Von diesem Alphirten fehlt seit zwei Jahren jede Spur

Erwin Ramsauer verschwand im Herbst 2017 auf rätselhafte Art. Er war topfit unf ein geübter Berggänger. Was ist damals im Sägistal passiert?

Seit zwei Jahren vermisst: der Bauer Erwin Ramsauer

Seit zwei Jahren vermisst: der Bauer Erwin Ramsauer Bild: Schweizer Bauer

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Nicht manche Alp ist weitläufiger, zerklüfteter und unberührter als das Sägistal. Drei Alphütten und ein kaum begangener Bergwanderpfad sind die einzigen Spuren, welche der Mensch bisher da oben hinterlassen hat. Diese auf 1940 Meter über Meer, hoch über dem Brienzersee-Forf Iseltwald liegende Hochebene mit dem sieben Hektaren grossen Bergsee war während des Sommers 2017 das Zuhause von Erwin Ramsauer.

Idyllischer Sägistalsee: In der Hütte im Hintergrund logierte der Älpler bis zu seinem Verschwinden am 12. September 2017. Bild: Bruno Petroni

Hier betreute er 86 Rinder. Nach dessen Besuch in der Männdlenenhütte (2344 m) am Nachmittag des 12. September ist der Älpler spurlos verschwunden; der Alpvogt Alfred Chervet fand am nächsten Tag Ramsauers Bett in der 200-jährigen Alphütte neben dem Sägistalsee kalt vor.

In eine Höhle gestürzt?

Bis zum heutigen Tag fehlt vom erfahrenen Alphirten jegliches Lebenszeichen. Robert Reichen, der seit 23 Jahren das Berghaus Männdlenen (Weberhütte) betreibt, war der Letzte, der den damals 33-jährigen St. Galler gesehen hat: «Wir haben vor der Hütte noch etwas zusammen getrunken, und Erwin erzählte mir voller Vorfreude von seinem neuen Winterjob in Hasliberg. Danach haben wir uns voneinander verabschiedet.

Ich schaute ihm noch zu, wie er in seinen Gummistiefeln durch das Hühner­täli in Richtung Sägistalsee abgestiegen ist.» Raumsauer sei ausgesprochen geländegängig gewesen, selbstsicher und topfit. Auch Reichen kann deshalb bloss spekulieren, was danach wohl geschehen sein könnte. Er vermutet aber, dass der Älpler irgendwo in ein enges, tiefes Höhlenloch gestürzt sein könnte.

«Im Chessilochsystem des Sägistals gibt es über 400 von aussen kaum oder gar nicht sichtbare Karsthöhlen.»Robert Reichen, Pächter der Männdlenenhütte
und letzter Augenzeuge

«Solche teilweise von aussen kaum oder gar nicht sichtbaren Karsthöhlen gibt es im Chessilochsystem des Sägistals über 400.» Robert Reichen pflegt auch heute noch Kontakt zu den Hinterbliebenen von Erwin Ramsauer, die inzwischen im Uferbereich des Sägistalsees einen Gedenkstein für den Verschollenen eingerichtet haben.

Das plötzliche Verschwinden von Erwin Ramsauer vor zwei Jahren löste eine gross angelegte Suchaktion aus. So suchten die Alpine Rettung Schweiz, die Kantonspolizei und die Rega bei misslichen Witterungsbedingungen (Wintereinbruch) das sieben Quadratkilometer grosse Sägistal nach dem Vermissten ab. Nach vier Tagen wurde die Suche ergebnislos unterbrochen.

Grosses Medieninteresse

Heute, nach zwei Jahren, läuft die polizeiliche Suche nach Erwin Ramsauer im Hintergrund, wie Mediensprecherin Letizia Paladino von der Kantonspolizei Bern auf Anfrage sagt. «Sobald zum Fall neue Hinweise vorliegen, werden wir diesen selbstverständlich nachgehen.» Grundsätzlich werden Vermisstmeldungen von den Polizeiorganen zurückhaltend angewendet.

Der Sägistalsee (Rotes Zeichen) oberhalb des Brienzersees. Bild: Screenshot Google Maps

Dies ist davon abhängig, wie selbstständig eine gesuchte Person ist: Bei gebrechlichen, kranken, behinderten oder anderweitig auf Betreuung angewiesenen Menschen wird eher auf die Mithilfe aus der Bevölkerung zurückgegriffen als bei Leuten, die sich wie der vermisste Erwin Ramsauer in ihrem Umfeld selbstsicher und mit viel Erfahrung aufhalten.

Auch ist die Suche nach Augenzeugen nur in hoch frequentierten Gebieten wie urbanen Räumen erfolgversprechend. Auf einer ausgesprochen abgelegenen Alp wie dem Sägistal halten sich nur sehr wenige Wanderer auf. Die Chance, dass aus der Bevölkerung sachdienliche Hinweise eingehen, ist entsprechend verschwindend klein.

Als die «Berner Zeitung» im Oktober 2017 über das Verschwinden von Erwin Ramsauer berichtet hatte, griffen viele weitere Medien das Thema ebenfalls auf. Das Schicksal des verschwundenen Älplers sorgte in der Folge im ganzen Land für Schlagzeilen.

Erstellt: 12.09.2019, 12:08 Uhr

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