Wem gehört der Ellbogen rechts unten auf dem «Time»-Cover?

Das US-Magazin hat die #MeToo-Bewegung zur «Person des Jahres» gekürt. Doch was steckt hinter dem Arm, der scheinbar unachtsam ins Bild reicht?

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Das US-Magazin «Time» hat am Mittwoch all diejenigen als «Person des Jahres» 2017 gewürdigt, die ihre Stimme gegen sexuelle Übergriffe erhoben haben. Die Auszeichnung gehe an diejenigen, die «das Schweigen gebrochen haben», teilte «Time» mit.

Doch ein Detail auf dem Cover wirft Fragen auf: Auf der rechten Seite reicht in der unteren Ecke ein Ellbogen ins Bild. Wem gehört der Arm?

Ein «Akt der Solidarität»

«Das ist Absicht», erklärte Charlotte Alter von «Time» dem Nachrichtenportal Buzzfeed. «Es ist eine Frau, die anonym bleiben möchte. Sie arbeitet in einem Spital und wurde sexuell belästigt. Aber sie hatte nicht das Gefühl, an die Öffentlichkeit treten zu können.»

Auf seiner Website ergänzt «Time»: Die Frau arbeitet im Bundesstaat Texas und fürchtet, dass sich die Offenbarung ihrer Identität negativ auf ihre Familie auswirken würde.

Das Magazin hat ihren Ellbogen wegen der Symbolik auf dem Titelbild abgelichtet: «Sie ist auf dem Cover, aber ohne Gesicht und namenlos», schreibt «Time». Ihr Erscheinen sei ein «Akt der Solidarität» mit all jenen Opfern sexueller Belästigung, die sich nicht – oder noch nicht – zu erkennen geben können.

«Es ist wichtig, diejenigen einzubeziehen, die aus beruflichen Gründen nicht an die Öffentlichkeit treten können, oder nicht die nötigen Ressourcen dazu haben», erklärte Alter. «Wir wollten damit auch auf das Risiko aufmerksam machen, das diese Frauen eingehen, wenn sie ihr Schweigen brechen.»

«Es ist eine Frau, die anonym bleiben möchte»: Charlotte Alter von Time erklärt das Cover in einem Interview mit Buzzfeed. (6. Dezember 2017) Video: Twitter/Buzzfeed

Das «Time»-Magazin hat mit seiner Wahl der «Person des Jahres» auf den Skandal um den ehemaligen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und die danach folgende Serie von Enthüllungen zu sexuellem Missbrauch durch Prominente reagiert.

Im Internet schlossen sich die vom «Time»-Magazin gewürdigten Frauen und Männer, die das Schweigen gebrochen haben, zu der Kampagne #MeToo (Ich auch) zusammen. Weltweit schlossen sich Millionen Frauen der Internetaktion gegen sexuelle Übergriffe an. Viele von ihnen berichteten über sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen. Angestossen wurde die Kampagne von der US-Schauspielerin Alyssa Milano im Kurzbotschaftendienst Twitter als Reaktion auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein.

«Time» verleiht den Titel nach eigenen Angaben jeweils an diejenige Persönlichkeit, die «zum Guten oder zum Schlechten am meisten dazu beigetragen hat, die Ereignisse des Jahres zu beeinflussen». Auf Platz zwei folgte in diesem Jahr US-Präsident Donald Trump vor dem chinesischen Staatschef Xi Jinping.

(mch/sda)

Erstellt: 07.12.2017, 17:06 Uhr

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