Was wird aus der Patrouille Suisse?

Der erste Unfall in ihrer 52-jährigen Geschichte stellt die Zukunft der Kunstflugstaffel der Schweizer Armee infrage.

Augenzeugenvideos: So stürzte die Maschine der Patrouille Suisse ab. Video: TA/jd

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Am Donnerstag um 16.15 Uhr endete ein Schweizer Mythos. Nach 52 unfallfreien Jahren touchierten sich zwei Jets der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse bei einem Trainingsflug in den Niederlanden, worauf eines der beiden beteiligten Flugzeuge abstürzte. Der Pilot konnte sich rechtzeitig mit dem Schleudersitz retten und wurde nur leicht verletzt.

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Trotzdem wirft der Absturz die Grundsatzfrage nach dem Sinn solcher Kunstflugstaffeln auf. Flugshows setzten Piloten wie auch die Zuschauer generell «unnötigen Risiken» aus, sagt die Zürcher SP-Nationalrätin und Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf. Für sie stelle sich die Frage, ob man «das Schicksal auf diese Weise herausfordern soll». Sie selber habe schon beim Auftritt der Patrouille Suisse an der Gotthard-Eröffnung «ein schlechtes Gefühl» gehabt.

Auch der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission, räumt ein, dass bei ihm manchmal ein mulmiges Gefühl mitschwinge. Zweifellos gebe es bei Flugshows «ein Restrisiko». Trotzdem findet Baumann, dass solche Flugdarbietungen ihre Berechtigung hätten: Sie böten den Piloten Gelegenheit, ihr Können und ihr Material zu demonstrieren.

Trotzdem prognostiziert Max Ung­richt, Co-Autor eines Buchs über die Patrouille Suisse, dass der Unfall eine Sicherheits­debatte provozieren werde. «Jetzt werden sich die Leute doch ­fragen: Was, wenn dieser Unfall an der Flugshow mit Hunderttausenden Zuschauern passiert wäre?»

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Laut Luftwaffenchef Aldo Schellenberg hält die Patrouille Suisse stets einen Sicherheitsabstand ein. «Flugvorführungen werden nicht über Publikum abgehalten», sagte er an einer kurzfristig einberaumten Medienkonferenz. Trotz des Unfalls betreibt die Luftwaffe ihre inzwischen 40 Jahre alten Tiger-Jets vorderhand weiter. Es gebe bis anhin keine Hinweise auf einen technischen Defekt, sagte Schellenberg. Er sehe darum «keinen Grund, die Tiger-Flotte zu grounden.» Auch für die Zukunft der Patrouille Suisse sieht Schellenberg keine direkten Konsequenzen. Die Kunstflugstaffel habe «sicher so lang Bestand, wie die F-5 weiterbetrieben werden», sagte er. Eine Ausserdienststellung des F-5 werde frühestens 2018 ein Thema.

Im Jahr 2013 hatte der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer eine baldige Ausserbetriebnahme der Patrouille Suisse angekündigt. Damit provozierte Maurer einen derartigen Proteststurm, dass er von seinen Plänen rasch ­wieder Abstand nehmen musste.

Erstellt: 10.06.2016, 00:13 Uhr

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