. Gegebenenfalls entfallen sie auch ganz. In Zeiten der ärgsten Hitze können die Vorgesetzten zudem verlängerte Mittagspausen anordnen.

Die Ausbildungsaktivitäten erfolgen bevorzugt im Schatten oder in Gebäuden. Überhaupt liegt der Fokus bei der Truppe in diesen heissen Tagen auf der theoretischen Ausbildung.

Meteorologisches Feuerwerk

Der Nationalfeiertag brachte auch hierzulande viel Sonnenschein und Hitze. Am heissesten war es in Beznau AG mit 35,6 Grad sowie am Flughafen Zürich und in Schaffhausen mit 35,5 Grad, wie Meteonews schreibt. Am Abend hielten dann heftige Gewitter die Feuerwehren auf Trab. Sie mussten zu mehreren Hundert Einsätzen ausrücken.

Von einem «Bundesfeiertag mit meteorologischem Feuerwerk» spricht das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz). Und der Wetterdienst Meteonews hat am 1. August exakt 19'034 Blitze gezählt, die sich über der Schweiz entladen haben. Am meisten wurden in den Kantonen Graubünden (4498), St. Gallen (2549) und Wallis (2230) registriert.

Hagel und kräftige Windböen

Bereits im Laufe des Nachmittags hatten sich am Mittwoch zunächst im Berner Oberland und im Wallis erste Gewitter gebildet. Im Laufe des Abends entstanden auch im Mittelland vermehrt Gewitter: «Es wurde zwar nicht überall nass», schreibt Meteonews. «Dort, wo sich die Gewitter aber entluden, gab es örtlich sehr grosse Regenmengen, Hagel und kräftige Windböen.»

Heftig betroffen war zwischen 17 und 18 Uhr etwa der Raum Schaffhausen, danach auch das Gebiet vom Zürichsee bis zum Bodensee. In St. Gallen fiel in einer Stunde etwa so viel Regen wie sonst in einem Drittel des Monats. Die Folge: Es liefen Keller voll, Bäume stürzten um – die Einsatzkräfte mussten gemäss Angaben der Kantonspolizei St. Gallen etwa 300 Einsätze leisten.

Mehrere Touristen per Helikopter befreit

Im Tunnel Val S-charl im Unterengadin musste eine Familie die Nacht im Auto verbringen, nachdem mehrere Rüfen die Strasse verschüttet und ein Weiterfahren verhindert hatten. Der Mann und die beiden Frauen wurden am Donnerstagmorgen in einem Helikopter zu ihrem Ferienort nach Scuol geflogen, wie die Kantonspolizei Graubünden mitteilte.

Ebenfalls mit dem Helikopter ausgeflogen werden musste eine vierköpfige Tourengruppe, die im Silvrettagebiet im Prättigau ins Gewitter geraten war. Die Rega überführte sie nach Klosters. Von einer Rüfe verschüttet wurde zudem die Flüelastrasse auf der Nordseite kurz vor der Passhöhe.

Im Val Russein bei Sumvitg im Bündner Oberland schwemmte ein Bach Geschiebe auf die Strasse und blockierte sie dadurch vorübergehend. Etwa 20 Personen konnten das Tal verlassen, nachdem die Fahrbahn mit einem Pneulader geräumt worden war. Im hinteren Teil des Val Fallers bei Mulegns an der Julierstrecke zerstörte eine Rüfe eine Brücke.

In Seedorf ist eine Schlammlawine niedergegangen. Video: Tamedia/Leser-Reporter

Musikfestival evakuiert

In Muolen SG brannte der Dachstock eines Hauses aus. Ein Blitzeinschlag hat gemäss Polizeiangaben das Wohnhaus in Brand gesetzt. Es entstand ein Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken.

Blitz entzündet Dachstock. Bild: Kantonspolizei St. Gallen
Blitz entzündet Dachstock. Bild: Kantonspolizei St. Gallen

In Arbon TG am Bodensee wurde das Gelände des Open Air Heizwerkfestival geräumt. Grund waren Sturm und Regen, wie die Organisatoren auf Facebook mitteilten. Unter anderem hätte die Band Züri West auftreten sollen.

Heute geht das Festival aber weiter, wie die Organisatoren mitteilen. Für das ausgefallene Konzert von Züri West gibt es für die Fans eine Erstattung.

