Eng, heiss, dreckig – Video deckt grausamen Schaftransport auf

2400 Schafe sind auf einem australischen Transportschiff an Überhitzung gestorben. Tierschützer zeigen nun, unter welchen Umständen.

Australische Tierschützer veröffentlichten ein erschreckendes Video: Auf einem Schiff ringen Schafe um Luft und verenden. (Video: Animals Australia via Storyful/Tamedia)

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Ein erst jetzt von Tierschützern veröffentlichtes Video aus dem Jahr 2017 schockiert Australien. Es zeigt auf einem Schiff zusammengepferchte Schafe, sie stehen so eng, dass nicht alle an die Futter- oder Wassertröge kommen, schwer atmende, keuchende Tiere, die zusammengebrochen am Boden in Exkrementen liegen, verwesende Körper, und Arbeiter, die tote Tiere über Bord werfen. Gedreht wurde das Video im August 2017, öffentlich gemacht aber erst jetzt. Weil ungewöhnlich viele Tiere starben, untersucht die australische Regierung den Fall.

Er sei schockiert und am Boden zerstört, sagte Landwirtschaftsminister David Littleproud über die Bilder. Auf dem Schiff befinde sich die Existenz der australischen Bauern. «Das ist ihr Stolz und ihre Freude, und es ist einfach nur grosser Mist, dass das, was ich gesehen habe, passiert ist.» Es dürfe nicht wieder geschehen.

Das Schiff der Firma Emanuel Exports war im August 2017 mit 63'804 Schafen an Bord rund drei Wochen von Fremantle an der Westküste Australiens nach Katar, Kuwait und in die Vereinigten Arabischen Emirate unterwegs. 2400 Tiere starben auf der Awassi Express an Überhitzung – es herrschten Temperaturen von über 36 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent.

Schockierte Exporteure

«Das Einsammeln der toten Schafe auf dem voll beladenen Schiff zu organisieren, war schwierig», heisst es in einem Bericht des Exporteurs an das Landwirtschaftsministerium. «Die toten Körper zu markieren, war völlig nutzlos, da sie sich in der Hitze schnell zu zersetzen begannen.» Weil die Sterberate mit 3,76 Prozent den gesetzlichen Grenzwert (2 Prozent) überstieg, wird der Fall untersucht. Bereits im Jahr 2016 starben auf einem Schiffstransport von Emanuel Exports in den Arabischen Golf ungewöhnlich viele Tiere. Von 69'322 Schafen verendeten damals 3027 an Bord.

Australien gehört zu den grössten Exporteuren lebender Rinder, Schafe und Ziegen nach Südostasien und in den Mittleren Osten. 2017 exportierte das Land total 1'953'918 Schafe im Wert von 249 Millionen australischen Dollar (rund 183 Millionen Schweizer Franken). 98 Prozent der Schafe gingen in den Mittleren Osten, nach Nordafrika und Europa. Kuwait ist mit 646'218 Schafen (33,1 Prozent) der grösste Abnehmer, gefolgt von Katar mit 640'000 Tieren (32,8 Prozent) und der Türkei mit 224'757 Schafen (11,5 Prozent).

Australien liefert seit 60 Jahren lebende Tiere in den Arabischen Golf. Der Chef der Vereinigung der Lebendexporteure (Australian Livestock Exporters' Council) verurteilte die gefilmten Umstände als inakzeptabel und kündigte eine Anpassung der Standards an. Unter anderem sollen die Exportregelungen für die Monate Juli und August verschärft werden.

Beladenes Schiff blockiert

Derweil steckt das Schiff, von dem die schockierenden Bilder stammen, im Hafen von Fremantle fest. Die Awassi Express hätte aktuell 65'000 Schafe nach Kuwait, Oman, Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate liefern sollen. Inspektoren hinderten den Frachter am Auslaufen und verlangen eine Überprüfung der Lüftungssysteme in den Ställen.

Der Chef von Emanuel Exports, Nicholas Daws entschuldigte sich nach der Veröffentlichung des Videos für den Vorfall. Dieser sei tragisch für seine Firma und die Produzenten, deren Tiere sich auf dem Schiff befunden hätten. Man habe die Standards angepasst und werde sich an die Auflagen des Landwirtschaftsministeriums halten. Ausserdem habe man zusätzliches Personal eingestellt und die Route geändert, sodass vor Katar erst Kuwait angelaufen werde.

Das Landwirtschaftsministerium hatte der Exportfirma zuvor strengere Regeln auferlegt. Die Schafe müssten immer Zugang zu Futter und Wasser haben, das Schiff über ein genügendes Lüftungssystem verfügen und die Beladung unter den normalerweise geltenden Standards liegen. Ausserdem müssten genügend Tierärzte und ausgebildete Tierpfleger an Bord sein. Ein unabhängiger Beobachter soll die Schiffe begleiten und täglich Berichte und Fotos liefern.

Tierschützer verurteilen die Zustände beim Export von lebenden Tieren. «Das zeigt, dass die Art, wie Schafe exportiert werden, nicht den australischen Gesetzen genügen», sagt Dr. Bridda Jones, Chef-Wissenschaftlerin bei der Tierschutzorganisation RSPCA Australia. «Der Schmerz, das Leiden und der Tod an Bord der Schiffe sind Beweis genug.» Die Tierschutzorganisation Peta hat nun eine Petition ins Leben gerufen, die den Export von lebenden Tieren aus Australien verbieten soll. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2018, 13:31 Uhr

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