Vierfachmörder von Rupperswil verlangt eine Therapie

Thomas N. zieht das Urteil ans Bundesgericht. Mit einer ambulanten Massnahme will er seine Tat verarbeiten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Vierfachmord von Rupperswil wird nun auch das Bundesgericht beschäftigten. Der vor zwei Monaten vom Aargauer Obergericht verurteilte Mörder verzichtet zwar darauf, die ordentliche Verwahrung anzufechten. Er verlangt eine ambulante, vollzugsbegleitende Massnahme.

Eine solche Therapie war ihm in erster Instanz, vom Bezirksgericht Lenzburg, angeordnet worden. Das Obergericht hob diese Forderung Mitte Dezember letzten Jahres auf Antrag der Staatsanwaltschaft aber wieder auf.

Wenn schon eine stationäre Massnahme laut den Experten die Rückfallgefahr des Verurteilten kaum deutlich reduziere, sei dies bei einer ambulanten erst recht nicht der Fall, sagte der Obergerichtspräsident im Dezember bei der Begründung.

Jetzt versucht es der Vierfachmörder vor dem Bundesgericht. Pflichtverteidigerin Renate Senn bestätigte am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung der Zeitungen von CH Media, wonach ihr Klient Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht hat und eine vollzugsbegleitende, ambulante Massnahme fordert. Damit will er seine Tat verarbeiten.

Freiheitsstrafe akzeptiert

Das Bezirksgericht Lenzburg hatte den heute 35-jährigen Schweizer im März 2018 wegen mehrfachen Mordes und verschiedener anderer schwerer Delikte zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt und eine ordentliche Verwahrung angeordnet. Die Freiheitsstrafe akzeptierte der Mann.

Diese ist bereits rechtskräftig und war nicht mehr Thema bei der Verhandlung vor dem Obergericht. Auch in Sachen Verwahrung verzichtet der Verurteilte nach dem Urteil des Obergerichts auf einen Weiterzug ans Bundesgericht.

Dieses muss nun aber die umstrittene Frage klären, ob eine ambulante Therapie in Verbindung mit einer Verwahrung überhaupt gesetzeskonform ist. Auf der einen Seite stellt eine Verwahrung die Therapiefähigkeit eines Verurteilten in Abrede. Auf der anderen Seite würde die Anordnung einer Therapie davon ausgehen, dass der Verurteilte eventuell erfolgreich behandelt werden kann.

(red/sda)

Erstellt: 21.02.2019, 09:43 Uhr

Artikel zum Thema

Der Fall Rupperswil ist noch nicht vorbei

Kommentar Thomas N. wird nicht lebenslänglich verwahrt. Gefährdet das die öffentliche Sicherheit? Mehr...

Frank Urbaniok greift Gutachter im Fall Rupperswil an

Der Zürcher Psychiater nimmt öffentlich Stellung zum Berufungsprozess gegen den Vierfachmörder Thomas N. Dafür erntet er heftige Kritik. Mehr...

Thomas N. soll lebenslang verwahrt werden

Nach Thomas N. hat nun auch die Aargauer Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg eingelegt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Vaterschaftsurlaub – der Krimi geht weiter

Sweet Home Grosses Theater zu Hause

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...