Welche Folgen hat der heutige Vorfall für die neue Bombardier-Flotte?

Am Freitag der Jungfernflug, jetzt schon die erste Panne: Aviatikexperte Stefan Eiselin über Probleme mit dem Swiss-Flugzeug Bombardier CS100.

Schon wieder am Boden: Das neue Swiss-Passierflugzeug Bombardier CS100 bei seiner erstmaligen Ankunft am Zürcher Flughafen am 17. Juni 2015.

Schon wieder am Boden: Das neue Swiss-Passierflugzeug Bombardier CS100 bei seiner erstmaligen Ankunft am Zürcher Flughafen am 17. Juni 2015. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Heute Morgen musste ein Swiss-Flieger auf dem Weg nach Manchester umkehren – es handelte sich ausgerechnet um einen neuen Bombardier CS100, den sogenannten Flüsterjet. Letzten Freitag absolvierte er seinen ersten kommerziellen Passagierflug, jetzt gibt es bereits die ersten Probleme. «Beim Belüftungssystem des Flugzeuges ist eines von zwei Systemen ausgefallen», erklärte Swiss-Sprecherin Karin Müller. Doch was bedeutet dieser Vorfall für die Bombardier-Flotte? Wir haben bei Stefan Eiselin, Aviatikexperte des «Tages-Anzeigers», nachgefragt.

Wie schlimm ist die Panne des neuen Swiss-Fliegers?
Es ist sicher nicht das, was sich Bombardier und Swiss gewünscht haben. Jede auch noch so kleine Panne sorgt in dieser Anfangsphase für Schlagzeilen. Immerhin ist es das erste Flugzeug dieses Typs weltweit, das fliegt. Schlimm ist sie aber mitnichten.

Kommt dieses Problem für Sie nicht überraschend?
Es gibt bei neu eingeführten Flugzeugen meistens noch etwas, das man erst im Betrieb feststellt. Man testet sie natürlich vorher, allerdings nur mit Ingenieuren und ohne Passagiere. Wenn das Flugzeug dann später voll besetzt ist, können unter den neuen Umständen gewisse Probleme entstehen, die man vorher nicht bemerkt hat.

Es ist also üblich, dass bei neuen Fliegern noch nicht alles ausgereift ist?
Es kommt zumindest immer wieder vor, wie beispielsweise beim Dreamliner vor ein paar Jahren. Flugzeugbauer Boeing hatte mit diesem Modell am Anfang grosse Probleme. Das ging so weit, dass alle Dreamliner für mehrere Monate stillgelegt werden mussten, bis man wusste, wo genau das Problem liegt. Airbus hatte beim A380 ebenfalls Probleme. Im Normalbetrieb entdeckte man Haarrisse an den Flügeln. Das erforderte teure Reparaturen.

Welche Folgen hat der heutige Vorfall für die neue Bombardier-Flotte?
Ich glaube momentan nicht, dass es sich um ein grösseres Problem handelt. Wenn die Belüftung nun wiederholt ausfallen würde, müsste man sicher genauer hinschauen und etwas generell unternehmen. Es kann sich aber auch um einen Zufall handeln. Trotzdem ist ein solcher Vorfall für den Flugzeugbauer immer unschön und für die Swiss auch.

Welche Kosten kommen auf die Schweizer Airline zu?
Die Kosten für allfällige Reparaturen sind kein Problem, denn die Swiss hat mit dem kanadischen Hersteller Bombardier eine Art Spezialvertrag. Als Erstkundin erhält sie gratis Support vor Ort, mit Technikern und Ersatzteilen.

Wird die Swiss künftig vorsichtiger sein, bevor sie einen neuen Flieger einsetzt?
Das ist eigentlich nicht möglich. Zuerst einmal wird ja ein Flugzeugtyp von den Behörden überprüft und für gut befunden. Danach wird jedes einzelne Flugzeug mehrmals geflogen, von Swiss-Technikern genaustens untersucht und abgenommen, bevor man es wirklich übernimmt. Das ist nicht wie bei einem Auto, das man einfach kauft und damit losfährt.

Erstellt: 19.07.2016, 17:06 Uhr

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