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Wanderarbeiter nach Mord an Touristen-Paar zum Tode verurteilt

Trotz grosser Zweifel an der Ermittlungsarbeit und Foltervorwürfen sollen zwei Arbeiter aus Burma für den Mord an einem britischen Touristenpaar sterben.

Trotz Foltervorwürfen: Diese beiden Wanderarbeiter aus Myanmar sollen sterben. (24. Dezember 2015)
Trotz Foltervorwürfen: Diese beiden Wanderarbeiter aus Myanmar sollen sterben. (24. Dezember 2015)
Keystone

Menschenrechtler zeigen sich entrüstet – und fordern einen fairen Berufungsprozess. Wegen Mordes an einem britischen Touristenpaar sind in Thailand zwei Wanderarbeiter aus Burma zum Tode verurteilt worden. Der Richterspruch gegen Win Zaw Htun und Zaw Lin sorgte am Donnerstag jedoch umgehend für scharfe Kritik, da Geständnisse nach deren Angaben unter Folter zustande kamen und es bei dem Fall von Anfang etliche Ungereimtheiten gab. Die Anwälte der Angeklagten kündigten an, in Berufung zu gehen.

Am 15. September 2014 waren die böse zugerichteten Leichen eines 23-jährigen Briten und dessen ein Jahr jüngerer Freundin an der Felsenküste von Koh Tao entdeckt worden, einer Ferieninsel im Golf von Thailand. Autopsien ergaben, dass die Rucksacktouristen schwere Kopfverletzungen erlitten. Die junge Frau wurde demnach vergewaltigt.

Tatort nicht ordentlich gesichert

Das brutale Verbrechen an den Urlaubern galt als Rückschlag für das thailändische Tourismusgewerbe, das nach dem Militärputsch im Mai 2014 ohnehin mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Unter immensem Handlungsdruck bat die Polizei mehr als 200 Menschen auf Koh Tao zum DNA-Test. Schon zu Beginn warf der Fall allerdings Fragen über die Herangehensweise der Ermittler auf: Ihnen wurde etwa vorgeworfen, den Tatort nicht ordentlich gesichert und mehrfach Namen sowie Fotos von Verdächtigen veröffentlicht zu haben, die sich später als unschuldig entpuppten.

Nachdem auch das Aussenministerium in London seine Besorgnis geäussert hatte, erhielten britische Ermittler Einblick in die Arbeit ihrer Kollegen aus Thailand.

Männer widerriefen die Geständnisse

Rund zwei Wochen nach dem Doppelmord wurden die zwei myanmarischen Arbeiter Win Zaw Htun und Zaw Lin festgenommen. Die Polizei teilte mit, das Duo habe die Taten gestanden. Auch DNA-Spuren brächten sie mit den Verbrechen in Verbindung. Doch später widerriefen die Männer die Geständnisse und sprachen von Nötigung durch die Polizei.

Win Zaw Htun sagte aus, er sei gefoltert, geschlagen und bedroht werden, auf dass er gestehen möge. Ihm seien nackt Handschellen angelegt und Fotos von ihm gemacht worden, sagte sein Anwalt Nakhon Chompuchat. Beamte hätten seinem Mandaten zudem angedroht, ihn an einen Felsen zu binden und im Meer zu versenken. Der Mitangeklagte Zaw Lin erklärte, ihm seien zunächst die Augen verbunden und dann Schläge auf den Brustkasten versetzt worden. Immer wieder sei ihm zudem eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt worden, bis er ohnmächtig geworden sei, sagte Nakhon. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.

Beweismittel manipuliert?

Der bekannteste Forensikerin Thailands, Porntip Rojanasunand, sagte jedoch aus, die Polizei habe Beweismittel manipuliert, darunter die nach Behördenangaben als Mordwaffe genutzte Hacke. Sie habe das Gerät erneut einem Test unterzogen und dabei zwar DNA-Spuren zweier Männer gefunden – aber nicht jener der Verdächtigen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangte eine Prüfung des Todesurteils in einem «transparenten und fairen Berufungsprozess.» Die verhängte Strafen seien in Anbetracht der nicht näher untersuchten Foltervorwürfe der zwei Beschuldigten und den von der Gerichtsmedizinerin in Zweifel gezogenen DNA-Beweisen «zutiefst verstörend», sagte Phil Robertson, Vize-Direktor der Asien-Abteilung der Organisation.

SDA/pat

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