US-Tourist tötet Polizisten in Rom

Zwei Touristen wollten in Rom Drogen kaufen. Sie erhielten Aspirin statt Kokain. Dann nahm das Unheil seinen Lauf.

Bestürzung nach dem Tod: Blumen vor der Römer Polizeiwache. <nobr>Foto: Andrew Medichini/AP/Keystone</nobr>

Bestürzung nach dem Tod: Blumen vor der Römer Polizeiwache. Foto: Andrew Medichini/AP/Keystone

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Zwei junge US-Bürger haben eine tödliche Messerattacke auf einen Polizisten in Rom gestanden. Der 35-jährige Carabiniere war in der Nacht auf Freitag in dem eleganten Viertel Prati nahe des Vatikans mit acht Messerstichen in die Brustgegend getötet worden, als er zusammen mit einem Kollegen einen Diebstahl aufklären wollte.

Der Fall löste in Italien Bestürzung aus. Bei den Tätern handelt es sich um einen 18-Jährigen und einen 19-Jährigen aus San Francisco, die als Touristen nach Rom gereist waren und ein Vier-Sterne-Hotel nahe des Mordschauplatzes bezogen hatten. Das Messer, mit dem der Ältere der beiden den Carabiniere erstochen haben soll, und blutbeschmierte Kleider wurden im Hotelzimmer beschlagnahmt. Die beiden Jugendlichen hatten den Angaben zufolge schon die Koffer gepackt und die Tickets für den Rückflug in die USA gekauft.

Die Touristen hatten von einem römischen Dealer vermeintlich Kokain gekauft, jedoch kurz darauf festgestellt, dass ihnen Aspirin angedreht worden war. Wütend suchten sie den Drogenhändler auf und stahlen ihm seinen Rucksack, in dem sich Suchtgift und ein Smartphone befanden.

Dealer alarmiert Polizei

Der Dealer rief danach sein eigenes Smartphone an, kontaktierte damit die Jugendlichen und verhandelte, um seinen Rucksack zurückzubekommen. Zugleich alarmierte er die Carabinieri und berichtete, er sei von «Nordafrikanern» bestohlen worden. Mit den Amerikanern einigte er sich auf ein Treffen zur Rückgabe des Rucksacks für 100 Euro und ein Gramm Kokain. Zum Treffen erschien der Dealer mit zwei Carabinieri in Zivil.

Als die Amerikaner aufgefordert wurden, sich auszuweisen, ging einer von ihnen auf einen der beiden Polizisten los und versetzte ihm acht Messerstiche. Später sagte er der Polizei, er dachte der Beamte sei ein Dealer.

Die Attacke endete für den Beamten tödlich. Der zweite Polizist wurde leicht verletzt. Die Sicherheitskräfte starteten daraufhin die Suche nach dem Täter, was zur Festnahme der beiden US-Bürger führte. Der Täter nahm laut der Polizei Psychopharmaka gegen Panikattacken ein. Am Abend der Bluttat hatten die beiden Drogen und Alkohol eingenommen. Dies könne die Gewalt erklären, mit dem der Täter auf den Beamten losgegangen sei.

Bestürzung nach Tod des Polizisten

Der Tod des Carabiniere löste Bestürzung in Italien aus. Staatspräsident Sergio Mattarella und Premier Giuseppe Conte drückten den Familienangehörigen ihr Beileid aus. Der Polizist hatte erst vor 43 Tagen geheiratet.

Für Diskussionen sorgte ein im Internet veröffentlichtes Bild, in dem der mutmassliche Täter gefesselt und mit verbundenen Augen beim Verhör zu sehen ist. Die Polizeiführung leitete eine Untersuchung ein, die klären soll, warum der Mann so behandelt wurde und wie das Foto an die Öffentlichkeit gelangte. (nlu)

Erstellt: 28.07.2019, 21:18 Uhr

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