Acht Tote, 900 Verletzte: Walmart stoppt E-Zigaretten-Verkauf

In den USA mehren sich die Reaktionen auf Erkrankungen durch E-Zigaretten. New York hat ein Verbot erlassen, weitere Grossstädte dürften folgen.

Walmart veräussert nur noch die vorhandenen Bestände, dann ist Schluss: Eine E-Zigarette. (Archivbild)

Walmart veräussert nur noch die vorhandenen Bestände, dann ist Schluss: Eine E-Zigarette. (Archivbild) Bild: Keystone

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Angesichts Hunderter schwerer Lungenverletzungen durch E-Zigaretten sprechen zwei US-Experten von einer Gesundheitsgefahr epidemischen Ausmasses. Bis Freitag seien in den USA und auf den Jungferninseln mehr als 900 Fälle von schweren Lungenerkrankungen, die mit Dampfen zusammenhängen, aufgetreten, schreiben Yulin Hswen und John Brownstein vom Boston Children's Hospital im renommierten «New England Journal of Medicine».

Knapp 500 davon seien bestätigt, bei den übrigen handle es sich um Verdachtsfälle. Acht Menschen seien bis Freitag an Lungenschäden gestorben, schreiben die Autoren.

Die Ursache für die Lungenschäden ist noch immer unklar. Möglich seien etwa Aromastoffe in den Flüssigkeiten, das Vermischen mit Ölen, die den Cannabis-Wirkstoff THC oder Vitamin E enthalten, oder aber Schwarzmarktprodukte, schreiben die beiden Epidemiologen. Zu den Symptomen zählen demnach Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.

«Angesichts der zunehmenden Beliebtheit und dem verbreiteten Gebrauch von E-Zigaretten, die als sichere Alternative zum Rauchen vermarktet werden, stellen diese Fälle eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar», schreiben Hswen und Brownstein. Die Entwicklung habe epidemische Ausmasse erreicht.

In der Schweiz und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg von Lungenschädigungen bekannt. Die Beschwerden scheinen sich auf Benutzer in den USA zu beschränken.

Walmart reagiert

Der US-Einzelhandelsgigant Walmart stellt den Verkauf von E-Zigaretten ein. Er reagiert damit auf zunehmende gesetzliche Bestimmungen und die Ungewissheit über die Risiken dieser Produkte werde der Verkauf nun beendet, wie der Konzern am Freitag mitteilte.

Die vorhandenen Bestände würden noch veräussert, danach werde das Geschäft mit den E-Zigaretten nicht fortgeführt.

Am Donnerstag hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC ihrerseits Zahlen zu Erkrankungen veröffentlicht. Diesen zufolge wurden 530 Fälle von Lungenerkrankungen registriert, sieben Patienten starben. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 25, drei Viertel der Erkrankten sind Männer. 16 Prozent der Betroffenen sind minderjährig.

Die Betroffenen leiden unter Symptomen wie starken Atemproblemen und Brustschmerz, viele müssen künstlich beatmet werden. Mehrere Jugendliche in den USA liegen im künstlichen Koma. Die US-Bundesstaaten Michigan und New York verhängten bereits ein Verbot von aromatisierten E-Zigaretten; die Stadt Los Angeles erwägt diesen Schritt

Risiken für Konsumenten

In den USA und Kanada sind elektronische Zigaretten seit 2006 auf dem Markt. Die grossen Tabakkonzerne bewerben die E-Zigaretten auf der Suche nach neuen Kunden: Nach ihren Angaben sind diese Produkte deutlich weniger gefährlich als traditionelle Zigaretten und können Rauchern dabei helfen, komplett auf «sicherere» Alternativen umzusteigen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bergen die batteriebetriebenen Geräte, bei denen mit Nikotin versehene Flüssigkeiten verdampft werden, aber ebenfalls Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. Sie fordert deshalb deren Regulierung. Kritiker befürchten vor allem, dass E-Zigaretten Jugendliche nikotinabhängig machen.

(chk/oli/sda)

Erstellt: 21.09.2019, 05:17 Uhr

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