Die Niederschläge führten an mehreren Orten zu Verkehrsbehinderungen. Im Kanton Graubünden ging am Flüelapass zwischen Davos und Susch im Unterengadin eine Schlammlawine nieder und verschüttete die Strasse, wie das Tiefbauamt mitteilte. Die Strasse über den Gebirgspass bleibt mindestens bis Donnerstagmorgen gesperrt.

Tropfen auf den heissen Stein

Im Kanton St. Gallen wurde die Autobahn A 13 bei St. Margrethen überflutet. Wie die Polizei mitteilte, war die Strasse am Mittwochabend vorübergehend in beiden Richtungen gesperrt.

Das Unwetter, das am Nationalfeiertag über das Land zog, hat auch die weltweit grösste Schweizer Fahne beschädigt: Gemäss verschiedenen Medienberichten hat die Fahne am Säntis den Winden nicht standgehalten und ist zerrissen – das dritte Mal in Folge.

Die teils lokal heftigen Gewitter änderten nichts an der Dürre. Sie waren nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Um die Auswirkungen der Trockenheit nachhaltig zu mildern, bräuchte es flächendeckende und vor allem längere Niederschläge, wie Markus Kägi von Meteo Schweiz gegenüber Keystone-SDA sagte. «Am Mittwoch regnete es teils zwar intensiv, aber nur punktuell und nirgends über eine längere Zeit», sagte der Meteorologe.

Schwül-heisse Aussichten

Die vereinzelten Niederschläge brachten aber nur vorübergehende Abkühlung. Denn laut Meteo Schweiz wird es in der Schweiz auch in den nächsten Tagen bis zum Wochenende hin verbreitet über 30 Grad heiss. Und weil die Luft feuchter wird, empfinden wir die Temperaturen als deutlich unangenehmer.

Ab Mitte nächster Woche ist die Wetterentwicklung laut Meteorologen noch unsicher. Flächendeckender und anhaltender Regen ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. Die Trockenheit und die Waldbrandgefahr dürften sich also weiter zuspitzen.

Tropennacht nach Hitzerekord

Am Dienstag fielen vielerorts die Hitzerekorde dieses Jahres. Das Thermometer stieg an mehreren Orten auf knapp 36 Grad. In Sitten wurde mit 35,9 Grad die höchste Temperatur gemessen.

Am Mittwoch wurde es zwar nicht ganz so heiss. Dafür dürften viele Schweizerinnen und Schweizer wegen einer neuerlichen Tropennacht schlecht geschlafen haben. Die Temperaturen sanken in der Nacht stellenweise nicht unter 23 Grad, wie der Wetterdienst Meteonews mitteilte.

Spitzenreiter in Sachen mangelnder Abkühlung war Vevey VD, wo das Thermometer in der Nacht nicht unter 23,3 Grad sank. Auch die Einwohner von Neuhausen am Rheinfall SH dürften sich bei 23 Grad über die mangelnde Nachtkühle beklagt haben. Meteorologen sprechen von einer Tropennacht, wenn die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken.

Feuerverbote missachtet

In der Ostschweiz hielten sich Unbekannte am Dienstag nicht an das strikte Feuerverbot. Im Kanton Glarus gab es einen Flurbrand, im Kanton Appenzell-Innerrhoden fing ein Baum Feuer. Zu den Bränden führte Unachtsamkeit: In beiden Fällen waren ungenügend gelöschte Feuerstellen die Ursache.

Den Brand in einem Berggebiet bei Ennenda GL konnte die Feuerwehr Glarus mit Unterstützung eines Helikopters löschen. Das Wasser dazu entnahm sie der Linth. Vor Ort mussten die Löschkräfte vier Bäume fällen.

Auch im Kanton Appenzell-Innerrhoden konnte mit dem Umsägen eines Baums ein Ausbreiten des Feuers verhindert werden. Ein Alpsenn fällte auf der Alp Chlus eine brennende Föhre mit einer Motorsäge. Die Feuerwehr bot einen Helikopter auf und transportierte mit acht Flügen je 1000 Liter Wasser vom Seealpsee zur Brandstelle.

Ruhestörungen

Wegen mutmasslicher Verstösse gegen lokale und regionale Feuer- und Feuerwerksverbote gingen bei der Kantonspolizei Bern in den vergangenen zwei Tagen rund 40 Meldungen ein. Ein Mann verletzte sich beim Abbrennen von Feuerwerk schwer an der Hand.

Insgesamt verzeichneten die Einsatzzentralen im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 1. August rund 80 Meldungen aus dem ganzen Kanton. Diese betrafen neben dem Feuerverbot vor allem Ruhestörungen, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte.

SDA/ij/anf/fal/sep

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